Hauptmenü öffnen

Grünzonenkorridor

Blick nach Westen: Im Vordergrund das noch zum Unterpinzgau gehörende Zeller Becken mit der B 311 zwischen den raumgreifenden Gewerbegebieten der Gemeinden Bruck an der Großglocknerstraße und Zell am See, im Hintergrund das Oberpinzgauer Salzachtal
Blick nach Osten: Das Oberpinzgauer Salzachtal von der Wildkogelrodelbahn aus gesehen

Die Einrichtung von Grünzonenkorridoren in stark besiedelten Kulturlandschaften sichert den regionalen und den überregionalen genetischen Austausch zwischen Biotopen und ist daher zum Erhalt der Artenvielfalt vor allem bei Wildtieren, aber auch für Wildpflanzen unverzichtbar.

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Stark besiedelte Kulturlandschaften stehen durch die Errichtung von großflächigen Wohn- und Betriebsarealen für Flächenverbrauch und durch die Existenz zahlreicher Verkehrswege wie [[Autobahn]en und Schnellstraßen, Bundesstraßen und Gemeindestraßen, sowie von Bahntrassen für die Zerschneidung und Fragmentierung der Landschaft. Teilweise überbordender Flächenverbrauch und stark frequentierte Verkehrswege verkleinern und zerschneiden den Naturraum, reduzieren landwirtschaftlich genutzte und nutzbare Flächen, schaffen verinselte Biotope und vernichten den regionalen und den überregionalen Lebensraumverbund.

Werden daher keine entsprechenden Maßnahmen gesetzt, kommt es zur genetischen Verarmung der Wildtierpopulationen, da die dafür notwendigen Wanderungen und damit der genetische Austausch verunmöglicht werden. Wanderungsmöglichkeiten sind sowohl kleinräumig als auch großräumig, das heißt regional, überregional, länderübergreifend und für ganz Europa relevant.

Entscheidungs- und Handlungsebenen

Für die anzustrebende Absicherung bzw. Wiederherstellung der Lebensraumvernetzung sind daher gesetzliche Maßnahmen auf Europäischer Ebene, deren koordinierte länderübergreifende Umsetzung auf Ebene der Nationalstaaten, auf Länderebene und auf Gemeindeebene erforderlich. Bleiben Erstere in der Bevölkerung oft unbemerkt, lösen Letztere Verunsicherung und Debatten aus, wie derzeit – im Sommer 2014 - im Oberpinzgau, weil sie vermeintlich die Rechte der Grundbesitzer betreffen und von diesen Einschränkungen der Verfügungsgewalt über ihren Grund und Boden befürchtet werden.

Zusätzlich zu dieser Entscheidungs- und Handlungshierarchie besteht durch die betroffenen, auf unterschiedliche Ministerien und Behörden verteilten Kompetenzbereiche ein hoher Koordinations- und Vernetzungsbedarf. Denn was nützt es, wenn eine Autobahn (Bundeskompetenz, bzw. ASFINAG) mit einer teuer errichteten Wildpassage versehen und eine der daran anschließenden Grünzonen durch die nachfolgende Widmung eines Betriebsansiedlungsgebietes (Gemeindekompetenz) in ihrer Funktion als Grünzonenkorridor vernichtet wird.

Grünraumverbindungen als Pinzgauer Entwicklungsziel

Haupttäler in den Alpen zählen zu jenen Gebieten, die durch wachsende Siedlungen, durch Widmung von Betriebsgebieten und durch den Ausbau des übergeordneten Verkehrsnetzes aufgrund der geografischen Gegebenheiten in besonderer Weise eine Verinselung der Lebensräume von Wildtieren bewirkt. Das Land Salzburg zählt andererseits nicht zu jenen Bundesländern, in denen die Verantwortlichen diesem lange bekannten Trend frühzeitig entgegen gewirkt haben. Erst am 1. August 2013 wurden Grünzonenkorridore für die Aufnahme in das Regionalprogramm des Pinzgaus von der Salzburger Raumplanung vorgeschlagen und noch im gleichen Jahr stimmten die Bürgermeister des Oberpinzgaus der Aufnahme der vorgeschlagenen 56 Grünkorridore in das Regionalprogramm Pinzgau zu. Seither sind die damals noch 56 für notwendig erachteten Grünzonenkorridore – wohl nicht ohne Interventionen und Zutun betroffener Interessenten - auf heute (im Juli 2014) 30 geschrumpft. Das entspricht einer Reduktion von annähernd 50 % der ursprünglich von allen befassten Seiten für sinnvoll angesehenen Korridore.

Nun fürchten Bauern angeblich Verbote und ein Gemeindepolitiker behauptet, dass man um die Korridore Geheimnisse machen wolle, und er sieht jene Maßnahmen, die den Weiterbestand der Wildtiere sichern sollen, in Verkehrung der Tatsachen als für die Bauern existenzbedrohend. Der oberste Beamte der Salzburger Raumplanung betrachtet hingegen die Einrichtung der Grünzonenkorridore als wichtige Initiative, die sich nebenher auch für die Landwirtschaft als förderlich erweist. Aus dem Büro der für Naturschutz und Raumordnung zuständigen LH-Stv. Astrid Rössler verlautet, dass mit der Einrichtung der Grünzonenkorridore zudem der Zersiedelung entgegen gewirkt werde.

Quellen