Michaela Petz-Michez

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Michaela Petz-Michez (* 18. Dezember 1973 in Zell am See) ist Leiterin des Salzburger Landes-Europabüros und des Salzburger Verbindungsbüros zur EU in Brüssel (EU-Verbindungsbüro).

Leben

Petz-Michez absolvierte

  • folgende Ausbildungen:
    • Studium der Romanistik (Französisch, Italienisch);
    • Internationale Beziehungen;
    • Master in European Union Studies mit Schwerpunkt Europarecht, Brüssel;
    • International Executive Master in Business Administration (MBA) in Public Management, Salzburg Management School – Business School;
  • folgende Berufstätigkeiten:
    • 2000: Kommission der Europäischen Gemeinschaften;
    • 2001: European Affairs Officer, EU-Beratungsbüro in Brüssel;
    • 2003 – 2004: Leiterin des Europabüros des Österreichischen Gemeindebundes in der Ständigen Vertretung Österreichs bei der EU in Brüssel;
    • seit 2004: Leiterin des Salzburger Verbindungsbüros zur EU in Brüssel;
    • seit 2010: Fachabteilungsleiterin a.i. des Salzburger Landes-Europabüros;
  • folgende weitere Tätigkeiten:
    • Referentin für Europarecht an der Salzburger Verwaltungsakademie (SVAK);
    • Expertin für Lobby- und Überwachungsarbeit für lokale und regionale Interessen, insbesondere Verkehr, Umwelt, Landwirtschaft, Gesundheit, Regionalpolitik, EU-Förderungen.

Porträt 1

„Ich lebe Europa auch privat“
Die Salzburgerin Michaela Petz-Michez fand in Brüssel ihre zweite Heimat.

Seit zehn Jahren leitet die Pinzgauerin Michaela Petz-Michez das Salzburger Verbindungsbüro in Brüssel. Über den Weg läuft man ihr in der EU-Hauptstadt aber meist anderswo: Im EU-Parlament, wo sie ein Treffen mit einem Abgeordneten hat. Bei einem Empfang, wo die Österreicher in Brüssel sich vernetzen, oder im Pressezentrum, wo sie gerade von einem Interview für Radio Salzburg kommt.

Einen typischen Arbeitstag kann die 40-Jährige nicht beschreiben. „Da geht es mir wie den meisten, die in Brüssel arbeiten: Ich kann meinen Tag kaum planen.“ Ihr Terminkalender richtet sich nach den Tagesthemen, wie beim Streit um den Fluglärm am Salzburger Flughafen. Da gilt es, rasch den Stand der Dinge zu erfahren und Szenarien, wie sich die Situation entwickeln kann, nach Salzburg zu kommunizieren. „Ich war in Kontakt mit dem Verkehrsattaché in der österreichischen Botschaft und mit der Kommission“, erzählt Petz-Michez.

Dabei ist kulturelle Kompetenz gefragt. Italiener oder Franzosen würden in Verhandlungen anders ticken als Deutsche. „Wer in Brüssel arbeitet, muss die Fähigkeit haben, sich in ein multikulturelles Umfeld zu integrieren.“

Das fällt der Pinzgauerin aus Zell am See nicht schwer. Sie ging nach der Matura als Au-Pair nach Brüssel und studierte auch in der EU-Hauptstadt. Neben Englisch und Französisch spricht sie fließend Italienisch – ihr Ehemann hat belgisch-italienische Wurzeln. „Wir feiern Weihnachten abwechselnd in Brüssel, in Italien und im Pinzgau. Ich lebe Europa also auch privat.“

Eine stetige Reise, auf der Petz-Michez das Beste aus beiden Welten genießt. „Ich empfinde Brüssel als irrsinnig offene Stadt, man findet schnell Anschluss. Mit Salzburg oder Wien kann man es von der Schönheit der Gebäude her aber nicht vergleichen.“ Vor allem geht der Salzburgerin aber die Natur ab. „Die Schönheit der Landschaften und die Berge vermisse ich am meisten.“ Ein Ersatz sind in Belgien die Ausflüge ans Meer oder in die Ardennen, „da kann man regenerieren“.

Regeneration ist wichtig in diesem Beruf. Die Arbeit in Brüssel gleiche einem Dauerlauf, sagt die Auslandsösterreicherin. Das liegt auch daran, dass die Arbeit der Verbindungsbüros immer wichtiger wird. „Die Regionen sind die Zukunft Europas“, ist Petz-Michez überzeugt. Gibt es einen neuen Gesetzesvorschlag der Kommission, muss geprüft werden, welche Auswirkungen er auf Salzburg hat. Das Verbindungsbüro hat seine Ohren immer an der Kommission, um möglichst bald von Plänen zu wissen und intervenieren zu können.

Wie es in der Kommission abläuft, weiß Petz-Michez aus Erfahrung, sie hat dort ein Praktikum absolviert. Heute arbeitet sie selbst im Verbindungsbüro mit Praktikanten zusammen. Ein Student oder eine Studentin aus Salzburg ist immer im Einsatz. Die Nachfrage ist groß, für 2015 sind bereits alle Plätze vergeben.

Offen steht das Verbindungsbüro auch jenen Salzburgern, die mit einer Gruppe nach Brüssel kommen. Rund 500 Besucher gibt es im Jahr – Schüler und Studenten, aber auch Besucher aus der Salzburger Wirtschafts- oder Arbeiterkammer. Sie werden in der Organisation unterstützt, wenn Treffen mit Parlamentariern oder der Kommission gewünscht sind. „Reisebüro sind wir aber keines“, sagt Petz-Michez mit einem Augenzwinkern.

Porträt 2

Eine begeisterte Europäerin blickt kritisch auf die EU
Michaela Petz-Michez ist das freundliche Gesicht Salzburgs in Brüssel. Ihr Urteil über die EU fällt derzeit allerdings eher negativ aus.

Wenn Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer junior nach Brüssel kommt, holt ihn Michaela Petz-Michez, Leiterin der Salzburger Vertretung in der EU-Hauptstadt, natürlich vom Flughafen ab. Sie hat Termine mit den Kommissaren Günther Oettinger und Jyrki Katainen fixiert, eine Veranstaltung mit hochrangigen Kommissionsvertretern organisiert und die Journalisten an die Pressekonferenz erinnert, die Haslauer gibt.

Die gebürtige Zellerin ist mehr als das ausgesprochen freundliche Gesicht Salzburgs in Brüssel. Sie hat im Land Salzburg ein eigenes Europa-Büro, sie unterrichtet an der Verwaltungsakademie Europarecht - und sie ist eine der Österreicherinnen mit der längsten EU-Erfahrung in Brüssel. Petz-Michez ist gleich nach der Matura nach Brüssel gegangen, als fille-au-pair, das heißt: als Kindermädchen. Auf den Kulturschock folgte die Begeisterung; und als es im Zuge der Beitrittsverhandlungen plötzlich möglich war, beschloss sie, dort zu studieren. Nach Romanistik hat sie an der Université Libre de Bruxelles noch einen Master in Europarecht gemacht. Der wallonische CETA-Rebell Paul Magnette ("der Schwarm aller Studentinnen") war einer ihrer Lehrer. Nach einem Praktikum in der EU-Kommission arbeitete sie in der Ständigen Vertretung und leitete dort das Büro des Gemeindebundes, bis sie 2004 die Salzburg-Vertretung in Brüssel übernahm. Rein gemessen in Jahren ist sie mehr Belgierin als Salzburgerin.

Ursprünglich wollte sie im Außenministerium arbeiten, jedenfalls aber im Ausland für Österreich, erzählt sie beim Frühstück im "Pain Quotidien" auf halber Strecke zwischen ihrem Büro und den EU-Institutionen. Die belgische Bäckerei-Café-Kette ist mit ihren Gemeinschaftstischen und traditionellem Brot berühmt geworden.

Petz-Michez "liebt Brüssel bis heute", auch wenn sie zur Regeneration immer noch die Berge und den Wald braucht. Sie ist mit einem Belgier verheiratet und "lebt europäisch". Die Mutter ihres Mannes kommt aus Sizilien, sein Vater aber aus Ostende - was im Ergebnis nicht immer einfach sei, sagt die Pinzgauerin. Vor allem bei der Erziehung der siebenjährigen Tochter reiben sich italienisches Laissez-faire und österreichische Prinzipientreue manchmal.

"Die EU ist in einer demokratisch-existenziellen Krise", sagt sie, "überall spürt man die depressive Stimmung." Das Fatale daran: Die EU-Beamten arbeiten trotzdem an ihren Dossiers weiter, unabhängig von den großen Problemen. So erklärt sie sich auch, wie Entscheidungen wie die 30-Millionen-Euro-Strafe wegen falscher Budgetzahlen aus Salzburg zustande kommen - die in der Heimat als total ungerecht empfunden werde.

Einer Schülergruppe, die dieser Tage in Brüssel war, habe sie erstmals gesagt, es gebe kaum etwas Positives zu berichten, erzählt sie - fast erstaunt über sich selbst. "Ich bin nach wie vor glühende Europäerin, weil das die Garantie für Frieden, Solidarität und Demokratie ist. Aber ich habe derzeit das Gefühl: Die EU zerstört sich von innen."

Quellen

Weblinks

Zeitfolge
Vorgänger

Andreas Kiefer

Leiterin des Landes-Europabüros
seit 2015
Nachfolger


Zeitfolge
Vorgängerin

Gritlind Kettl

Leiterin des Salzburger Verbindungsbüros zur EU in Brüssel
seit 2004
Nachfolger