Verschwundene Ansitze im Pinzgau

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Verschwundene Ansitze im Pinzgau - Adelige und Beamte des Landesherrn hatten bekannte Ansitze in Saalfelden. Bekannt sind die Saalfeldner Schlösser Dorfheim, Lichtenberg, Farmach und Ritzen als ehemalige Ansitze adeliger Familien bzw. Beamter des Landesherm. Aber wo waren Lackenschlössl, Grub und Ramseiden?

Schloss Grub: eine wechselvolle Geschichte

Die erste Nachricht stammt aus 1339. Damals hat Konrad Gravenberger das Gut Grub seinem Sohn Alex überlassen. Die nächsten Besitzer waren die Herren von Ramseiden und die Herren von Hunt zu Dorfheim, die 1582 das Schloss den Gasteiner Gewerken Hans und Christoph Weitmoser verkauften. Christoph Weitmoser ließ 1593 das sogenannte "Neugebäu" anbauen. Nach seinem Tod, 1603, wurde der Komplex an Heimeram Ritz verkauft. Er hat das Schloss reich ausgestattet. Nach weiteren Besitzerwechseln erwarb Ende des 18. Jahrhundert Johann Dengg das Schloss. Er suchte Mieter, so kam der Plan auf, es als Getreidemagazin zu adaptieren.

Lange Zeit wusste man nicht, wann das alte Schloss abgekommen ist, bis man im Staatsarchiv München die Notiz des Saalfeldner Landrichters Cornel Schwarz fand: Nach dem großen Marktbrand 1811 wurde das alte Schloss (Grub) so wie die Priesterspitalskirche abgetragen und die Steine für den Wiederaufbau des Marktes verwendet. Übrig blieb das "Neugebäu" - heute als Schloss Ritzen bezeichnet.

1579 starben die Ramseider aus

Ramseiden bei Saalfelden wird bereits 888 erwähnt. Damals schenkte König Arnulf Miltrud, Gattin seines Mundschenks, Güter mit Jagd und Fischerei als freies Eigen. Der Ramseider Turm war Ansitz der Herren von Ramseiden, einem wohlhabenden Geschlecht, dessen bekannter Vertreter, Ritter Jörg (Georg) von Ramseiden, in Kämpfen bis Marokko kam.

Die Erben verkauften den Turm an die Weitmoser, die Grub und Ramseiden nur kurze Zeit in ihrem Besitz hatten. Bereits 1603 kaufte Heimeram Ritz neben Grub auch den Ramseider Turm. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel kamen beide Ansitze in bäuerlichen Besitz. Inzwischen ist der Ramseider Turm verschwunden. Man hatte lange keine Ahnung, wo er sich befunden haben könnte. In einer Notiz von P. Ebner von St. Peter wird um 1900 festgehalten, dass der Turm nicht oberhalb von Ramseiden, sondern “…westlich von der Kapelle in der Ortschaft, im jetzigen Gemüsegärtl gegenüber dem Salzmannhaus" gestanden ist. Wahrscheinlich hat man die Steine der Turmruine nach dem Marktbrand 1811 auch als Baumaterial für den Wiederaufbau Saalfeldens verwendet. Auf der Ansicht Saalfeldens (um 1700), derzeit im Heimatmuseum Schloss Ritzen, sind Schloss Grub/Ritzen und schemenhaft auch der Ramseider Turm auszunehmen.

Das beinahe unbekannte Rettenwörth

Von Rettenwörth, auch Lackenschlössl genannt, ist am wenigsten bekannt. In neuerer Zeit wird eine Wohnsiedlung im Ortsteil Letting nach dem Lackenschlössl benannt. Von diesem gibt es keine Abbildung und nur wenige Nachrichten, daher sind viele Saalfeldner der Meinung, dieses Wasserschloss habe nur in der Sage existiert. Ältere Einheimische zeigen aber einen Tümpel, in dem Schloss Rettenwörth einmal gestanden sein soll.

Christoph Perner von Rettenwörth war ein tüchtiger Gewerke, dem mehrere Schlösser zu verdanken sind, wie Schloss Rif (1555), Wasserschloss Anif (1560) und Prielhof (1560). Ihm wird auch der Versuch, die Salzachöfen schiffbar zu machen, zugeschrieben. Als letztes Schloss ließ er um 1560 Rettenwörth in Saalfelden-Letting errichten. Es dürfte ähnlich wie Schloss Prielau am Nordufer des Zeller Sees ausgesehen haben. Da er sich zuletzt nach Rettenwörth benann¬te, muss es dem Erbauer am Herzen gelegen sein.

Nach Perners Ableben (1565) wurde Rettenwörth 1567 auf Geheiß des Fürsterzbischofs Johann Jakob von Kuen-Belasy von einer Kommission unter dem Pfleger von Lichtenberg. Georg Prugpöck, geschätzt. Man kam samt Mühle, Wehr, Ziegelstadel und Grundbesitz auf einen Wert von 2.650 Gulden.

Nach dem Verkauf des Schlosses durch Christoph Perners Söhne, 1597, an Joseph Hunt wechselte es mehrmals den Besitzer. So hat es Leonhard Grönmayer im Jahr 1624 von Michael Praunseisen, Schmied zu Thor, erworben. Allerdings hat Praunseisen das dazugehörige Gehölz an Dietrich von Khuen Belasy verkauft, der dringend Holz an der Saalach benötigte. Aus dem Bericht des Urbarrichters gebt hervor, dass bereits damals das "SchlößI in Abschlaipfung (Verwahrlosung) begriffen" sei. In der Folge muss das Schlösschen wieder in den Besitz der Herren von Hunt und deren Nachfolger gekommen sein, denn sie führten das Prädikat "von Dorfbeim zu Grub und Rettenwörth".

1739 wird Schloss Rettenwörth nochmals erwähnt, damals lebten im "Lackenschlössl" drei Erwachsene und zwei Kinder. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde es noch in der abgebildeten Landkarte eingezeichnet. Anzunehmen ist, dass auch die Reste dieses Ansitzes für den Wiederaufbau von Saalfelden verwendet worden sind.

Quelle