Huub Stevens

Aus Salzburgwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Huub Stevens als Trainer des PSV Eindhoven

Huub Stevens (* 29. November 1953 in Sittard, Niederlande) war von 15. Juni 2009 bis 8. April 2011 Trainer von Red Bull Salzburg.

Stationen

Fußballspieler

Huub Stevens spielte in seiner Karriere nur für drei Vereine: Der Innenverteidiger war bei seinem Heimatverein im Sittarder Arbeiterviertel Stadbroek, sowie ab dem 12. Lebensjahr bei Fortuna Sittard aktiv und wechselte 1975 zum PSV Eindhoven. Hier holte er 1978 den UEFA-Cup und brachte es zum niederländischen Nationalspieler (18 Einsätze). 1986 beendete er seine Spielerkarriere, blieb aber als Jugendtrainer beim PSV.

Trainer

Seinen ersten Einsatz als Cheftrainer hatte Stevens als Ersatz des erkrankten PSV Trainers Bobby Robson. Die erste wirkliche Trainerstation war dann ab 1993 Roda Kerkrade. Weitere Stationen bisher:

  • Schalke 04 (1996 - 2002)
  • Hertha BSC (2002 - 2003)
  • 1. FC Köln (2004 - 2005)
  • Roda JC (2005 - 2007)
  • Hamburger SV (2007 - 2008)
  • PSV Eindhoven (2008 - 2009)
  • Red Bull Salzburg (6/2009 - 4/2011)

Stevens hat als Salzburger Cheftrainer 63 Bundesliga-Partien absolviert. Bei 33 Siegen und 21 Remis setzte es neun Niederlagen (99:47 Tore). Daheim musste Salzburg unter Stevens in 31 Spielen nur zwei Niederlagen (gegen die Austria und Kapfenberg) hinnehmen.

Vorgestellt

Nicht nur als Fußballtrainer, auch als Lehrer und Psychologe – so sieht sich Huub Stevens, der neue Coach von Red Bull. Am 15. Juni 2009 tritt er seinen Job in Salzburg an. Es ist das erste Mal, dass der Holländer mit dem Lausbubenlachen außerhalb seiner niederländischen Heimat und außerhalb Deutschlands, wo er oft für Furore gesorgt hatte, einen Trainerposten angenommen hat.

Im Herbst 2008, kurz bevor er beim PSV Eindhoven als Betreuer präsentiert worden war (und sieben Monate später das Handtuch werfen sollte), hatte der niederländische Sportjournalist Theo Vaessen im Riva Verlag eine Biografie über Stevens geschrieben. Ein Buch, das viel über den Sportler und Trainer erzählt, aber vor allem den Menschen Huub Stevens durchleuchtet.

Kindheit

Ein Draufgänger, heißt es darin, soll er von klein auf gewesen sein. Mit acht Jahren wäre der dritte von fünf Söhnen nach einem Sturz mit dem neuen Tretroller fast im Bach ertrunken, eine Nachbarin fischte ihn noch aus dem Wasser. "Er hatte einfach kein Gefühl für Gefahr, mein Mann und ich standen Todesängste aus", erzählte Mutter Mia Jahrzehnte später. Huub, der voller Bewunderung für seinen im Bergwerk schuftenden Vater war, wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. In Stadbroek, einem Arbeiterviertel in der nahe der deutschen Grenze gelegenen Stadt Sittard. "Wir hatten als erste Familie in unserer Straße einen Fernseher", erzählt Stevens in Vaessens Buch. Der Vater wollte, "dass wir ein besseres Leben hätten als er. Er hat oft gesagt, er würde es nicht zulassen, dass seine Jungs auch im Bergwerk arbeiten". Als Joseph Stevens bei einem Unfall starb, waren die älteren Söhne bereits aus dem Haus. Also musste der 17-jährige Huub die Vaterrolle für seine beiden jüngeren Brüder Paul und John übernehmen.

Fußballspielerkarriere

"Ich hatte zwei Ziele: meine Brüder zu unterstützen und im Fußball erfolgreich zu werden." Bei Fortuna Sittard, nur einen Katzensprung von seinem Elternhaus entfernt, sollte Letzteres in die Tat umgesetzt werden. Der talentierte Junge trainierte wie besessen. Nebenbei absolvierte er eine Schlosser-Ausbildung.

Als der PSV Eindhoven 1975 einen Vorstopper suchte, kehrte Stevens Sittard den Rücken. Bei PSV erkämpfte er sich einen Stammplatz, holte mit der Mannschaft den UEFA-Cup 1978 und wurde später ein angesehener Spieler des Nationalteams, mit dem er 1980 an der EM teilnahm. Mit 32 Jahren beendete er 1986 seine Karriere und begann als Jugendkoordinator beim PSV.

Trainerkarriere

Als Coach Robson erkrankte, durfte er kurzfristig als Cheftrainer einspringen. Erste Amtshandlung: Er machte den Brasilianer Romario zum Kapitän. Zu ihm hatte Stevens einen guten Draht. Er erkundigte sich nach den Lebensumständen, der Familie. "Als Romario mich fragte, warum ich das wissen wolle, antwortete ich: 'Romi, du bist nicht nur Fußballspieler, du bist doch auch Mensch.'"

Huub Stevens war es von Anfang an wichtig, auf die Gefühle der Spieler einzugehen. Dadurch gewann er reichlich an Menschenkenntnis. "Heute ist es normal, dass man im Team ein paar Jungs aus unterschiedlichen Kulturen hat. Man kann aus einem Südamerikaner keinen Europäer machen."

Aber Disziplin gilt für alle. Als Trainer bei Roda Kerkrade ordnete Stevens etwa an, dass die Spieler keine Ohrringe und keine langen Haare tragen durften. Beim HSV gab er den Ausländern zu verstehen, dass sie Deutsch lernen müssten. "Schließlich mussten sie auch ohne mich einkaufen gehen, und dann mussten sie auch zusehen, wie sie sich selbst helfen."

Seit Huub Stevens 1996 zu Schalke 04 wechselte und mit den Gelsenkirchenern den UEFA-Cup holte, zählt er in Deutschland zu den Startrainern. Bei Schalke blieb er sechs Jahre lang. War im Mai 2001 im dramatischen Titelfinish gegen die Bayern vier Minuten lang Meister. Wurde zum Schalker Jahrhunderttrainer gewählt. Machte mit den Spielern ungewöhnliche Ausflüge wie jenen zu Fans, die unter Tage im Bergbau arbeiten. "Wir wollten wissen, wie schwer sie dort schuften. Die Fans fanden das prima."

Privatleben

Weniger prima steht es seit Anfang der 1980er Jahre um die Gesundheit seiner Frau Toos, mit der er zwei Kinder hat. Sie leidet an Morbus Crohn, einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung. Nach dem Aufstieg mit dem 1. FC Köln in die Bundesliga ging der gefeierte Trainer daher zurück nach Holland, um näher bei seiner Frau zu sein. Jahre später beim HSV stand es wieder dramatisch um sie, mitten in der Saison. "Ich musste mit meinen Kindern um Toos' Leben kämpfen und versuchen, den HSV vor dem Untergang zu retten." Mit der Krankheit hat die ganze Familie inzwischen gelernt zu leben. Toos wird mit Huub nach Salzburg ziehen, "wir freuen uns schon sehr darauf".

Literatur

  • Theo Vaessen, Huub Stevens, riva Verlag München 2009, ISBN 978-3-86883-008-8

Quellen

  • Salzburger Nachrichten (Maria Mackinger)
  • Wikipedia [1]