Andreas Schlick

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Andreas „Andi“ Schlick (* 6. September 1944 in Taxenbach; † April 1972 am Manaslu[1]) war ein österreichischer Bergsteiger.

Leben

Der Bergführer aus Taxenbach hatte 1963 mit dem Bergsteigen begonnen und vollendete mehrere Erstbegehungen im Kaisergebirge, den Stubaier Alpen, sowie den Loferer und Leoganger Steinbergen. Zudem gelangen ihm die Nordwände von Ortler, Westlicher Zinne, Triolet, Piz-Roseg (erste Winterbegehung) und Liskamm (erste Winterbegehung). Zu seinen weiteren Erfolgen zählen die Torstein[2][3]-Südverschneidung, auf dem zweithöchsten Berg im Dachsteinmassiv[4], der Fleischbankpfeiler, die Laliderer-Nordverschneidung, der Tofanapfeiler und die Fahnenköpfl-Westwand (erste Winterbegehung). Zudem war er Teilnehmer der Pinzgauer Hindukusch-Expedition 1967 zur Buni-Zom-Gruppe.

1972 war er Teilnehmer der Tiroler Manaslu-Expedition unter Wolfgang Nairz, wobei Reinhold Messner die Erstbegehung der Manaslu-Südwand gelang. Bei dieser Unternehmung verschwand unter nicht geklärten Umständen der Bergführer Franz Jäger. Auf der Suche nach ihm verschwand auch Andreas Schlick unter seltsamen Umständen. Er soll während der Dunkelheit und inmitten eines heftigen Unwetters die schützende Schneehöhle auf etwa 7 400 m ü. A. verlassen haben, um nach Franz Jäger oder dem Zelt von Hochlager 4 zu suchen. Er wurde nie mehr gesehen. 1975 fanden spanische Bergsteiger zwei Leichen auf dem Gipfelplateau, die jedoch nicht identifiziert werden konnten.

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Ein Augenblick, den Franz Schlick nie mehr vergessen wird: Es war schon dunkel, als er von Taxenbach hinauf nach Hause zum Schellenberghof eilte. Zufahrtsstraße gab es damals noch keine. Der Schlosserlehrling ging in die Stube, seine Eltern schliefen schon. Auf dem Tisch lag ein Telegramm aus Katmandu: "Andi tat alles für seinen Kameraden. Er kommt nie mehr zurück."

Es war das Frühjahr 1972. Sein Bruder, der junge, hoffnungsvolle Bergsteiger, war also tot. "Wir hatten schon 14 Tage lang ein ungutes Gefühl, weil wir nichts mehr von der Expedition gehört hatten", erinnert sich Franz Schlick, der den elterlichen Hof seit Jahrzehnten betreibt. Was genau damals vor 50 Jahren passiert ist, erfuhr die Pinzgauer Familie dann Wochen später, als Expeditionsleiter Wolfgang Nairz und Reinhold Messner bei einem Besuch auf dem Schellenberghof über die Katastrophe berichteten.

Die Tiroler Expedition brach im Frühjahr 1972 auf, um den 8 163 m ü. A. hohen Manaslu erstmals über die Südwestflanke zu besteigen. Mit dabei: die Salzburger Alpinisten und Freunde Andi Schlick (27) aus Taxenbach und Hans Hofer (29) aus Bramberg am Wildkogel.

Den ersten Gipfelversuch starteten Reinhold Messner und Franz Jäger am 25. April bei strahlendem Wetter von Lager IV aus. Nach stundenlangem Aufstieg fasste Jäger den Entschluss, zum Hochlager zurückzugehen. In seinem Buch "Sturm am Manaslu" (erschienen im Verlag Malik) schreibt Reinhold Messner, dass Franz Jäger nicht mehr daran glaubte, den Gipfel an diesem Tag noch zu erreichen. Und biwakieren wollte er nicht. Messner ging allein weiter und schaffte es bis zum Gipfel. Inzwischen hatte das Wetter umgeschlagen, orkanartiger Sturm und Nebel machten den Abstieg für ihn zum Überlebenskampf. "Ich wusste, ich war auf dem Plateau, aber ich konnte das Zelt nicht finden."

Der Bergsteiger schreibt, dass er plötzlich seinen Namen rufen hörte. Immer wieder und wieder. "Franz will mich zum Zelt lotsen", schießt es Messner in den Kopf. Aber er kann die Stimme nicht orten. Nach stundenlangem Herumirren aber steht das Lager urplötzlich vor ihm. Dort aber ist Franz Jäger nie eingetroffen, sondern hocken Horst Fankhauser und Andi Schlick, die von Lager III zu Hilfe geeilt waren. Messner wird versorgt, dann machen sich die beiden auf, ihren Kameraden zu suchen. Auch sie hören Franz Jäger rufen, können ihn aber nicht finden. Der Sturm wird immer extremer, jetzt hören sie nichts mehr. Weil die Nacht hereinbricht, graben sie sich ein Schneeloch, um bis zum Morgen zu biwakieren.

Was dann geschehen ist, schildert Horst Fankhauser später so: Andi Schlick wollte unbedingt zurück ins Lager IV. Er habe versucht, ihn zu überzeugen, dass dies jetzt zu gefährlich sei: "Andi war äußerst schwach, unterkühlt und apathisch", zitiert Reinhold Messner Fankhauser in seinem Buch. Er wolle nach dem Wetter sehen, rafft sich Andi Schlick nach rund zwei Stunden auf, kriecht aus dem Schneeloch - und kehrt nie mehr zurück. In beklemmender Sorge schreit Fankhauser nach nur wenigen Minuten nach seinem Kameraden. Unaufhörlich, so laut er kann. Fankhauser: "Ich war nahe daran, den Verstand zu verlieren." Den Rest der Nacht kämpft der Alpinist um sein Leben. Am Morgen sucht er nach einem Lebenszeichen von Andi Schlick. Nichts. Nicht die geringste Spur seines Begleiters.

Auch seine letzte Hoffnung, Andi hätte vielleicht doch das Zelt erreicht, erfüllt sich nicht. Stundenlang suchen Messner und Fankhauser noch einmal nach ihren Freunden - aber sie bleiben verschwunden. Die Katastrophe war geschehen: zwei tote österreichische Bergsteiger - und sie konnten nie geborgen werden.

Zu Hause in der Heimat trauerte die schwangere Frau von Andi Schlick. Freund Hans Hofer nahm sich der Witwe an. Die beiden heirateten. Nach wenigen Jahren folgte der zweite Schicksalsschlag: Hofer, Alpingendarm, verunglückte 1981 bei einem Einsatz tödlich, als er in einem Hubschrauber saß, der in ein Seil flog.

Trivia

Bei der Verfilmung der Frêney-Tragödie unter dem Titel "Der Blitz – Inferno am Montblanc" übernahm Schlick die Rolle von Walter Bonatti. Die Fertigstellung des Filmes erlebte er jedoch nicht mehr.

Quellen

Fußnoten

  1. in Nepal, ist einer der vierzehn Achttausender, mit einer Höhe von 8 163 m ü. A. ist er der achthöchste Berg der Erde.
  2. siehe Ennstalwiki → enns:Torstein
  3. Verlinkung(en) mit "enns:" beginnend führ(t)en zu Artikeln, meist mit mehreren Bildern, im EnnstalWiki, einem Schwesternwiki des Salzburgwikis
  4. siehe Ennstalwiki → enns:Dachsteinmassiv