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Flüchtlingslager Hagenau

Das Flüchtlingslager Hagenau war ein Auffanglager für Flüchtlinge nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Hagenau in der Flachgauer Gemeinde Bergheim.

Geschichte

In einem Buch schildert Johann März, was er in diesem Lager erlebte. März ist Donauschwabe und seiner Familie gelang 1946 die Flucht aus dem jugoslawischen Vernichtungslager in Gakowa. Damals war John März vier Jahre alt gewesen. Seine Heimat, die Batschka, war Hauptlieferant von Hanf gewesen. Seine Heimatgemeinde Prigrevica im heutigen Serbien wechselte zwischen 1941 und 1945 fünf Mal den Namen.

Im Vernichtungslager, in dem 8 500 Volksdeutsche starben, lebte März mit seiner Mutter, den Großeltern und zwei Geschwister seit ihrer Vertreibung am 15. März 1945.

Den heute 77-Jährigen verschlug es dann 1947 in eine der 16 Holzbaracken im Flüchtlingslager Hagenau in Bergheim. Das Barackenlager wurde zu einem "Dorf im Dorf", wie März in seinem Gespräch mit Birgit Kaltenböck von den Flachgauer Nachrichten (Ausgabe 25. Oktober 2018) erzählte. Seine Eltern Rosalia und Peter März pachteten die Lager-Kantine. Später erweiterten sie das Angebot mit einer Gemischtwarenhandlung und einer Tabak-Trafik.

Vater März war begeisterter Musiker und leitete die Lager-Kapelle. Wie Johann März anmerkte, gab es ab und zu Tanzveranstaltungen, ab und zu etwas Zores.

Auch Sportmöglichkeiten gab es in diesem Lagen, deren Baracken die Bewohner 1952 kaufen konnten. So gab es beispielsweise eine Fußballmannschaft. Johann März erinnerte sich, wie er beim ersten Spiel in der Mannschafts-Dress in eine Abflussrinne fiel, die sich am Rande des Sportplatzes befand. Zunächst spielte März als Linksverbinder bei Danubia, späger bei FC Salzburg und dann bei UVC Salzburg. Bis 1962 kämpfte er sich in die erste Kampfmannschaft hinauf.

Eine andere wichtige Persönlichkeit im Lager war Volksschuldirektor Josef Appelshoffer aus dem Banat. Er war nach dem Krieg mit seiner Frau über Linz nach Bergheim gelangt.

Im Lager, das 1940 von den Nationalsozialisten gegründet worden war, herrschten katastrophale hygienische Zustände. Anfangs gab es nur ein einziges Plumpsklo und bis 1949 nur eine Küche für alle Lagerinsassen. Das führte dazu, dass sich Unmengen von Ratten im Lager aufhielten. Durch verunreinigtes Wasser erkrankten dann 1950 einige Bewohner an Typhus. In dieser Zeit durfte die Familie März nach Salzburg-Aigen auf den Gutshof des Schlossbesitzers Graf Revertera, wo die Großeltern arbeiteten. Die Typhus-Epidemie kostete einer 25-jährigen Frau und den zwölfjährigen Hansi Beer, einen Schulkollegen, von Johann März, das Leben.

Am meisten beeindruckte März die ursprüngliche Ablehnung bei der Bevölkerung, obwohl sie alle Deutsch sprachen. Erst 1950/1951 kam es zu einem Umdenken und die Flüchtlinge wurden hoch angesehen. Die örtliche Bevölkerung hatte erkannt, dass die Flüchtlinge tüchtige Leute waren. 80 Prozent der Männer schufteten am Bau, einige von ihnen hatten es zum Polier gebracht.

1965 wurde die letzte Baracke aufgelöst.

1956 erhielt Johann März dann die österreichische Staatsbürgerschaft und er wurde Sparkassen-Angestellter. Er heiratete die Salzburgerin Christa.

Literatur

Quelle