Lebensmittelkarten

Aus Salzburgwiki
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Reichsbrotkarte für Schwerarbeiter
Reichskarte für Marmelade und Zucker

Lebensmittelkarten sind amtliche Bezugsscheine zum Zwecke der Rationierung von Lebensmitteln in Zeiten beeinträchtigter Versorgungslage.

Allgemeines

Lebensmittelkarten dienen grundsätzlich der amtlichen Steuerung der Nahrungsmittelverteilung in Notzeiten. Die Maßnahme bezweckt die Rationierung von Lebensmitteln zur Sicherung der Grundversorgung der Bevölkerung. Parallell dazu eignet sich diese Maßnahme zur Bedienung privilegierter Gruppen mit besonderen Bedürfnissen, wie Schwerarbeiter oder Schwangere einerseits, und zur Disziplinierung und Diskriminierung missliebiger Personen oder Gruppen durch eingeschränkte Bezugsberechtigung oder gänzlichen Entzug der Karte andererseits.

Lebensmittelkarten gelten ausschließlich für die darauf angeführten Nahrungsmittel, sind begrenzt auf die ebenfalls auf der Karte festgelegte Menge und gelten nur für die angeführte Zeitperiode.

Geschichte

Lebensmittelkarten wurden in der jüngsten Geschichte sowohl während des Zweiten Weltkrieges, als auch in der Nachkriegszeit ausgegeben.

NS-Zeit

Bereits 1939 wurden im Land Salzburg Lebensmittelkarten, >Reichskarten< genannt, ausgegeben. Wie die abgebildete >Reichskarte für Marmelade und Zucker< zeigt, war diese in der Zeit vom 23. Oktober 1939 bis zum 19. November 1939 gültig. Sie konnte wahlweise für den Kauf von Marmelade oder von Zucker verwendet werden.

Im Salzburgwiki-Artikel Hintersee wird erwähnt, dass es in den letzten beiden Kriegsjahren durch die verspätete Einführung von Lebensmittelkarten zu einer Hungersnot gekommen ist, die aber nicht so groß war wie in der Stadt.

Nachkriegszeit
Aufruf des Landesernährungsamtes im Jahr 1946 in den Salzburger Nachrichten

In der Nachkriegszeit, die von Versorgungsmängeln aller Art gekennzeichnet war, wurden erneut Lebensmittelkarten eingeführt, worauf in diversen Artikeln im Salzburgwiki Bezug genommen wird:

  • 1947 sind beispielsweise in der Stadt Salzburg 93.551 ständig hier lebende Lebensmittelkartenempfänger gemeldet.
  • Ebenfalls 1947, am 13. September, kommt es zu spontanen Demonstrationen vor dem Ernährungsamt, weil viele Menschen in den Bäckereien kein Brot mehr bekommen, die Lebensmittelkarten der 32. Zuteilungsperiode mit Geschäftsschluss aber ihre Gültigkeit verlieren. Das Ernährungsamt verlängert daraufhin die Gültigkeit der Lebensmittelkarten bis 16. September d. J.
  • Am 20. Juni 1949: ... es gelten ab der 55. Zuteilungsperiode im Land Salzburg nur mehr die bundeseinheitlichen Lebensmittelkarten für Normalverbraucher und Zusatzkartenempfänger.
  • Am 13. August 1950: ..für die heute beginnende Kartenperiode werden Lebensmittelkarten nicht mehr für vier Wochen, sondern für drei Monate ausgegeben. Die Lebensmittelkarten enthalten nur mehr Abschnitte für Zucker sowie für Waren, die extra aufgerufen werden.
  • Am 1. Mai 1953: ... ab heute werden 25 Dekagramm Margarine oder Kunstspeisefett pro Kopf und Monat auf Lebensmittelkarten ausgegeben.

Quellen