Marios Joannou Elia

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Dr. phil. Marios Joannou Elia (* 19. Juni 1978 in Paphos, Zypern) ist ein zyprischer Komponist.

Studium

Marios Joannou Elia studierte an der Universität für Musik und darstellende Kunst Mozarteum Salzburg in der Kompositionsklasse bei Adriana Hölszky, 2005 Abschluss mit Mag.Art. Zudem absolvierte er Studien in Gitarre, Musikpädagogik und Musiktheorie.

2001/02 wurde Elia zum erfolgreichsten Mozarteums-Studenten. Dafür erhielt er ein Stipendium des Österreichischen Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Weiters wurde ihm das Österreichische Leistungsstipendium für Komposition sowie das Rektor-Stipendium der Universität Mozarteum zuerkannt. Erweitert wurde das Kompositionsstudium unter Klaus Huber an der Hochschule für Musik in Basel. Weitere Anregungen erfuhr er durch Boguslaw Schaeffer und Michael Finnissy sowie durch Begegnungen mit Künstlern wie Karlheinz Stockhausen, Helmut Lachenmann und Georges Aperghis.

Elia studierte auch Musikwissenschaft an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Der Titel seiner Forschungsarbeit heißt "Zeitgenössische Musik und ihre Wahrnehmungsformen im Kontext von Polyästhetik und Polymedialität"[1].

2011 promovierte[2] re zum Doktor der Philosophie an der University of Southampton.

Leben

Zu seinen ersten internationalen Erfolgen gehören die Aufführung durch die Cambridge University New Music Society]] von With a pair of scissors and thousand threads (2002). Im selben Jahr fand auch die Premiere seines ersten Musiktheaterwerks im Wiener Saal der Internationalen Stiftung Mozarteum Salzburg statt. Zwei Jahre später widmeten drei Theater Salzburgs ihm und seiner Musik abendfüllende, inszenierte Porträtkonzerte. Zudem wurde im Rahmen der Salzburger Osterfestspiele seine Multimedia-Arbeit Hydor aufgeführt.

Mit der Komposition Antidoton für elektrisch verstärktes Streichquartett errang er den 1. Preis des renommierten Lutoslawski Award in Warschau (2004); die Aufführung erfolgte in der Warschauer Philharmonie mit dem Rubinstein Quartet.

2003 komponierte Elia das Multimedia-Werk „Strophes“ für die Gläserne Manufaktur von Volkswagen in Dresden.[3] In diesem Werk setzte er zum ersten Mal das Automobil als klanglichen Bestandteil seiner Musik ein.

Zwischen 2003 und 2006 war er künstlerisch-wissenschaftlich forschend am Mozarteum Salzburg beschäftigt. Elia hält regelmäßig Vorträge und Gastkurse, u.a. an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig ("Klangszenen- und Musiktheaterimprovisation"), im Rahmen der Salzburg Biennale ("Wort-Klang-Musik"), für das Jahressymposion der Internationalen Gesellschaft für Polyästhetische Erziehung ("Polyästhetische HörRaumGestaltung") in Linz[4] oder für die Stadt Mannheim im Rahmen Ihrer Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas 2020 ("Autosymphonic. Ein Event besonderer Art")[5].

2010 wurde Elia zum Präsidenten des "New Works" Musikfestivals in Southampton gewählt. 2010 bis 2011 übernahm er die künstlerische Leitung des Multimedia-Events "autosymphonic" in Mannheim[6].

Elia arbeitet bei Umsetzungen seiner aufwendigen Multimediawerke oft und eng mit seinem Bruder, dem Produzenten Elektronischer Musik Nick Elia, zusammen, wie zuletzt in "Vertumnus" für elektronische Musik, Lautsprecher-Orchester und dreidimensional-interaktives Schattentheater, uraufgeführt auf der Hauptbühne des Mazedonischen Staatstheaters und Ballets (2009), als auch in „autosymphonic“.

Seine Musik wird von internationalen Orchestern und Ensembles aufgeführt (SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, SWR Vokalensemble Stuttgart, Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern, Staatsorchester Stuttgart, Sinfonietta des Gewandhausorchesters Leipzig, Ensemble Modern, Moscow Contermporary Music Ensemble, Österreichische Ensemble für New Musik, Kinderchor der Staatsoper Stuttgart, Netherlands Accordion Orchestra etc.). Opern, Musiktheater- und Tanzmusikwerke wurden u.a. von den Staatsopern Stuttgart, Hannover und Skopje beauftragt und aufgeführt.

Renommierte Konzerthäuser und Festivals wie die Berliner und Warschauer Philharmonie, das Festspielhaus Hellerau, die Queen’s Hall in Edinburgh, der Amsterdamer Muziekgebouw aan’t IJ, das Millenáris Theatrum Budapest oder die Ars Electronica Linz haben Elias Musik zum Erklingen gebracht.

Polymedialität als Konzept

Elias Konzept basiert auf einer qualitativen Polymedialität, die zwei Dimensionen umfasst: Die werkimmanent-kompositorische und die Polymedialität auf der Ebene der Inszenierung. In der ersten Dimension werden unkonventionelle Musik- und musikfremde Medienelemente zu integralen Bestandteilen der Komposition. Durch die Verwendung ungewöhnlicher akustischer Quellen, wie den 81 Automobilen in "autosymphonic", erschließt er sich völlig neue Möglichkeiten, Klänge zu erzeugen und seine Inspirationen musikalisch umzusetzen. In der zweiten Dimension tritt die Komposition als Ganzes in ein dynamisches Wechselspiel mit anderen Kunstformen oder Medien.[7].

Die Jagd

Elia komponierte mehrere Opern und Musiktheaterwerke. Seine letzte Oper, "Die Jagd", eine Auftragskomposition der Staatsoper Stuttgart, ist für 4 Sänger, 3 Schauspieler, Jagdchor, zwei Sprechchöre, 20 aufgenommene Stimmen, instrumentales Ensemble in zwei Gruppen, Autosextett und Elektronik komponiert (2008). Die Uraufführung erfolgte von der Staatsoper Stuttgart, in Koproduktion mit dem Theater Rampe Stuttgart [8].

Autosymphonic

Für das Finale der Feierlichkeiten des 125. Geburtstags des Automobils komponiert Elia die Open-Air Multimedia-Sinfonie "autosymphonic", eine Auftragskomposition der Stadt Mannheim.

Die einstündige Sinfonie ist für 265 Musiker geschrieben: für Sinfonieorchester, 81 Automobile und 120 Percussionisten, Chor, Kinderchor, Popband, Vokalensemble, Perkussions-Oktett, Live Electronics und einem 360-Grad Beschallungssystem [9]. Die Uraufführung fand am Friedrichsplatz Mannheim statt und lockte 20.000 Zuhörer an [10]. Die Sinfonie wurde von Horst Hamann inszeniert.

Nach einem zehnmonatigen 'Autocasting' kreierte Elia das weltweit erste Autoorchester[11]. Die 81 Fahrzeuge des Autoorchesters aus allen Epochen spielen Mannheimer Jugendliche wie 'Instrumente'[12].

Eventkultur

Die Arbeit des Komponisten Marios Joannou Elia umfasst Kompositionen unterschiedlichster Genres und Besetzungen für die Oper ebenso wie für Konzerthäuser und reicht bis zu visionären Projekten und Konzepten für anspruchsvolle Eventkultur.

Eine Reihe seiner Werke hat Elia gezielt für besondere Anlässe entwickelt und produziert, wie das Chorwerk "Aquanauten" (aufgeführt im Salzburger Mirabellgarten, 2007) oder die Medienoper „Die Reise des G. Mastorna“ (aufgeführt im Flughafen Salzburg im Rahmen des Mozartjahres 2006).

Popmusik

In "autosymphonic" komponierte Elia den IV. Teil für Sinfonieorchester, Chor, Perkussionsquintett und die Sänger und Rapper der Popband Söhne Mannheims und Xavier Naidoo[13]. Der Titel des Songs heißt "Der Traum" [alias "Das Automobil" oder "500 Pferde"].

Preise und Ehrungen

Für seine bisher rund 60 Werke nahezu aller Musikgattungen erhielt er eine Reihe der höchsten internationalen Auszeichnungen: z. B. gewann er den Counterpoint-Preis „Luciano Berio“ in New York City (2010),[14] den Hof-Klang Preis der Gesellschaft für Kunst und Kritik Leipzig (2010),[15] den Kazimierz Serocki Preis in Warschau (2008), den Edison Denisov Preis in Moskau (2007), den Recherche-Preis des Mozarteums Salzburg, der Klangspuren Schwaz Tirol und des Ensemble Recherche Freiburg im Breisgau (2007), Publikumspreis des internationalen Musikfestivals der koreanischen Gesellschaft der Musik des 21. Jahrhunderts in Seoul (2006), den Giannis Papaioannou Kompositionspreis der Griechischen Musikgesellschaft in Athen (2004) sowie den Witold Lutoslawski Preis in Warschau (2004).

Für sein Werk „Strophes“ erhielt er 2005 in München den BMW-Förderpreis der Musica Viva (München) und des Bayerischen Rundfunks. 2007 wurde Elia der Theodor-Körner-Preis in Wien verliehen und von Heinz Fischer, dem Bundespräsidenten Österreichs, geehrt. 2009 ehrte ihn gleichermaßen für sein bisheriges Schaffen der Kulturminister Zyperns. 2010 wurde er in Zypern zum „Künstler des Jahres“ und in Southampton zum Präsidenten des „New Works“-Musikfestivals gewählt.

Weitere Auszeichnungen erhielt er von der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart, der Kunststiftung Baden Württemberg, der Akademie der Künste Berlin, der Hanne Darboven-Stiftung in Hamburg, der Allianz Kulturstiftung in München, des Festspielhaus Hellgrau und des Europäischen Zentrums der Künste Hellgrau in Dresden und der Leventis-Stiftung in Paris.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise