Grillinger-Bibel

Aus Salzburgwiki
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Die Grillinger-Bibel ist ein Druckwerk, das auch als Salisburgensien bezeichnet wird.

Beschreibung

Peter Grillinger, Pfarrer von Mariapfarr im Lungau, Domherr in Salzburg und Kammermeister des Erzbistum Salzburg, hatte derart Überragendes geschaffen, dass dies heute noch den Ruhm Salzburgs mehrt. Dabei war der im Lungau markant wirksame Mann offenbar nicht vom Minderwertigkeitskomplex gepeinigt. „Dass sich überhaupt einer so groß darstellen hat lassen!“ erstaunt Karl Georg Pfändtner von der Handschriftenabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek, wenn er auf das Widmungsblatt der von Peter Grillinger in Auftrag gegebenen Bibel blickt: Der Mariapfarrer Pfarrer, dessen Cape aus Nerz sein könnte, kniet da zwar beim heiligen Rupert, doch schaut er diesem freimütig ins Gesicht. Wenn damals, Anfang des 15. Jahrhunderts ein Stifter schon so dreist war, sich in eine himmlische Szene malen zu lassen, dann beschied er sich üblicherweise mit unterproportionaler Winzigkeit. Nicht so Peter Grillinger!

Noch dazu hat der Salzburger sein Abbild zwei Mal vor den Anfang der Heiligen Schrift gesetzt – erst mit Rupert auf dem Widmungsblatt und gleich darauf neben dem Stammbaum Jesu. Wer an der Wurzel Jesse steht, ist wie ein Tausendsassa bei den wichtigsten Ereignissen dabei: als Gott Eva erschuf, als der Dornbusch brannte und bei Christi Geburt. Freilich wäre all das einem Landpfarrer nicht möglich. Peter Grillinger war auch Domherr in Salzburg und Chorherr von St. Bartholomäus in der Silberbergbaustadt Friesach. Er hatte also drei Pfründen. Allein Domherr in Salzburg zu sein „war sicher lukrativ“, erläutert Karl-Georg Pfändtner.

Der hoch- wie vermögende Mann hat sich aber nicht lumpen lassen. Seiner Pfarre im Lungau hat er ein spätgotisches, mit 148 Edelsteinen verziertes Silberaltärchen gestiftet – heute Hauptattraktion des Pfarr-Wallfahrts- und Stille Nacht-Museums im Pfarrhof. Und in seine Ära als Pfarrer von Mariapfarr von 1419 bis 1448 fällt auch der Bau der Wallfahrtskirche St. Leonhard.

Die von ihm in Auftrag gegebene 52 mal 43 Zentimeter große Bibel, die vermutlich für den Salzburger Dom bestimmt gewesen ist, war ein Besuchermagnet für eine Ausstellung in den Schatzkammern der Bayerischen Staatsbibliothek in München im Frühjahr 2016. Die „Grillinger-Bibel“ sei „eine der hervorragendsten Handschriften“ des süddeutschen Raumes, sagt Karl-Georg Pfändtner. Außergewöhnlich seien die brillanten Farben sowie die präzise und fein punzierten Goldränder. „Das findet man kaum – wenn, dann vielleicht in Frankreich.

Die „Grillinger-Bibel“ ist eine von mehreren Salisburgensien, mit denen die Bayerische Staatsbibliothek in dieser Präsentation von „Luxusbüchern“ unter anderem deshalb auftrumpfen kann, weil derart wertvoll illuminierte Bände 1801 von den in Salzburg einfallenden Franzosen beschlagnahmt und nach Paris gebracht worden waren. 1814, als Salzburg zu Bayern gehörte, gelang es den Bayern, das ihnen Gehörige, das napoleonische Truppen entwendet hatten, wieder nach München zu holen – Gemälde aus der Pinakothek ebenso wie Salisburgensien der Buchmalerei.

Ein weiteres Beispiel für diese Münchner Bestände aus dem Salzburger Erzbistum ist jenes fünfbändige Missale, das Ulrich Schreier und Berthold Furtmeyr üppig illustriert haben und das weit über ein Jahrhundert lang in Festmessen des Doms verwendet worden ist. Zwei Bände des „Salzburger Missale“ werden nun ausgestellt.

Ein Band dieses Prunkstücks war 2015 im DomQuartier in der Ausstellung „Farbenpracht auf Pergament“ zu sehen. Diese Salzburger Schau fügte sich in eine im Jahr 2015 begonnene Ausstellungsserie mittelalterlicher Buchmalerei – in Wien, Linz, Graz, Klosterneuburg, Nürnberg, Leipzig und Luzern. Nun setzt München einen opulenten Schluss. Dass da, wie Karl-Georg Pfändtner feststellt, „Salzburg ziemlich prominent“ vertreten ist, bedingen noch zwei aparte Bücher – nicht aus erzbischöflichem Besitz, doch vermutlich in Salzburg hergestellt: eine Handschrift aus 1431 mit Papst-Weissagung sowie ein moralisierender Kommentar zum Schachspiel, ein „Schachzabelbuch“ aus 1407.

Eine empfindliche Kostbarkeit wie die „Grillinger-Bibel“ sei noch wenig erforscht, weil sie nur selten dem Tresor entnommen werde, sagte Karl-Georg Pfändtner. Dank Digitalisierung wird das Original geschont, das Digitalisat ist nun frei sichtbar. Daraus folgert der Experte für Handschriften: „Jetzt werden sich die Forscher darauf stürzen.

Die Münchner Schau „Salzburg ist bei uns prominent vertreten“ wurde von einem illustrierten Katalog begleitet sowie von einer virtuellen Ausstellung im Internet, die zu einzelnen Bildern Audioerläuterungen bot.

Weblink

Quelle

→ in www.pressreader.com/austria/salzburger-nachrichten/... abgefragt am 14. Jänner 2019