Schönramer Filz

Aus Salzburgwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Der große Moorsee im Schönramer Filz.
Der große Moorsee im Sommer
blühendes Heidekraut im Schönramer Filz
Landschaftsvielfalt im Schönramer Filz
Auf alten Wegen errichteter Moorlehrpfad Schönramer Filz
Der Moorlehrpfad im Sommer

Schönramer Filz ist die Bezeichnung für eine bedeutende Moorlandschaft mit Naturwaldreservat im Rupertiwinkel in Oberbayern.

Etymologisches

Filz ist die bayrische Bezeichnung für Moor. Die Bezeichnungen "die Filzen" und "der Filz" stehen laut Bayrischem Wörterbuch „für Moos oder Moorgrund, mit Gesträuch, besonders mit sogenannten Filzkoppen, einer Art Legföhre, bewachsen.

Lage

Das (oder der?) Schönramer Filz befindet sich im sogenannten Waginger Becken am Mittellauf des kleinen Flusses Sur im Gemeindegebiet von Petting, Landkreis Traunstein, Regierungsbezirk Oberbayern. Historisch gesehen befindet sich der Schönramer Filz auch im Rupertiwinkel, seinerzeit Salzburger Gebiet und liegt in der Luftlinie ca. 6,5 km von der heutigen Salzburger Landesgrenze entfernt. Das Moor ist von der Stadt Salzburg aus über Freilassing und Schönram über die dortige Abzweigung in Richtung Abtsdorfer See erreichbar. Es kann vom großzügig gestalteten Parkplatz aus über einen landschaftlich schönen Moorlehrpfad begangen werden, der bei Schönwetter auch für Rollstühle tauglich ist.

Beschreibung

Das Schönramer Filz ist zum überwiegenden Teil ein Übergangs- bis Waldhochmoor, in dessen Nordostteil das Naturwaldreservat Schönramer Filz liegt.

Das Moor

Das ursprünglich ca. 500 Hektar große und zur Gänze unbewaldete Schönramer Filz ist heute ein Übergangs- bis Waldhochmoor, das größtenteils mit mehrschichtigen lichten Beständen aus Kiefer, Fichte und Sandbirke bewachsen ist. Im Norden befinden sich baumfreie Flächen, auf denen Moor-Heidelbeeren, Preiselbeeren und Moosbeeren gedeihen. Hier wachsen auch Latschen in Form lockerer Felder. Richtung Südosten wandelt sich die Übergangsmoorvegetation kontinuierlich in eine Kahlflachmoor-Ausbildung. Im Nordostteil liegt das Naturwaldreservat Schönramer Filz.

Informationstafeln entlang des Moorlehrpfades geben Auskunft über die Entstehungsgeschichte des Moores, die Geschichte der Torfgewinnung, das ehemals hier situierte Barackenlager und die in jüngster Zeit erfolgten und noch anhaltenden Renaturierungsmaßnahmen, sowie über die ökologischen Verhältnisse im Moor.

Das Naturwaldreservat

Das Naturwaldreservat Schönramer Filz erstreckt sich über eine Fläche von 55,5 ha. Es handelt sich dabei um einen „Kiefern-Fichten-Birken-Moorwald in der Östlichen kalkalpinen Jungmoräne“ und befindet sich im Nordostteil des Schönramer Filz.

Moorlehrpfad Schönramer Filz

Ein Teil des Naturschutzgebietes ist durch einen praktisch ebenen Moorlehrpfad erschlossen, der ca. 3,4 km lang ist. Ausgehend vom Parkplatz „Heidewanderung“ an der Straße Schönram – Laufen führt der Moorlehrpfad auf der Trasse der ehemaligen Torfeisenbahn (Bockerlbahn) vorbei an ehemaligen Torfstichen, vorbei an Latschen- und Kiefernflächen, durch die Restfläche noch intakter Moorlandschaft, durch jüngere Moorwälder bis zum Bohlenweg, der durch die zentrale Hochmoorfläche führt. Schließlich erreicht man den großen Moorsee, der in einer ehemaligen Torfabbaugrube künstlich angelegt wurde.

Vorbei an Handtorfstichen führt der Weg schließlich zurück zum Ausgangspunkt. Am Moorlehrweg informieren mehrere Tafeln über Geschichte und Ökologie des Schönramer Filz.

Geschichtliches

Das Barackenlager im Schönramer Filz

Bereits ab den 1920er-Jahren wurde im Schönramer Filz maschinell Torf abgebaut. 1935 und 1936 wurde hier eines der zahlreichen Reichsarbeitsdienstlager Deutschlands (RAD) errichtet, das bis ca. 1940 als solches genutzt wurde. Hier wurden 18 bis 25jährige, die ihre im Jahr 1935 eingeführte halbjährige Dienstpflicht abzuleisten hatten, untergebracht. Der dort gepflogene militärische Drill diente der Vorbereitung auf den zukünftigen Kriegseinsatz.

Das Lager umfasste eine Gesamtfläche von ca. 25 000 m². Bis nach Kriegsbeginn waren hier bis zu 200 Arbeiter mit der Regulierung der Sur, der Entwässerung des Moores und mit dem Torfstich beschäftigt. Danach stand das Lager bis 1944 leer.

1944 bis 1945 stand das Baracken-Gelände als Isolierlager für an Tuberkulose erkrankte Zwangsarbeiter in Verwendung. Ab Februar 1946 diente es als Flüchtlingslager. Nach 1950 wurden die Gebäude abgebrochen. Der Abriss der letzten Baracke erfolgte Anfang der 70er-Jahre.

Die Gedenkstätte

Nordöstlich des Parkplatzes und der asphaltierten Straße befindet sich die Gedenkstätte „Ukrainer Friedhof“. Hier liegen 53 verstorbene ukrainische Zivilarbeiter und Zivilarbeiterinnen, sowie ein Zivilarbeiter griechischer Herkunft und ein Unbekannter begraben, die alle in der NS-Zeit in der Rüstungsindustrie Zwangsarbeit verrichten mussten und im Isolierlager Schönramer Filz an Tuberkulose verstorben sind. Das jüngste hier bestattete Opfer war erst 14 Jahre alt.

Bilder

 Schönramer Filz – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Literatur

Quellen

  • Johann Andreas Schmeller: Bayrisches Wörterbuch, Band 1/1, S. 717, R. Oldenbourgverlag, München, 1996
  • Informationstafeln entlang des Moorlehrpfades Schönramer Filz
  • www.bergfex.de
  • www.lwf.bayern.de