Judentum

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Dieser Artikel beinhaltet einen kurzen Abriss der Geschichte der Juden im Bundesland Salzburg.

Mittelalter

Die Ansiedlung von Juden erfolgte an den wichtigen Handelswegen entlang der Donau und der Alpenpässe. Den ältesten eindeutigen Nachweis für die Anwesenheit von Juden im Gebiet des heutigen Österreich stellt die Raffelstetter Zollordnung dar. Im Jahr 803 ließ sich Erzbischof Arn einen medicum iudaicum sclavianiscum senden, von dessen Künsten er gehört hatte. Am ehesten kann man darunter einen jüdischen Arzt, der sich auf slawischen Gebiet aufhielt, verstehen. Durch die Entstehung der Städte zogen die Juden aus den Dörfern meist in diese neuen Ansiedlungen.

Während die Anwesenheit einzelner Juden schon bald nachweisen lässt, kam es erst später zur Gründung jüdischer Gemeinden mit Kulteinrichtungen. Jüdische Zentren sind in der Stadt Salzburg und in den Salzburger Städten Hallein, Mühldorf am Inn, Friesach und Pettau nachweisbar. Aus dem Jahr 1240 ist in Friesach, der wichtigsten jüdischen Ansiedlung im Herrschaftsbereich des Erzbistums Salzburg, ein jüdischer Grabstein erhalten geblieben und das Bestehen einer Synagoge kann bereits vor dem Jahr 1124 als wahrscheinlich gelten. Eine aus 1284 stammende erzbischöfliche Kammerrechnung enthält auf der Einnahmeseite unter Punkt zwei den Rechnungsposten von zwanzig Goldmark als die Steuerleistung der gesamten Judenschaft Mühldorfs und Halleins (Item judei omnes, de Myldorf et de Halino interclusi, marcas XX)[1].

Die mindere gesellschaftliche Stellung der Juden in der mittelalterlichen Gesellschaft hinderte die Salzburger Erzbischöfe aber nicht, mit ihnen Handels- und Geldgeschäfte zu machen. Erzbischof Konrad IV. von Fohnsdorf lieh sich beispielsweise einen Gutteil der Kaufsumme für das Gasteiner Tal von jüdischen Bankiers.

Diskriminierung

Im Mittelalter waren die Juden verschiedensten Diskriminierungen ausgesetzt. Für Männer war der Spitzhut vorgeschrieben, für Frauen das Tragen einer Schelle an der Kleidung. Juden waren zur Zahlung von Sonderzinsen an den Landesherrn verpflichtet und durften das Land nicht ohne seine Einwilligung verlassen.

Verfolgung

Seit dem 14. Jahrhundert sind Judenverfolgungen in Salzburg nachweisbar. 1349 beschuldigte der Pöbel die Juden, durch Vergiftung der Brunnen den »schwarzen Tod«, die Pest, hervorgerufen zu haben. Es kam zu einer grausamen Judenverfolgung, wobei allein auf Salzburger Gebiet mehr als 1200 Juden jeglichen Alters und Geschlechts ums Leben kamen. Selbst zwei Interventionen von Papst Clemens VI. vermochten es nicht, dem Wüten der fanatisierten Menge Einhalt zu gebieten. Doch bald danach entstanden neue Gemeinden. Während die Juden nördlich der Alpen verfolgt wurden, blieben die Juden in Friesach und Pettau von der Verfolgung verschont.

1370 bestand urkundlich die erste Synagoge in Salzburg. 1404 wurde ein Großteil der jüdischen Bewohner verbrannt, wegen einer angeblichen Hostienschändung in der Pfarrkirche Mülln, (unter Erzbischof Eberhard III. von Neuhaus). Die Judengemeinde in Hallein wurde ebenfalls derselben Delikte angeklagt und erlitten dasselbe Schicksal. Ebenso wurden die Juden aus den Städten Friesach und Pettau vertrieben. Erzbischof Eberhard III. zog den Besitz der Juden ein, was die Finanznot milderte und ein Mitgrund für die Pogrome gewesen sein dürfte.

1439 entstand in der Stadt eine neue Synagoge. Es ist dies das Haus am heutigen Kranzlmarkt 2, Ecke Sigmund-Haffner-Gasse. Da die Juden abermals beschuldigt wurden, diesmal aus dem Benediktinenstift Nonnberg eine goldene Monstranz gestohlen zu haben, verfügte Erzbischof Leonhard von Keutschach 1498 die Landesverweisung für alle Juden, die sich fortan in Salzburg nicht mehr niederlassen durften.

Zentrum jüdischen Lebens

In der Stadt Salzburg lag bis 1404 das Zentrum des jüdischen Lebens in der nach ihren Bewohnern benannten Judengasse. Hier befanden sie sich in einer günstigen Geschäftslage, da diese im Mittelalter die einzige Durchzugsstraße zwischen Dombezirk und Salzach war. Ein gesonderter Bezik oder ein Ghetto wurde ihnen jedoch in Salzburg nie zugewiesen. Nach ihrer Wiederansiedlung nach dem Pogrom von 1404 wurde das Gebiet rechts der Salzach ihr Wohngebiet. Zwei Häuser in jüdischem Besitz sind in der Steingasse nachgewiesen, eines im Königsgäßchen.

Die Synagoge befand sich bis 1404 in der Judengasse im Umfeld des (Höllbräues - heute Radisson Altstadthotel). Für das spätere 15. Jahrhundert ist keine Synagoge mehr belegt. Der jüdische Friedhof lag am Nordende des Mönchsbergs oberhalb von Mülln im Bereich des heutigen Schlosses Mönchstein.

Wirtschaftliche Tätigkeiten

Der wichtigste Erwerbszweig im Spätmittelalter war sicher die Geld- und Pfandleihe. Als gesichert kann man auch den Warenhandel annehmen, da die ersten Juden als Händler nach Salzburg kamen. Hierbei handelte es sich um Großhandel mit Wein, Vieh und Getreide, der von den Behinderungen durch die Zünfte im Detailhandel nicht betroffen war.

Neuzeit

Nach fast zwei Jahrhunderten der Fernhaltung erhielt von Erzbischof Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein (1687 - 1700) zum ersten Mal wieder ein Jude, trotz des Widerstandes der Hohe Salzburger Landschaft, Niederlassungserlaubnis.

Mit dem Staatsgrundgesetz von 1867 endeten die gesetzlichen Diskriminierungen der jüdischen Staatsbürger. Viele Juden ließen sich in Salzburg nieder und wurden zu Stützen des liberalen Bürgertums. 1884 absolvierte Theodor Herzl seine Gerichtspraxis als Dr. juris in Salzburg. Er verließ die ihm lieb gewordene Stadt nur, weil er, wie er selbst schrieb, »Als Jude… nie zur Stellung eines Richters befördert worden wäre. Deshalb nahm ich damals von Salzburg und der Rechtsgelehrsamkeit Abschied«. 1901 wurde eine Synagoge in der Lasserstraße und ein jüdischer Friedhof in Aigen eingerichtet.

Mit der Emanzipation wuchs auch der Antisemitismus, so führten mehrere Vereine in Salzburg einen Arierparagraphen ein und Gemeinden wie Mattsee, Mittersill und St. Johann im Pongau fällten judenfeindliche Gemeinderatsbeschlüsse ("Sommerfrischen-Antisemitismus"). Trotz des radikalen Antisemitismus wurde Salzburg ein beliebtes Urlaubsziel für das jüdische Bürgertum (St. Gilgen, Bad Gastein und andere Orte).

In den 1920er Jahren bildeten die Salzburger Festspiele einen Anziehungspunkt für die künstlerische Elite, in der der jüdische Beitrag groß war. Bedeutende Namen aus dieser Zeit sind zB Max Reinhardt und Stefan Zweig.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich (1938) begann eine massive Verfolgung. Jüdischer Besitz wurde "arisiert", wer Glück hatte, konnte fliehen. Wie der Zeitungsdokumentation des Historikers Siegfried Göllner über das Jahr 1938 zu entnehmen ist, wurde den jüdischen Ärzten mit Kassenvertrag bereits am 1. Juni 1938 der Kassenvertrag gekündigt. Auch da Tragen von Trachten wurde Juden per Erlass verboten.

Letzte Station auf Salzburger Gebiet der Juden als Displaced Persons bei der so genannten Krimmler Judenflucht 1947 war das Krimmler Tauernhaus im Krimmler Achental
Krimmler Tauernhaus, Alpine Peace Crossing 2010

Diese Unterdrückungsmaßnahmen hatten zur Folge, dass die jüdische Gemeinde in Salzburg nach dem Ende des Zweiten Weltkrieg klein blieb. Nach der Befreiung aus den Konzentrationslagern entstanden in Stadt und Land Salzburg mehrere Siedlungen jüdischer »Displaced Persons«. Es kam zur Krimmler Judenflucht, deren seit einigen Jahren im Rahmen des Alpine Peace Crossing gedacht wird. In Salzburg bildete sich ein jüdisches Komitee. Die ersten der befreiten Juden wurden im Sigmundsstollen (im Mönchsberg) in einer zum bombensicheren Bunker ausgebauten Bergfestung untergebracht. Gleichzeitig entstand in Bad Gastein ein Lager von versprengten jüdischen KZ-Überlebenden.

1953 wurde die Israelitische Kultusgemeinde Salzburg neu gegründet. 1990 lebten ca. 100 Juden in Stadt und Land Salzburg.

Literatur

  • Altmann, Adolf, Geschichte der Juden in Stadt und Land Salzburg, Otto Müller Verlag Salzburg 1990
  • Lichtblau, Albert, „Arisierungen“, beschlagnahmte Vermögen, Rückstellungen und Entschädigungen in Salzburg. Veröffentlichungen der Österreichischen Historikerkommission. Vermögensentzug während der NS-Zeit sowie Rückstellungen und Entschädigungen seit 1945 in Österreich, Band 17/2, Oldenbourg Verlag Wien München 2004
  • Feingold, Marko, Ein ewiges Dennoch - 125 Jahre Juden in Salzburg, Böhlau Verlag Wien - Köln - Weimar 1993
  • Wilhelm Wadl, Geschichte der Juden in Kärnten im Mittelalter, Verlag des Kärntner Landesarchivs, Klagenfurt 1992

Quellen

  • www.smca.at
  • Zeittafel der jüdischen Geschichte Salzburgs aus dem Buch: Salzburgs wiederaufgebaute Synagoge Festschrift zur Einweihung, Salzburg 1968
  • www.uni-salzburg.at
  • Markus Wenninger: Die Entwicklung der Stadt Salzburg – zur Geschichte der Juden in Salzburg. In: Heinz Dopsch/Hans Spatzenegger (Hrsg.): Geschichte Salzburgs, Stadt und Land. Bd. I/2: Mittelalter. Salzburg 1983. S. 747-756.
  • Eveline Brugger, Martha Keil, Albert Lichtblau, Christoph Lind, Barbara Staudinger, "Geschichte der Juden in Österreich", Ueberreuther, Wien, 2006
  • Quelle Embacher, Kriechbaumer
  • Abgerufen von „http://www.sn.at/wiki/index.php?title=Judentum&oldid=921751