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Der Pinzgau unterm Hakenkreuz

Titelbild Buch Der Pinzgau unterm Hakenkreuz

Buchtipp Der Pinzgau unterm Hakenkreuz, Diktatur in der Provinz.

Autor: Rudolf Leo
Verlag: Otto Müller Verlag, Salzburg
Erscheinungsjahr: 2013
ISBN 978-3-7013-1209-2

Rezension 1

Der Autor, Rudolf Leo aus Bramberg am Wildkogel, ist Historiker und hat sich für seine Dissertation das Thema Nationalsozialismus im Pinzgau 1930 bis 1945 gewählt. Nach seiner Promotion am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien im Jahr 2012 hat er diese wissenschaftliche Arbeit gekürzt und bearbeitet, um sie in Buchform herauszubringen. „Der Pinzgau unterm Hakenkreuz“ ist im Sommer 2013 im Verlag Otto Müller in Salzburg erschienen und ist nun seit Mitte August im Buchhandel erhältlich.

Rudolf Leo versucht mit diesem Buch eine umfassende Aufarbeitung der NS-Zeit im Pinzgau, was bisher nicht geschehen ist. Und er beschränkt sich nicht auf die Zeit der Nationalsozialistischen Herrschaft zwischen 1938 und 1945, sondern beginnt seine Auseinandersetzung mit dem Erstarken der NSDAP in Salzburg in den Dreißiger-Jahren des 20. Jahrhunderts und beendet sie mit der politischen Lage nach dem Ende der NS-Aera.

Er setzt sich mit dem „Anschluss“ und der Machtübernahme der Nationalsozialisten und mit den Politischen Rahmenbedingungen im NS-Staat auseinander. Es folgen Kapitel über die Rolle der „Pinzgauer Bergbauern für die „Kornkammer“ des Reiches“, über den Nationalparkplan und über den Widerstand im Pinzgau. Der Verfolgung der Juden, Sinti und Roma und dem Einsatz der Zwangsarbeiter beim Kraftwerksbau in Kaprun und in der Pinzgauer Landwirtschaft sind ebenfalls eigene Kapitel gewidmet. Die letzten drei Kapitel beschäftigen sich mit „Fischhorn, Lichtenberg und Mittersill: Schlösser im Dienste des NS“, mit dem Chaos am Ende der NS-Aera und schlussendlich – wie weiter oben schon erwähnt - mit der politischen Lage nach der NS-Zeit.

Rudolf Leo beschränkt sich aber nicht auf die trockene Darlegung von Fakten, sondern streut immer wieder Ausschnitte aus Gendarmerie-Berichten, Vernehmungsprotokollen, Verwaltungs-Akten und Zeitungsartikeln ein, was die Ereignisse verdeutlicht und den Text lebendiger macht. Er fügt überdies im Anhang des Buches eine namentliche Auflistung der aus dem Pinzgau stammenden Opfer der NS-Zeit und deren kurz umrissene Lebensgeschichten ein. Dieses Opferregister ist umfangreich, aber nicht vollständig und muss daher – wie der Autor selbst in einer Einzelnachweis vermerkt – stellvertretend für alle Opfer des Nationalsozialismus im Pinzgau stehen. Es soll die Erinnerung an reale Personen, die in der Zeit des Nationalsozialismus wegen ihrer kritischen Haltung, wegen ihrer Widerständigkeit, wegen ihrer rassischen Zugehörigkeit oder wegen ihrer Behinderung zu Schaden oder um ihr Leben kamen, wecken und das Gedächtnis an sie erhalten.

Zusammenfassend ist anzumerken, dass der aus dem Pinzgau stammende Historiker Rudolf Leo eine gut lesbare, interessante und differenzierte Arbeit über die Ereignisse in der NS-Zeit, über die politische Vorgeschichte und über die Nachwirkungen dieser Aera in seiner Heimatregion, dem Bezirk Zell am See, vorgelegt hat, die allen politisch Interessierten, bzw. zeit- und regionalgeschichtlich Interessierten zur Lektüre empfohlen werden kann.

Rezension 2

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