Karfreitagsratschen

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Ministranten beim Karfreitagsratschen in Thalgau (Bild v. 2.4.2010)
Karfreitags-Kleppern in Thalgau
Georg Wieser bei der Kleppererzeugung
Ratschenbuam im Jahr 1937.

Die Karfreitagsratschen treten am Karfreitag und Karsamstag als Ersatz für die verstummenden Kirchenglocken auf. Im Herbst 2015 wurde der Brauch in die Liste der immateriellen UNESCO Kulturerbe aufgenommen[1].

Der Brauch

Am Gründonnerstag läuten die Kirchenglocken zum letzten Mal, bevor sie (der Legende nach) zur Erinnerung an das Leiden des Herrn verstummen und nach Rom fliegen. Als Ersatz für die Glocken werden die Ratschen eingesetzt. Es gibt Handratschen, in Mariapfarr gibt es eine Turmratsche gleich mit vier Kurbeln, ebenso in St. Martin bei Lofer. Die Turmratsche in Rauris befinden sich sogar drei solcher Kastenratschen im Turm. Um diese zu bedienen braucht es zwei Ministranten. Einer setzt sich auf die Kastenratsche, damit diese nicht wegrutscht und der zweite kurbelt. In Großarl gibt es "Ratschenmädls". In St. Johann im Pongau und in Neukirchen am Großvenediger wurde das Ratschengehen 2016 wieder ins Leben gerufen.

Aber die "Ratschen-Hochburgen" befinden sich im Lungau. So sind die Buben in Ramingstein Frühaufsteher, weil ihr "Tagläutenratschen" bereits um 04 Uhr in der Früh beginnt. In Mauterndorf ist der Brauch nach wie vor besonders regelmentiert. Da hat der "Altmoasta" (der Dienstälteste) das Sagen. Die Zweiergruppen wechseln jedes Jahr die Gebiete, weil es durchaus unterschiedliche Spendergebnisse in den Ortsteilen gibt.

In manchen Gegenden wie im nordöstlichen Flachgau oder in den angrenzenden Hausruckviertel ist es auch ein Heischebrauch. Da ziehen die Ministranten mit den Ratschen von Hof zu Hof. Der Lärm soll die Bauersleute aus dem Haus rufen. Mit dem Spruch "Die Ministranten bitten um d'Osteroa" bitten die Ratscher um eine kleine Gabe, hernach wird wieder geratscht.

Herkunft

In den Begriffen "Pumpermette" (für einen Gottesdienst, in dem es besonders rumort wurde) und "Judaskarre" (so bezeichnet man eine Schubkarrenratsche) liegen die Wurzeln des Brauchs. In der Messe am Mittwoch in der Karwoche wird im Evangelium vom Verrat Judas gelesen. Die Gegenreformation entdeckte dann eine besondere Liebe zu Riten und die Gottesdienstbesucher trommelten auf die Kirchenbänke. Damit wollten sie ihre Empörung über den Verrat des Judas ausdrücken. In Laufen an der Salzach, das zur Zeit des Fürsterzbistums zu Salzburg gehörte erlaubten die Jesuiten den Schülern "mit Rumpelfässern und Lärminstrumenten im Dorf den Verrat des Judas kundzutun und den Aufruhr der Elemente beim Tod Jesu nachzuvollziehen".

Kleppern heißt es in Thalgau

Die Ratschenbräuche sind in den Pfarren etwas unterschiedlich. In Thalgau ist dafür der Ausdruck "Kleppern" geläufig. Die Kleppergruppe ist Karfreitag und Karsamstag um 06 Uhr früh, um 11 Uhr vormittags (nur um die Kirche herum) und um 12 Uhr mittags in Aktion, wobei der etwas abseits befindliche Pfarrhof als Ziel gilt. Von dort kehrt die Gruppe auf einer anderen Wegroute wieder zur Kirche zurück. Der Klepperauftritt erfordert stets alljährlich zuvor einige Übungszusammenkünfte.

Aufbau der Klepper

Die Klepper besteht aus einem kleinen und dünnen Hartholzbrettbrett mit Haltegriff, auf dem darüber beweglich gelagerte kleine Holzhämmer durch Auf- und Abbewegen auf das Brett klopfen, wodurch ein lautes Schlaggeräusch entsteht. Die Klepper werden in Thalgau von einem einheimischen Wagner erzeugt. Das Holz bezieht er von Bauern in der Umgebung von Thalgau. Die Holzqualität spielt bei der Ratschenerzeugung eine wesentliche Rolle, damit sich das Holz nicht verzieht und die freie Beweglichkeit der KLepperhämmer gewährleistet ist. Pro Klepper beträgt die Erzeugungsdauer einige Tage, weil dazu unzählige Arbeitsschritte notwendig sind.

Die örtliche Pfarre ist ein wesentlicher Klepperabnehmer, weil die Ministranten mit Ratschen für die Karwoche ausgestattet werden.

Bilder

 Karfreitagsratschen – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Weblink

Quellen

Einzelnachweis

  1. Salzburger Nachrichten, 29. September 2015