Schloss Mittersill

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Schloss Mittersill
Schloss von einer anderen Seite gesehen
Schloss Mittersill, Ansicht vom Stadtzentrum aus

Das Schloss Mittersill ist eigentlich eine Burg, die historisch eine bedeutende Rolle spielte, in der NS-Zeit eines von drei im Pinzgau betriebenen KZ-Nebenlager wurde und vorher und nachher prominente Gäste beherbergte.

Lage

Das einst als Burg errichtete Schloss Mittersill liegt auf einer Rückfallkuppe oberhalb der Stadt Mittersill. Sie schützte die strategisch und verkehrstechnisch wichtige Nord-Süd-Verbindung vom Pass Thurn zum Felber Tauern am Übergang über die Salzach. Das Schloss liegt etwa 160 m über der heutigen Stadt auf 940 m ü. A..

Die Burg bis zum 16. Jahrhundert

Erste Erwähnung

Die erste urkundliche Nennung liegt aus dem Jahr 1180 vor. Damals war die Grafschaft im Oberpinzgau von den Baiernherzogen an die Grafen von Frontenhausen-Lechsgemünd vergeben. Von diesem Zeitpunkt an nennen sich die neuen Mittersiller Burgherren auch Grafen von Mittersill oder Pinzgau.

Besitzwechsel

Mit dem Tod des kinderlosen Heinrich von Mittersill im Jahr 1220 begann ein Besitzstreit. 1228 erhielt Erzbischof Eberhard II. von Regensberg nach einem Tauschgeschäft mit Bayern die Lehenshoheit. Später saßen die Herren von Felben als Burggrafen – sie waren zu Ministerialen geworden – auf der Burg. Der Besitzerwechsel hatte zahlreiche Fehden zur Folge.

Königliche Rechte

Aus einer Urkunde aus dem Jahre 1386 ist bekannt, dass zur Burg auch die Jagd im Habachtal, Hollersbachtal und Mühlbachtal sowie das Fischrecht in der Salzach gehörten. Dies waren königliche Rechte (Regalien) wie auch die Hohe oder Blutsgerichtsbarkeit. Aus diesem Grund konnte Mitte des 15. Jahrhunderts aus den Funktionen Burgpfleger und Landrichter jene des beamteten Pflegrichters hervorgehen. Die Burg Mittersill war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Dienst- und Wohnsitz des Pflegers und des späteren Bezirksrichters.

Bauernkrieg

Am 6. April 1526 setzten Bauern - vermutlich wegen des allseits verhassten Pflegers Peter Hund - die Burg in Brand. Nach Ende des Aufstands mussten hohe Strafen und Robotdienste zum Wiederaufbau geleistet werden. Dass diese Bauern unter der Führung von Matthias Stöckl vom Gut Hohenbramberg standen, wie überall behauptet wird, hat Fritz Koller in der Ortschronik von Bramberg am Wildkogel nachdrücklich widerlegt.

Brandkatastrophen

In den Jahren 1555, 1597 und 1938 gab es auf der Burg, bzw. dem Schloss Brandkatastrophen.

Die Burg wird zum Schloss

Versteigerung

1880 wurde das Schloss versteigert und gehörte fortan vermögenden Privatpersonen, die teilweise erhebliche Umbauten durchführten. 1929 fiel es durch hohe Verschuldung an das Bankhaus Lammer in Zell am See. Die Bekanntschaft mit dem Münchner Kunsthändler Hugo von Grundherr zu Altenthann und Weyerhaus leitete den Abstieg der bis dahin schillernden Bankfrau Auguste Caroline Lammer ein. Grundherr war der Eigentümer des Schlosses Mittersill, stürzte sich immer mehr in Schulden, die Lammer abdeckte unter Hereinnahme von Pfändern, wie der Bibliothek des Schlosses und vor allem eines Gemäldes von Leonardo da Vinci, das damals mit 600.000 Schilling von Lammer (heute etwa 2,8 Mio Euro) bewertet war. Als eine Bank, bei der Grundherr verschuldet war, die Versteigerung des Schlosses Mittersill erwirkte, erwarb es Frau Lammer und kam dadurch in noch größere finanzielle Schwierigkeiten, die zusätzlich durch die 1000-Mark-Sperre eskalierten. Da ein Ausgleich scheiterte, kam es zum Konkurs. Das "Leonardo-Bild" war in der schwierigen Zeit nicht verkäuflich und konnte daher die Bank nicht mehr retten.

In der Folge übernahmen das Schloss die Begründer eines so genannten „Sport- und Shooting-Clubs“ und bauten erneut um. In kürzester Zeit hatte der Club zahlreiche finanzkräftige und teilweise sehr prominente Mitglieder aus aller Welt. Es herrschte „high life“. Der Anschluss im Jahr 1938 beendete diese Phase schlagartig. Die Schlossbesitzer verloren ihren Besitz durch "Arisierung".

NS-Zeit

Die schon erwähnte Brandkatastrophe vom 29. Juli 1938, die durch Blitzschlag ausgelöst wurde, brachte eine massive Zerstörung, der aber erneut ein Wiederaufbau folgte. Erst im Jahr 1943 war das Schloss wieder bewohnbar. Unter der Patronanz der SS wurde das „Sven-Hedin-Institut“ zur wissenschaftlichen Erforschung Innerasiens, vor allem Tibets, gegründet. Die Leitung hatte SS-Hauptsturmführer Dr. Ernst Schäfer. Etwa 20 Wissenschafter, darunter der Botaniker Dr. Volkmar Vareschi und der Anthropologe Dr. Trojan waren wissenschaftlich tätig. Es sollen grandiose Schätze aus Tibet vorhanden gewesen sein, wohl NS-Beutegut, das nach dem Krieg spurlos verschwand. (Hier bestand gegen Kriegsende aber auch ein Depot für mittels "Arisierung" - gleichbedeutend mit NS-Kunstraub - in Frankreich und den Niederlanden aus jüdischem, sowie Staats- und Kirchenbesitz emtwendete Meisterwerke, für die die Brüder Kajetan Mühlmann und Josef Mühlmann aus Uttendorf im Rahmen der "Dienststelle Mühlmann" in Den Haag hauptverantwortlich (Kajetan Mühlmann), bzw. mitverantwortlich waren (Josef Mühlmann).)

Zur Verrichtung der anderen Arbeit wurde eines der drei KZ-Nebenlager im Pinzgau auf dem Schloss Mittersill eingerichtet. Es war ein Nebenlager des Hauptlagers KZ Mauthausen („1313 Schloß Lannach/ Steiermark, Kdo. v. Schloß Mittersill, Hauptlager Mauthausen“). Es bestand bis zum 8. Mai 1945.

Nachkriegsjahre

Einige Jahre nach dem Krieg wurde das enteignete Schloss von den rechtmäßigen Besitzern erneut übernommen, umgebaut und restauriert. Es wurde nun zu einem beliebten Treffpunkt damaliger internationaler Prominenz, darunter Exkaiserin von Persien Soraya, Exkönig Faruk von Ägypten, die niederländische Königsfamilie, das Oberhaupt der Ismailiten, Prinz Aga Khan, die Schauspieler Gina Lollobrigida und Clark Gable sowie andere mehr. 1957 musste der Club wegen finanziellen Ruins schließen. 1967 wurde das Schloss von der „Internationalen Studentenmission“ erworben. Es wurde als Konferenz-, Studien- und Ferienzentrum für das „International Fellowship of Evangelical Students“ eingerichtet. Die neuen Besitzer, eine evangelikale Organisation, sehen es als ihr Ziel, den christlichen Glauben unter Studenten und Akademikern – egal welcher Konfessionszugehörigkeit – zu erneuern. Im Jahr 2010 wurden neue Besitzer gesucht.

Quellen

  • BEGDV 6 Anlage zu § 1 Verzeichnis der Konzentrationslager und ihrer Außenkommandos gemäß § 42 Abs. 2 BEG, http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/begdv_6/anlage_6.html vom 23.11.05
  • Koller, Fritz: Die Brüder Stöckl - Die Stöckl-Saga. In Hönigschmid, Hans: Bramberg am Wildkogel, I. Band. Gemeinde Bramberg, Bramberg 1993.
  • Josef Lahnsteiner * Josef Lahnsteiner Oberpinzgau von Krimml bis Kaprun. Eine Sammlung geschichtlicher, kunsthistorischer und heimatkundlicher Notizen für die Freunde der Heimat., Hollersbach, Salzburg, Selbstverlag 1956
  • Lauth, Gerbert: Millionäre und Könige auf Schloss Mittersill. In: Forcher, Michael: Mittersill in Geschichte und Gegenwart, Gemeinde Mittersill 1985,
  • Zaisberger Friederike: Burgen, Ansitze und Wehranlagen – Ihre Bedeutung und das wechselvolle Geschick der Besitzer In: Forcher, Michael: Mittersill in Geschichte und Gegenwart, redigiert und gestaltet von Michael Forcher. Gemeinde Mittersill 1985.
  • Gschwandtner, Martin: Auguste Caroline Lammer (1885-1937). Die bisher einzige Bankgründerin Österreichs. Ihre turbulente Geschichte in einer krisenhaften Zeit. München, Norderstedt 2007, 2. Auflage 2010.
  • Gschwandtner, Martin: Auguste Caroline Lammer. Die tragische Geschichte der bisher einzigen Bankgründerin Östereichs. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 145 (2005), S. 227-264, hier S. 234 ff.