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Gasteinertal

Blick vom erhöhten Ortsteil Angertal auf Bad Hofgastein in Richtung Norden. Im Vordergrund gelegen der Ortsteil Hundsdorf; im Hintergrund der Hauptort mit Kirche; Aufnahme: September 1997
Blick nach Norden über das Gasteinertal von der Windischgrätzhöhe in Bad Gastein

Das Gasteinertal, selten auch Gasteiner Tal, ist ein 40 Kilometer langes Tal im Pongau im Bundesland Salzburg und wird von der Gasteiner Ache durchzogen.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Die Gemeinden im Gasteinertal von Norden nach Süden sind Dorfgastein, Bad Hofgastein und Bad Gastein. Im Bad Gasteiner Ortsteil Böckstein zweigt das Naßfeldtal nach Südwesten in Richtung Goldberggruppe ab. Dort befindet sich der Gasteiner Heilstollen. Nach Osten erstreckt sich von Böckstein das Anlauftal. Im Norden mündet das Gasteinertal bei Lend in das sich öffnende Salzachtal.

Erreichbarkeit

Straße

Vom Norden, vom Salzachtal kommend, führt die Gasteiner Straße (B 167) in nordsüdlicher Richtung bis Böckstein. Ebenfalls vom Salzachtal kommend verläuft die Tauernbahn durch das Tal, um bei Böckstein durch den Tauerntunnel Mallnitz im Seebachtal in Kärnten zu erreichen.

Geologie

Das Gasteinertal wurzelt im vergletscherten Alpenhauptkamm, den Hohen Tauern (Ankogelgruppe), von deren Seitenkämmen es flankiert wird. Entstanden ist es durch den einstigen Gasteiner Gletscher, dessen Fließrichtung durch den besonders harten Dolomit-Riegel bis zur Klamm abgedrängt wurde. Der sich langsam nach Norden bewegende Urgletscher füllte zur Zeit seines Höchststandes das ganze Tal aus. Seine Höhe betrug, vom der heutigen Talsohle aus gemessen, über 1 000 m ü. A.. Riesige erratische Blöcke aus dem Gestein der innersten Tauerngipfel bestehend, wurden bis zum Talausgang befördert und sind dort heute noch vereinzelt anzutreffen.

Geschichte

Hauptartikel Geschichte des Gasteinertales
Siehe auch Erwerb des Gasteinertales

Die erste urkundliche Erwähnung Gasteins datiert etwa aus dem Jahr 963 und lautete Gastuna. Nach einer (von mehreren) Thesen geht dieser Name auf indogermanische Sprachwurzeln zurück und bedeutet in etwa (nach F. Gruber) "gischtender Berg" oder (nach T. Lindner) „graubrauner Fluss“. Bewiesen im strengen Sinne des Wortes ist keine der beiden Bedeutungen.

Das Gasteinertal - früher und im Dialekt der einheimischen Bevölkerung teilweise heute noch gebräuchlich die Gastein - ist das größte Seitental der Salzach und wurde bereits in keltischer und römischer Zeit begangen und mit großer Wahrscheinlichkeit auch dünn besiedelt. Eine systematische Urbarmachung des Tales setzte jedoch erst im 9. Jahrhundert gemeinsam durch bajuwarische und karantanisch-frühsüdslawische Siedler ein. Das Tal gehörte einst dem Stammesgeschlecht der Sighardinger, und ab 1071 den Sighardinger-Abkömmlingen (nach Friedrich IV.) der Konrade, die unter dem Namen Peilsteiner besser bekannt sind. Nach dem Aussterben der Peilsteiner im Jahr 1218 kam Gastein an die Herzöge des Herzogtums Bayern. Diese verkauften am 10. März 1297 das damals Provincia Castuna benannte Gebiet an das Erzstift Salzburg. Nach der Säkularisierung des Erzstiftes kam das Gasteinertal als Teil des neu gebildeten Landes Salzburg zu Österreich.

Die Entwicklung des in sich abgeschlossenen Tales, das bis in das 20. Jahrhundert nur über Bergwege und eine schmale, erst 1534 angelegte Straße durch die Gasteiner Klamm zu erreichen war, wurde im Laufe der Geschichte vor allem durch die alpine Landwirtschaft, das Badewesen und den Bergbau (Gold und Silber) bestimmt. Die Entwicklung der Landwirtschaft lief parallel mit jener der umgebenden Tauerntäler und weist als einzige Besonderheit eine frühe extensive Vieh- und Weidewirtschaft auf, die bis in die höchsten Almregionen betrieben wurde und vom 12. Jahrhundert bis zum frühen 14. Jahrhundert ihren Höhepunkt durchlief. Der erste Hinweis auf die Nutzung der bekannten Gasteiner Heilquellen findet sich bereits in dem um das Jahr 1230 stammenden Badegedicht "Die Graserin in der Gastein", wahrscheinlich aus der Feder des für die mittelhochdeutsche Literatur bedeutsamen Dichters Neidhart von Reuental. Der älteste eindeutig gesicherte Hinweis auf eine medizinische Nutzung der Thermalquellen stammt aus dem Jahr 1350. Die gesicherte Nennung der Preimskirche zum Jahr 1333 lässt indirekt auf einen Badebetrieb schließen. 1492 stiftet Conrad Strochner ein 'Armenpad' bzw 'Badespital' und begründet die heute noch tätige Stiftung Kurtherme Badehospiz Bad Gastein.

Im Laufe der Geschichte und vor allem durch die Entwicklung zum Kur- und Badeort wurde das Gasteinertal von vielen berühmten Gästen besucht. Dazu gehören unter anderem Kaiser Friedrich III. im 15. Jahrhundert und der bekannte Arzt Paracelsus im 16. Jahrhundert. Die bekanntesten Gäste des 19. Jahrhunderts waren Kaiser Franz Joseph I., Kaiserin Elisabeth von Österreich, Kaiser Wilhelm I. von Deutschland und Fürst Otto von Bismarck. Kaiser Wilhelm absolvierte zwischen 1863 und 1887 insgesamt zwanzig Badekuren. Kaiserbegegnungen zwischen Kaiser Franz Joseph I. und Kaiser Wilhelm gab es in den Jahren 1879, 1881, 1885, 1886 und 1887.

Die ersten wesentlichen Impulse zur Entwicklung des modernen Alpinismus gab Erzherzog Johann von Österreich, dessen Initiative u. a. die hochalpine Schutzhütte am Gipfel des Gamskarkogels zu verdanken ist. Ein weiterer Markstein in der Geschichte Gasteins war 1904 der Nachweis von Radon, einem schwach radioaktiven Edelgas, im Gasteiner Thermalwasser durch den bekannten französischen Chemiker Pierre Curie. Mit Fertigstellung der Tauernbahn im Jahr 1909 begann allmählich das Einsetzen des Tourismus der sich bis Mitte der 1930er-Jahre vorwiegend noch auf die Sommermonate beschränkte. Von etwa 1865 bis 1975 entwickelt die klassische Gasteiner Kur eine Blütezeit.

Einen wesentlichen Impuls für den Wintertourismus stellte die Ski-WM Badgastein 1958 am Graukogel in Badgastein (damalige Schreibweise) dar. Ab diesem Zeitpunkt war das Gasteinertal auch als Zwei-Saisonen-Ort etabliert.

Ein Verleger der sich speziell auf das Gasteinertal spezialisiert hat ist Franz Hochwarter mit seinem Verlag.

Landschaft

Das Tal hat mit einer Fläche von 95,71 km² Anteil am Nationalpark Hohe Tauern. 43,6 km² sind als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen.

Gemeinden

Das Zentrum von Bad Gastein, einem der Hauptorte des Gasteinertals

Seit alters her war das Gasteinertal verwaltungsmäßig ein eigenständiges Pflegegericht und wurde erst mit der endgültigen Einrichtung der Bezirkshauptmannschaft St. Johann im Pongau im Jahr 1868 mit dem eigentlichen Pongau verbunden. Der Gerichtssprengel Gastein überdauerte bis in die Zeit der Zweiten Republik und wurde erst in den 1990er Jahren endgültig aufgelöst.

Die drei Gemeinden des Gasteinertals sind Bad Gastein, Bad Hofgastein und Dorfgastein. Daneben finden sich mehrere jeweils einem der drei Hauptorte angehörigen Ortsteile deren bekannteste aufgrund des Goldbergbaus sowie des Tauerntunnels der Bad Gasteiner Ortsteil Böckstein am südlichen Ende des Tales ist. Weitere bekannte Ortsteile sind Klammstein (Burg Klammstein) in Dorfgastein, Lafen (Snow Jazz Gastein) in Bad Hofgastein, Kötschachtal (Bad Gastein) (Hotel Grüner Baum) und Bad Bruck (Hotelanlagen, Golfplatz) in Bad Gastein.

Fremdenverkehr

Im Gasteinertal werden rund ein Zehntel der gesamten Nächtigungen im Salzburger Land generiert. 1,4 Millionen Nächtigungen entstehen im Winterhalbjahr, 1,1 Millionen im Sommerhalbjahr (Zahlen 2010). Vom 1. Mai bis 31. Oktober 2010 waren es 1 050 201 Nächtigungen, was einem Minus von 1,3 Prozent gegenüber 2009 (1 063 595 Nächtigungen) im Vergleichszeitraum ergibt. Dabei lagen jedoch die inländischen Übernachtungen mit 435 613 im leichten Plus von 0,3 Prozent[1].

2010 wurden im gesamten Gasteinertal 2,47 Millionen Nächtigungen gezählt. Mit 1,18 Millionen Übernachtungen liegt dabei Bad Gastein knapp vor Bad Hofgastein mit 1,10 Millionen. Die Gasteiner Bergbahnen AG investieren in mehreren Jahren (Stand Jänner 2011) rund 70 Millionen Euro in Aufstiegshilfen und Beschneiungsanlagen[2].

Fremdenverkehrsbetriebe im Gasteinertal (Auswahl)

Beherbergung

Freizeit

Weblinks

Literatur und Quellen

Fußnoten

  1. Salzburger Woche, Ausgabe Pongauer Nachrichten, 2. Dezember 2010
  2. Salzburger Nachrichten, 5. Februar 2011