Heidelbeere

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Heidelbeeren, eine heimische Delikatesse
Heidelbeergebiet im Pongau

Die Heidelbeere (Vaccinium myrtillus L.), im Pinzgau mundartlich „Moosbee“ genannt, ist ein kleiner, 20 bis 30 cm hoch wachsender Halbstrauch, dessen Beeren und Blätter traditionell hohe Wertschätzung genießen.

Bezeichnungen

Heidelbeeren haben wie die Preiselbeeren im deutschen Sprachraum viele Namen, was auf ihre jahrhundertealte Bedeutung in der Ernährung und in der Volksmedizin hinweist. Man nennt sie Äugerln, Bickbeere, blaue Besinge, Blaubeeren, Griffelbeere, Haselbeere, Heibeere, Heidbeere, Heilebeere, Heipelten, Herpel. Krähenaugen, Kranaugn, Kuhbeere, Kuhtecken, Mehlbeere, Moosbeere, Mostbeere, Pickelbeere, Roßbeere, Schwarzbeere, Schnuderbeere, Sentbeere, Waldbeere, Wehelen, Wolbeere, Worbeln und Zeitbeere.

Standort

Die Pflanze lebt „herdenweise“ und bevorzugt frische, feuchte und humusreiche Böden in Wäldern und auf Heideland. Auf Kalk reagiert sie mit Sterilität und ist somit als Kalkflüchter zu bezeichnen. Sie ist selbst ein wichtiger Humusbildner, verschlechtert aber den Boden durch Entwicklung von übersäuertem Roh-Humus und Ortssteinbildung.

Botanisches

Der kleine Halbstrauch weist einen kriechenden Wurzelstock auf, der kantige, zähe grüne Stängeln und Zweige trägt. Seine Blätter sind kurz gestielt, eiförmig und klein gezähnt. Die in den Blattachsen einzeln stehenden Blüten sind hellgrün mit rötlichem Schimmer und weisen eine kugelige Form auf. Die Beeren werden etwa erbsengroß. Ihre Farbe ist dunkelblau bis schwarz. An der Oberseite weisen sie einen ringförmigen Abschluss auf.

Die Blütezeit fällt in die Monate April bis Juni, in den Hochlagen bis in den Juli. Die Beerenreife kann ja nach Standort von Anfang Juli bis Ende September einsetzen.

Ökologisches

Die Raupen vieler Falterarten benötigen die Heidelbeersträucher genauso als Futterpflanze, wie die grünen Heidelbeertriebe für bestimmte Wildtierarten wichtig sind. Sie sind im Winterhalbjahr vor allem für jene Tiere, die wegen ihrer Größe an Baum- oder Buschfrüchte nicht so leicht herankommen, eine unverzichtbare Nahrungsquelle. Hier sind das Auerhuhn und auch der Fuchs zu erwähnen, der wegen des Fuchsbandwurmes auch in einem unliebsamen Zusammenhang mit den Heidelbeeren steht.

Heilkräftige Pflanzenteile

Die Heilwirkung von Beeren (Fructus Myrtilli) und Blättern (Folia Myrtilli) ist offizinell ("amtlich" bestätigt). Für die Anwendung in der Volksmedizin werden selten auch die Wurzeln ausgegraben. Die Blätter müssen unbedingt vor der Fruchtreife (der Beeren) gesammelt werden, da der Heilstoff Myrtillin zum Zeitpunkt der Beerenreife in den Blättern nicht mehr vorhanden ist. Werden Blätter und reife Beeren „in einem“ gesammelt, was der Einfachheit halber häufig vorkommt, ist der Blätter-Teekur der Misserfolg gewiss. Heidelbeerblätter-Tee wird in der Volksmedizin bei Zuckerkrankheit (Diabetes Mellitus) angewandt, ist aber wegen der Wirkungslosigkeit durch obiges Verhalten in Misskredit gekommen, was darauf verweist, wie entscheidend der Sammelzeitpunkt sein kann.

Die Beeren sind beinahe ohne Geruch, bzw. duften leicht herb, frisch schmecken sie säuerlich-süß, getrocknet eher herb.

Heilwirkung der Beeren

Getrocknete und leicht aufgekochte Beeren sind ein bewährtes Mittel bei Diarrhöen, Hämorrhoidalblutungen und Harnsteinen. Beeren-Absude in konzentrierter Form sind das beste Mittel der Volksmedizin bei Bauchtyphus (Typhus abdominalis), nach der Lehre von Kneipp wirkt der Teeaufguss von Blättern und Beeren gegen Durchfall. Heidelbeerwein wird bei Colitis (Chronischer Dickdarmentzündung) empfohlen und wirkt auch bei allen akuten oder chronischen Magen- und Darmerkrankungen, Verdauungsstörungen und Appetitlosigkeit. Auch daraus entstehende Schwächezustände werden positiv beeinflusst. Heidelbeerwein wirkt durch das Ansaugen und Ableiten von Zersetzungsprodukten und Giftstoffen des Darminhaltes, wobei der Alkoholgehalt darüber hinaus die Weiterentwicklung der krankheitserregenden Bakterien und Keime hemmt, ohne die lebensnotwendige Darmflora negativ zu verändern. Heidelbeerwein wirkt auch zusammenziehend und bewirkt daher – in kleinen Mengen regelmäßig eingenommen – ohne schädliche Nebenwirkungen eine erhöhte Widerstandskraft gegen diverse Magen- und Darmverstimmungen. Der frische oder durch Sterilisation konservierte Saft der Heidelbeeren ist wohlschmeckend mit frisch-herbem Aroma und gleichzeitig ein vielseitiges Heilmittel.

Heidelbeersaft wird auch als Spül- und Gurgelmittel eingesetzt und hat heilende Wirkung bei Rachen-, Kehlkopf- und Halskatarrhen. Belässt man einen vollen Schluck dieses Saftes eine Weile im Mund, so wirkt er positiv auf Zahnfleischentzündungen ein, verhindert Mundfäule und ist schmerzstillend. Der Saft wirkt auch bei Leukoplakie der Zunge (kleine, weiße entzündliche Fleckchen auf der Zungenoberfläche) heilend, die gehäuft bei Rauchern auftritt, und beseitigt den „Raucher-Mundgeruch“. Auch kann der regelmäßige Genuss dieses Saftes bei der Rauchentwöhnung hilfreich sein, da er – sofern es sich bei den Anwendern nicht um Kettenraucher handelt - längerfristig einen gewissen Widerwillen gegen das Rauchen erzeugt.

Heilwirkung der Blätter

Zum richtigen Zeitpunkt gesammelte Blätter sind ein klinisch erprobtes Heilmittel bei Zuckerkrankheit. Das Myrtillin setzt die Zuckerausscheidungen herab und wird daher auch „pflanzliches Insulin“ genannt. Der Teegenuss darf aber nicht in unkontrollierter Form und ohne regelmäßige ärztliche Überwachung erfolgen.

Der Tee wird wie folgt zubereitet: 1 Esslöffel mit gut getrockneten und zerkleinerten Blättern wird mit einer Tasse Wasser, die vorher zum Kochen gebracht wurde (eben gekocht hat) überbrüht. Nach zehn Minuten wird der Tee abgeseiht und schluckweise ungesüßt getrunken.

Auch Heidelbeerschnaps hat - sehr mäßig genossen - vor allem bei älteren Leuten, die an chronischen Darmproblemen leiden, eine lindernde Wirkung.

Heilwirkung der Wurzeln

In der Volksmedizin wurden getrocknete und gepulverte Heidelbeerstrauchwurzeln bei der Wundbehandlung eingesetzt.

Verwendung der Beeren in der Küche

Aus gesammelten Heidelbeeren werden Marmeladen, Kuchen, Speiseeis mit Heidelbeeren, Heidelbeerwein, Heidelbeerlikör und der ebenfalls schon erwähnte Heidelbeerschnaps hergestellt. Eine traditionelle Speise ist das Heidelbeermus, früher eine willkommene saisonale geschmackliche Abwechslung in der Muspfanne. Beliebt sind auch die sog. Heidelbeernocken aus einer Mehl-Wasser-Heidelbeer-Teigmischung, die zu flachen Laibchen geformt in der Pfanne herausgebraten werden.

Nachtrag: Sammelmethoden

Heidelbeeren werden von vielen Sammlern „geriffelt“, das heißt sie verwenden eine Art Holzkasten mit aufgesetztem Metallkamm, mit dem sie die Sträucher durchkämmen, wobei die Beeren in den Kasten fallen. Da aber dabei die Pflanzen verletzt werden, ist der Einsatz der „Riffel“ untersagt, woran sich jedoch – wie die Beobachtung im Alltag zeigt – kaum jemand zu halten scheint.

Quellen

  • Richard Willfort, Gesundheit durch Heilkräuter, Rudolf Trauner Verlag Linz/D., 6. Auflage, 1964, S. 232 – 233
  • Deutsche Wikipedia, Stichwort Heidelbeeren