Herren von Graben

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Die Herren von Graben von (zum) Stein, auch von (dem) Graben, ab dem Graben sowie vom Graben genannt, waren ein weitverzweigtes edelfreies Geschlecht, welches zur Wende des 15. auf das 16. Jahrhundert auch in erzbischöflich-salzburgischen Diensten stand.

Geschichte

Die Herren von Graben entstammten der Dynastie der Meinhardiner[1] und waren ursprünglich in Krain (heute Slowenien) begütert. Die früheste Nennung datiert aus dem Jahre 1170.[2] Von Krain gelangte die Familie ab dem 13. Jahrhundert in die Steiermark, nach Niederösterreich, Kärnten und Tirol.[3] Aus einem der steirischen Familienzweige, der auf dem zwischen dem Grazer Reinerkogel und dem Rosenberg gelegenen Schloss Alt-Grabenhofen residierte, entstammte Anfang des 14. Jahrhunderts das hochadelige Geschlecht Orsini-Rosenberg.[4] Dem zweiten steirischen Familienzweig auf Schloss Kornberg entstammte laut älteren Quellen zum Ende des 15. Jahrhundert das holländische Geschlecht De Graeff.[5] Im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts hatten die Herren von Graben viele hohe Ämter als Landeshauptleute, kaiserliche Burggrafen, Ratsherren und Hauptmänner inne. Im 15. und 16. Jahrhundert verwalteten Familienmitglieder Salzburger Lehen in Kärnten. In der Stadt Lienz konnte die Familie von Graben größere Bedeutung erlangen, da sie als Nachfolger der meinhardinischen Grafen von Görz Lienz und Osttirol als Statthalter und Burggrafen für die Habsburger verwalteten.[6] Das Geschlecht ist 1776 mit Felix Jakob von Graben ausgestorben.

Bedeutende Familienmitglieder

  • Friedrich II. von Graben († vor 1463), Burggraf von Riegersburg, Herr von Kornberg, Obermarburg und Schloss Marburg, Ratsherr, Beisitzer des Reichskammergerichts und Kommissar Kaiser Friedrichs III., unterzeichnete 1461 die Urkunde, in welcher Laibach zum Bistum erhoben wurde.
  • Andreas von Graben zu Sommeregg († 1463), sein Bruder; Burggraf und Herr von Sommeregg, in Diensten der Grafen von Cilli Hauptmann der Grafschaft Ortenburg sowie Burggraf auf Ortenburg.
  • Ulrich III. von Graben († 1486), sein Neffe; Herr von Graben und Kornberg, kaiserlicher Burggraf von Marburg und Graz, Landeshauptmann der Steiermark, kaiserlicher Truchsess und Ratsherr.
  • Virgil von Graben († 1507), Sohn von Andreas; war im Dienste der Salzburger Fürsterzbischöfe als Burggraf und Pfleger auf Schloss Lengberg; Burggraf und Herr von Sommeregg, Herr von Graben; mit ihm erlangte das Geschlecht seinen größten Einfluss; Virgil war Reichsverweser der fürstlich görzischen Grafschaft, auf venezianischer Seite der Nachfolgekandidat als Graf von Görz,[7] hernach aber die Schlüsselperson für den Eintritt des Landes in das Habsburgerreich[8] und kaiserlicher Statthalter von Maximilian I. Virgil war mit Apollonia von Khüenburg, Tochter des Balthasar von Khüenburg und der Katharina von Lindt, verheiratet.
  • Otto von Graben zum Stein („Graf zum Stein“) (* 1690; † 1756), war ein Schriftsteller und Sagenforscher des 18. Jahrhunderts sowie Vizepräsident der Preußischen Akademie der Wissenschaften.

Salzburgbezüge

Neben Virgil von Graben stand Virgils jüngerer Bruder Ernst von Graben († 1513) stand als Burgverwalter (Pfleger) im Dienst der Salzburger Fürsterzbischöfe. Er war mit Margaretha von Obratschan verheiratet und hatte zwei Töchter: die ältere war mit Wilhelm Graf von Schernberg zu Radstatt, Pfleger von Radstadt, verheiratet, und Rosina von Graben von Rain, welche sich in erster Ehe mit dem Truchsessen Georg Goldacher und in zweiter Ehe mit Haymeran von Rain zu Sommeregg verheiratete.

Einzelnachweise und Quellen

  1. Rudolf Granichstaedten-Czerva (1948): "Brixen - Reichsfürstentum und Hofstaat". digitalisiert in: Collegium Res Nobilis Austriae: Graben von Stein
  2. Johann Weichard Freiherr von Valvasor: Die Ehre dess Hertzogthums Crain: das ist, Wahre, gründliche, und recht eigendliche Belegen- und Beschaffenheit dieses Römisch-Keyserlichen herrlichen Erblandes; Laybach (Ljubljana) 1689
  3. Adalbert Sikora: Die Herren vom Graben, in: Zeitschrift des historischen Vereines für Steiermark. 51. Jahrgang, Graz 1960
  4. Collegium Res Nobilis Austriae: Orsini und Rosenberg
  5. Artikel über das Geschlecht De Graeff in dem Nieuw Nederlandsch biografisch woordenboek, Deel 2
  6. Rudolf Granichstaedten-Czerva (1948): "Brixen - Reichsfürstentum und Hofstaat".
  7. Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Band 56 (andere Version)
  8. Hermann Wiesflecker, Österreich im Zeitalter Maximilians I. Die Vereinigung der Länder zum frühmodernen Staat. Der Aufstieg zur Weltmacht (Wien und München 1999), S. 163