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Ella Fitzgerald

Ella Fitzgerald, 1968

Ella Jane Fitzgerald (* 25. April 1917 in Newport News, Virginia, USA; † 15. Juni 1996 in Beverly Hills, Kalifornien; USA) war eine US-amerikanische Jazz-Sängerin.

Inhaltsverzeichnis

Salzburgebezug

Das Große Festspielhaus hat seine Tücken. Seine Bühne sei "schon manch einer Operninszenierung zu groß geworden", stand am 21. Mai 1977 in den "Salzburger Nachrichten" zu lesen. Für die Frau aber, die hier soeben ihr Salzburg-Debüt absolviert hatte, seien die Bühne sowie der Zuschauerraum "gerade groß genug" gewesen.

Die Rede war vom Besuch der großen Jazzdame Ella Fitzgerald in der Festspielstadt. Am 19. Mai 1977 sang sie erstmals in Salzburg. Dass ein Star der Jazzwelt die Bühne des Großen Festspielhauses erobern durfte, dafür hatten die Salzburger Festspiele eine Sondererlaubnis erteilt. Ohne eine kleine Notlüge hätte es diese nicht gegeben, erinnert sich jener Jazz-Enthusiast, der das Konzert damals eingefädelt hat.

Schon seit seiner Kindheit war der Gastronom und Musiker Adi Jüstel glühender Jazzfan. Auch der direkte Draht zu seinen Idolen schien ihm leicht zu fallen. Als Jugendlicher war er Louis Armstrong im Zug begegnet und hatte sich während der Fahrt Improvisationstipps geholt. Dieses Talent konnte er auch gebrauchen, als er Ella Fitzgerald nach Salzburg lotsen wollte.

Den Impuls dazu habe SN-Herausgeber Max Dasch gegeben, erzählt Jüstel. Als Betreiber des Hotels "Blaue Gans" und des Mexicano Kellers bot Jüstel vielen großen Jazzern ein Podium. "Eines Tages fragte Max Dasch, ob ich einmal einen ganz großen Jazzstar nach Salzburg bringen könnte".

Als Ella Fitzgerald in München gastierte, spazierte Jüstel also hinter Bühne, um sie zu fragen. Als größte Jazzsängerin ihrer Zeit wurde sie gefeiert. Herablassend habe sich die "First Lady of Song" aber keineswegs gezeigt. "Sie hat sich meine Idee wohlwollend angehört." Ein Auftritt in der Mozartstadt habe sie gereizt. Auch ihr Manager Norman Granz, der bereits in den USA den Jazz in klassischen Konzerthäusern etabliert hatte, war zunächst nicht abgeneigt. Weniger gern hörte er Fitzgeralds Versprechen, ihre Gage auf Jüstels Möglichkeiten herunterzuschrauben. Beim ersten Versuch winkte Granz ab. Erst als Jüstel 1977 wieder vor Fitzgeralds Garderobe stand, gab er nach.

SN-Rezension von Ella Fitzgeralds Salzburg-Konzert 1977

Der Konzertbericht von Inge Wolkerstorfer in den "Salzburger Nachrichten" vom 21. Mai 1977 über den Auftritt Ella Fitzgeralds im Großen Festspielhaus.

Was bloß noch fehlte, war eine Genehmigung. Warum es das Große Festspielhaus sein musste? "Weil es als einziger Konzertort über mehr als 2 000 Plätze verfügte", erzählt Adi Jüstel. "Woanders hätten wir den Abend nie kostendeckend veranstaltend können." Doch das Große Festspielhaus hatte seine Tücken, auch für Jüstel. Etwas anderes als "ernste Musik" in den heiligen Hallen? Schon der Gedanke sei Blasphemie, "das wurde mir zu verstehen gegeben". Vielleicht fiel ihm deshalb eine "spirituelle" Notlüge ein: "Ich habe dann gesagt, dass sie Gospels und Spirituals singt, also geistliche Musik". Von der Sängerin, die im Jazz längst eine "Klassikerin" war, gab es immerhin auch Gospel-Aufnahmen.

Also konnte Jüstel wie verlangt ein schriftliches Programm vorlegen. Die Erlaubnis wurde erteilt. Geplatzt wäre das Konzert dann fast aus einem anderen Grund. Als Fitzgerald in Salzburg ankam, war sie stark verkühlt. "Es war wackelig, ob sie auftreten könnte. Aber sie wusste auch, was für uns auf dem Spiel stand." Von ihrer Stimme konnte er sich dann vor dem Konzert überzeugen: "Beim Einsingen durfte ich sie am Klavier begleiten." Auch auf der Bühne habe sie sich von Erschöpfung nichts anmerken lassen. "Und sie hat natürlich kein einziges Spiritual gesungen".

Die Bilanz der Premiere: Finanziell sei es sich bei ausverkauftem Saal "gerade bei Null ausgegangen. Ohne die Rückendeckung von Max Dasch wäre es nicht möglich gewesen, dieses Risiko einzugehen." Bereichernd sei die Begegnung gewesen: "Ella war keine Diva, sondern ein bescheidener, liebenswerter Mensch". Den restlichen Abend verbrachte sie mit der Band im Mexicano Keller. Das 40. Jubiläum des Konzerts feiert Jüstel im Salzburger Landestheater. Einen Gospel wollte er dabei spielen: "Ich habe ein ,Tribute an Ella und Louis' geschrieben."

Ein Star, zwei Jubiläen

Am 25. April 1917 wurde Ella Jane Fitzgerald in Newport News, Virginia, geboren. Einen ersten Wettbewerb gewann sie mit 17 unverhofft: Als Tänzerin wollte sie antreten. Weil ihr die Knie zitterten, sang sie ein Lied. Als "First Lady of Song" sollte sie Jazzgeschichte schreiben. Mit ihren "Songbooks" rückte sie Komponisten wie Cole Porter oder Jerome Kern in neues Licht.

Zum 40. Jubiläum von Fitzgeralds Salzburg-Besuch und zum 100. Geburtstag gestaltete Adi Jüstel am 17. Mai 2017 ein "Konzert für Ella". Jüstel und Band werden im Landestheater u. a. Sängerin Francesca Hart durch Ellas Songbook begleiten. Werner Friedl liest aus ihrer Biografie. Seine Begegnung mit Fitzgerald erzählt Jüstel auch im Buch "Anekdoten mit und ohne Noten".

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