Mirabellgarten

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Blick über den Mirabellgarten, im Hintergrund die Salzburger Altstadt mit der Festung Hohensalzburg
Karte
Der Mirabellgarten auf dem Sattler-Panorama 1829
Der Mirabellgarten, Plan 1775
Ausblick vom Rosenhügel über das Kleine Gartenparterre zur Festung Hohensalzburg

Der Mirabellgarten ist einer der berühmtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt Salzburg und steht wegen seiner geschichtlichen, künstlerischen oder sonstigen kulturellen Bedeutung unter Denkmalschutz.[1]

Beschreibung

Der barocke Garten umgibt west- und südseitig das Schloss Mirabell in der rechtsufrigen Altstadt. Zugänglich ist er im Osten vom Schloss Mirabell und vom Mirabellplatz, im Norden vom Rosenhügel und vom Kurgarten, sowie im Süden vom Makartplatz aus.

Der Mirabellgarten gliedert sich in mehrere Bereiche:

  • das Bosquet [2], einen Baumbestand mit geometrischem Grundriss im Süden
  • das Große Gartenparterre, ein großer nach Süden orientierter rechteckiger Teil
  • das Heckentheater, eine Freiluftbühne und Hecken-Labyrinth nach Westen gelegen
  • die Lindenallee und der Laubengang, jeweils in Nord-Süd-Richtung verlaufend
  • der Orangeriegarten, vor der Orangerie Schloss Mirabell nach Osten gelegen
  • der Rosengarten, an der Südseite von Schloss Mirabell gelegen
  • das Kleine Gartenparterre, ein kleinerer nach Westen orientierter Teil
  • der Zwergelgarten, ein Zwergen-Skulpturen-Park auf der Wasserbastei
  • der historische Zwergelgarten, ein südlich der Wasserbastei gelegener Teil, heute Zauberflötenspielplatz

Heute nicht mehr existierend sind der Große Bastionsgarten und der Ballmeistergarten an dessen Stelle heute das Salzburger Landestheater steht.

Der Mirabellgarten steht samt dem zugehörigen Zwergelgarten seit dem Jahr 2008 explizit unter Denkmalschutz. Auch zuvor war aber ein Ex-lege-Schutz nach dem Denkmalschutzgesetz gegeben. [3]

Geschichte

Im Jahr 1606 wurde Schloss Altenau durch Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau als Landsitz für seine Geliebte Salome Alt, wohl auch heimliche Ehefrau des Fürsterzbischofs, errichtet und auch der weitläufige manieristische Schlossgarten angelegt. Der Garten besaß damals die Form eines lang gestreckten Rechteckes [4], was heute nur teilweise zu erkennen ist.

1631 ließ Fürsterzbischof Paris Graf Lodron im Süden einen Zugang zum Garten, heute Makartplatz, errichten.

1689 ließ Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein, nachdem er zum Fürsterzbischof gewählt worden war, den Garten im barocken Stil grundlegend umgestalten. Die Gartenanlage wurde von Johann Bernhard Fischer von Erlach angelegt, der auch die Marmorbalustrade mit ihren Vasen entwarf. Der Garten wurde auch mit prachtvollen Marmorstatuen geschmückt; beteiligte Künstler waren Johann Fröhlich, Ottavio Mosto, Bartholomäus von Opstal, Andreas und Gregor Götzinger sowie Hanns Schwäbl.

1721 bis 1727 erfolgte im Auftrag von Erzbischof Franz Anton Fürst Harrach durch den Baumeister Lukas von Hildebrandt ein Umbau von Schloss Mirabell zu einer Anlage mit vier Gebäudetrakten rund um einen Innenhof. Durch diese Erweiterung musste der Garten zwangsläufig verkleinert und neu gestaltet werden.

Um 1730 wurde die Anlage von Matthias Diesel und von Anton Danreiter verändert, die ihr damaliges Aussehen in mehreren kolorierten Kupferstichen darstellten.[5]

Erst 1854 unter Kaiser Franz Joseph I. wurde der Mirabellgarten für die Öffentlichkeit allgemein zugänglich.

1892/1893 entstand durch den Neubau des Stadttheaters die Öffnung zum Makartplatz. Zuvor war dort eine hohe Mauer mit zwei Portalen.

Um 1895 wurden die Brunnenbecken saniert und in Beton ausgeführt. Damals entstand die Große Fontäne. Um diese Zeit gab es nahe dem Bosquet einen Musen-Hügel (Mozart-Denkmal) für Mozart.

1955 wurde er nach den Kriegswirren in kleinen Teilen historisierend wiederhergestellt.[6].

2008 sanierte man den großen Springbrunnen um 15.000 Euro.

Bosquet

das die Gartenanlage beeinträchtigende Café im Mirabellgarten (Ostseite Salzburger Landestheater)

Borghesische Fechter

Die beiden Paare borghesischer Fechter beim südlichen Zugang vom Makartplatz sind historische Kopien einer antiken Skulptur [7].

Statuen

Die Statuen auf den Balustraden stellen acht männliche und acht weibliche römisch-griechische Gottheiten dar und wurden 1689 aufgestellt:

  • männliche:
    • 1. Saturn (Kronos), eines seiner Kinder verschlingend; 2. Bacchus (Dionysos) mit Weintraube; 3. Jupiter (Zeus) mit Krone und Adler und 4. Mars (Ares) in voller Rüstung,
    • 5. Herkules (Herakles; Halbgott) mit Keule und Fell des Nemeischen Löwen; 6. Vulcanus (Hephaistos) mit Amboss; 7. Merkur (Hermes) mit Flügelhelm und 8. Apollo (Apollon) mit Lorbeer;
  • weibliche:
    • 1. Diana (Artemis) mit Jagdhund und mit Mondsichel im Haar; 2. Flora (---) mit zahlreichen Blumen; 3. Minerva (Athene) mit Brustharnisch und Schild samt Medusenhaupt und 4. Ceres (Demeter) mit Getreidegarbe,
    • 5. Pomona (---) mit Weintraube und Früchten; 6. Venus (Aphrodite) nackt mit Amorknabe; 7. Vesta (Hestia) mit Fell und einem Topf mit Feuer und 8. Juno (Hera) mit Traube und einem Pfau.

Flora, Ceres, sowie Pomona und Vesta stehen für die vier Jahreszeiten.

Die Bildhauer waren

Die Gottheiten auf den Balustraden - Bildergalerie Innere Balustrade (weibliche Gottheiten)

Äußere Balustrade (männliche Gottheiten)

Großes Gartenparterre

Das Große Gartenparterre liegt südlich von Schloss Mirabell.

Vier-Elemente-Brunnen und Skulpturen

Panoramaaufnahme: Mirabellgarten
Großes Gartenparterre, Vier-Elemente-Brunnen
Hauptartikel: Vier-Elemente-Brunnen

Im Mittelpunkt des Gartens befindet sich ein Springbrunnen oder eine Fontäne in einem großen flachen achteckigen Brunnenbecken. Im Viereck um den Brunnen angeordnet stehen vier große Skulpturen (paarweise Figuren), die in Mythologie und Ornamentik die vier Elemente versinnbildlichen:

  • Element Erde: 'Hades entführt Persephone in die Unterwelt.'
  • Element Wasser: 'Paris raubt die schöne Helena und entflieht mit ihr über das Meer.'
  • Element Feuer: 'Aeneas flieht seinen Vater Anchises tragend mit seinem Sohn Ascanius aus dem brennenden Troja.'
  • Element Luft: 'Herkules ringt mit den Riesen Antaeus', der - in die Luft gehoben - keine Kraft aus der Berührung mit seiner Mutter Erde ziehen kann.

Die Figurenpaare werden kunstgeschichtlich auch als Raptusgruppen[8] bezeichnet.

Raptusgruppen - Bildergalerie

Balustrade mit Vase

Balustrade

Das Große Gartenparterre ist beidseits von einer barocken Balustrade mit Vasen eingefasst, die 1689 Johann Bernhard Fischer von Erlach errichtet worden ist.

Heckentheater

Hauptartikel: Heckentheater

Das kleine lang gestreckte Heckentheater mit seinen von geschnittenem Gehölz eingefassten symmetrischen Wegen und seinen zentralen Freiflächen wurde vermutlich um 1704 (nach älteren Angaben aber erst 1718) auf der Lodronschen Wehrmauer errichtet und wird bis heute gelegentlich für kleine Theateraufführungen oder für Konzerte verwendet.

Lindenallee und Laubengang

Die Allee aus Winterlinden, zu Würfeln in geometrische Form gebracht und der Laubengang aus einem Rundbogen-Spalier, sind eine typisch barocke Ausdrucksform.

Orangeriegarten

Hauptartikel: Orangerie Schloss Mirabell

Die Orangerie mit dem angrenzenden Palmenhaus entstand um 1725. Im Orangeriegarten befindet sich der Papagenabrunnen mit seiner Pagagena-Figur, 1984 geschaffen von Josef Magnus.

Rosengarten

Der Rosengarten oder das rosarium liegt vor dem Schloss Mirabell an der sonnigen Südseite .

Kleines Gartenparterre

Kleines Gartenparterre
vom Rosenhügel aus in Richtung Altstadt

Das Kleine Gartenparterre liegt westlich von Schloss Mirabell.

Voliére

Vogelhaus nach der Renovierung, 2011
Hauptartikel: Voliére im Mirabellgarten

Das "Vogelhaus" am Rand des Kleinen Gartenparterre wurde um 1730 errichtet und dient seit 1952 als Museumspavillon.

Pegasusbrunnen

Hauptartikel: Pegasusbrunnen
Pegasusbrunnen im Mirabellgarten
Pegasus mit Blick auf die Festung Hohensalzburg

Das geflügelte Pferd 'Pegasus' hilft in der griechischen Mythologie den Heroen Perseus und Herakles über das Meer zu fliegen und ermöglichte so ihre Heldentaten. In dem es als künstlerische Bronzeplastik in einen herrschaftlichen Brunnen gestellt wird, wurde ein Symbol verwendet, dass Stärke und Ruhm der Machthaber indirekt betonen soll.

Die Bronzeplastik des geflügelten Pferdes 'Pegasus' war ursprünglich Teil der Kapitelschwemme am Kapitelplatz, kam später auf den Mirabellplatz als Teil der Mirabellschwemme und ist seit 1913 als 'Pegasusbrunnen' am heutigen Standort.

Einhörner

Das Kleine Gartenparterre ist nach Norden durch eine Prunkstiege mit schmiede-eisernen Torgitter abgeschlossen, die beidseits durch ein auf einem Podest ruhendes Einhorn flankiert werden. Während des Jahres ist das Torgitter zumeist geöffnet, nur im Winter ist es geschlossen. Das Einhorn ist ein mythisches Fabelwesen, zumeist ein weißes Pferd, aus dessen Stirne mittig ein einziges, starkes Horn senkrecht hervorragt. Dieses Horn wird als heilkräftig beschrieben. Das Einhorn gilt als das edelste aller Fabeltiere und steht als ein Symbol für das Gute. Das Einhorn lebt im tiefen Walde. Einfangen kann es der Legende nach nur eine Jungfrau. Diese dezent gesetzte Symbolik wird heute meistens übersehen. Die zwei Einhörner sind entweder ein beliebtes Fotomotiv für Brautpaare und Touristen oder Reittier für Kleinkinder. Die Hörner mussten leider infolge von Vandalismus erneuert werden.

Einhörner - Bildergalerie

Verborgene Frauen

In der Mauer an der Westseite des Kleinen Gartenparterres sind zwei Frauenköpfe verborgen. Die beiden Frauenköpfe sind auf Augenhöhe positioniert, entsprechend der natürlichen Größe einer Frau. Zu sehen ist jeweils nur der Kopf, während der Rumpf fehlt und so der Körper der Frau eingemauert zu sein scheint. Die Frauenköpfe sind aus Sandstein, einem Material, das in Salzburg nicht vorkommt. Beide Köpfe sind stark verwittert. Fest steht, dass beide Frauenköpfe bewusst an ihre Positionen gesetzt wurden; warum, ist nicht bekannt und schwierig zu deuten. Es kann sein, dass man zufällig zwei Statuen oder auch nur deren Köpfe übrig hatte und sich einfach einen Jux machen wollte, indem man ein manieristisches Element wählte, um die einfache Mauer interessant zu machen. Möglich ist auch, dass es bewusst geschah, um der Dame des Hauses oder den Hofdamen eine Andeutung zu machen. In Rom wurde die Untreue einer Vestalin hart bestraft. Jedenfalls sind die zwei verborgenen Frauen während des ganzen Jahres kaum oder gar nicht zu sehen, weil die Vegetation diese überdeckt; im Winter, wenn die Blätter abgefallen sind, da sind die zwei verborgenen Schönheiten, die dort "im Dornröschenschlaf liegen", zu sehen.

'Verborgenen Frauen'

Löwen

allegorisches Sinnbild:
Geduld (patientia) und Stärke (fortitudo)

Bei der Neugestaltung der Mirabellschwemme fügte Danreiter die beiden Steinböcke und die beiden Löwen hinzu (die Thunschen Wappentiere), die vermutlich von Schloss Klessheim stammten und heute in der Nähe des Pegasusbrunnens bei der Stiege auf den Rosenhügel zu sehen sind (die heutige Aufstellung stammt aus dem Jahr 1913). [9]

Die beiden Löwen sind ein aus der Antike stammendes allegorisches Sinnbild für die Tugenden Geduld (patientia) und Stärke (fortitudo).

Brunnen

Wasserbastei

Hauptartikel: Wasserbastei

Die Wasserbastei ist eine kleine Vorbastei und der letzte Rest des einst mächtigen Lodronschen Gürtels von Bollwerken. Die Basis der erhaltenen Wehranlage ist nach 1860 stark eingeschüttet worden, sodass nur mehr die obere Hälfte sichtbar ist. Auf dieser Bastei sind derzeit die bekannten Marmorzwerge (siehe Zwergelgarten) aufgestellt.

Zwergelgarten

Hauptartikel: Zwergelgarten

Der historische Zwergelgarten lag südlich der Wasserbastei und war ein Teil der Gartenanlage, die nach dem Ende der Türkengefahr Johann Ernst Graf Thun unter Leitung von Fischer von Erlach ausgestalten ließ. Die ersten Zwerge entstanden vermutlich 1691/1692. Der Garten war dann um 1695 weitgehend fertiggestellt. Er wurde in der barocken Formgebung Ende des 18. Jahrhunderts zerstört, weil der maßgeblich von der Aristokratie Frankreichs geförderte Barockstil damals als hoffnungslos veraltet galt und auch an diesem Ort einem englischen Landschaftsgarten weichen musste, der heute ebenfalls nicht mehr besteht. Die Zwerge des Gartens wurden spätestens 1811 entfernt.

Der Zwergelgarten befindet sich heute auf der Wasserbastei. Der Garten ist der älteste Zwergelgarten Europas und hat eine besonders hohe kulturelle Bedeutung. Die vielfältige Symbolsprache des Mirabellgartens wird maßgeblich auch vom Zwergelgarten mitbestimmt.

Bastionsgarten

Es gibt einen kleinen und einen großen Bastionsgarten.

Zauberflötenspielplatz

Hauptartikel Zauberflötenspielplatz

Der Zauberflötenspielplatz befindet sich südlich unterhalb der Wasserbastei. Seit 1955 befindet sich hier ein Ausstellungspavillon und ein Kinderspielplatz. Der Kinderspielplatz wurde 2006 neu gestaltet und zum Zauberflötenspielplatz.[10]

Gebäude

Folgende Gebäude grenzen an den Mirabelgarten:

Bilder

 Mirabellgarten – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki
 Mirabellgarten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Weblinks

Quellen

Fußnoten

  1. Quelle Bundesgesetz betreffend den Schutz von Denkmalen wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen oder sonstigen kulturellen Bedeutung (Denkmalschutzgesetz - DMSG) StF: BGBl. Nr. 533/1923 (NR: GP I 1513 AB 1703 S. 209.)
  2. Bosquet, französisch : Wäldchen, Baumgruppe, Dickicht
  3. Bundesdenkmalamt/Homepage/Salzburger Mirabellgarten
  4. www.ubs.sbg.ac.at/Merian aus: Topographia Bavariae/Salzburg_1644
  5. austria-forum.org → Schloss Mirabell von Süden → Anton Danreiter → 1750 sowie www.ubs.sbg.ac.at/Johann Schimoußek: Plan der Anlage von Schloss Mirabell. Aquarellierte Federzeichnung, 1775, signiert und datiert
  6. Quelle Stadt Nachrichten, 11. Februar 2011, Artikel mit Aussagen Salzburger Stadtführerin Renate Bauer
  7. Das innere Fechterpaar wurde von Andreas Götzinger, das äußere von Michael Bernhard Mandl gefertigt. Der originale „Borghesische Fechter“ ist eine antike Statue, die um 1611 gefunden wurde und dann lange Zeit in der römischen Villa Borghese aufgestellt war (seit 1807 im Louvre, Paris); sie zeichnet sich durch vortreffliche anatomische Durchbildung aus und war im 18. Jahrhundert eine der am meisten bewunderten und kopierten Arbeiten der Antike (vgl. den Wikipedia-Artikel „Borghesischer Fechter“.
  8. Raptusgruppe: von raptus, lateinisch: "Raub", "Entführung" – in der Bildenden Kunst die Darstellung einer Entführung. Bekannte Beispiele sind der Raub der Amymone, der Raub der Europa, der Raub der Sabinerinnen und „Nessus raubt Dejanira” (Das große Kunstlexikon von P.W. Hartmann
  9. Quelle diglib.tugraz.at
  10. www.stadt-salzburg.at/Bastionsgarten