Rennrodel-Europameisterschaften 1938

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Die 7. Rennrodel-Europameisterschaften fanden 29. und 30. Jänner 1938 am Salzburger Stadtberg, dem Gaisberg statt.

Die Veranstaltung

In den Tagen vor der Veranstaltung herrschten warme Temperaturen, die die geplante Piste von der Judenbergalm nach Aigen unbrauchbar werden ließen. Rodelverbandspräsident und Organisationschef Franz Straßer, Gemeindesekretär der Gemeinde Aigen, fand eine neue Strecke in höherer Region. Sie führte von der Gaisbergspitze zur Zistelalpe, wo sich das Ziel nahe des Segelflug-Hangar befand. Die etwa 1 600 m lange Rodelbahn verlief entlang der Trasse der ehemaligen Gaisbergbahn. Die ersten 600 Meter hatten ein Gefälle von zwölf Prozent. Nach der Unterführung des Gaisbergstraßen-Viadukts in einer vier Meter hohen Eiskurve betrug das Gefälle 18 bis 25 Prozent. Knapp vor dem Ziel führte die Strecke noch in eine hoch ausgebaute S-Kurve. In diesem Steilstück wurden bis zu 100 km/h erreicht. Bretterwände wurden in den freiliegenden Kurven aufgebaut, um die Bahn gegen starke Sonneneinstrahlung zu schützen.

Aber das Wetter kam anders. Wintergewitter, Schnee, Eishagel und Regen fegten über den Gaisberg. Diese Bedingungen schienen ideal für die damals überlegenen Deutschen aus dem Riesengebirge und Niederschlesien gewesen zu sein. Mit allen neun zu gewinnenden Medaillen fuhren sie der Konkurrenz auf und davon.

Da es vier Läufe gab, waren die verschiedenartigen Bahn- und Witterungsverhältnisse auf die Fahrer ziemlich gerecht verteilt.

Ergebnisse

Männer Einsitzer

  • Gold: Martin Tietze, Deutsches Reich (NS-Zeit)
  • Silber: Walter Kluge, Deutsches Reich (NS-Zeit)
  • Bronze: Rudolf Hermann, Tschechoslowakei
  • 9.: Paul Aste, Matrei am Brenner
  • 17.: Rudolf Gugganig, Badgastein (mehrfacher österreichischer Meister)

Der Tiroler Meister Paul Aste lag nach zwei Läufe an zweiter Stelle hinter dem späteren Sieger Martin Tietze. Im dritten Lauf kam er dann aber im 100-Kilometer-Tempo knapp vor der Schlusskurve zu Sturz.

Männer Doppelsitzer

  • Gold: Feist, Kluge, Deutsches Reich
  • 7.: Hermann Hoznar, Rudolf Zauner, Salzburg
  • 9.: Rudolf und Hans Gugganig, Badgastein

Frauen Frauen Einsitzer

  • Gold: Friedl Tietze, Deutsches Reich
  • 5.: Ilse Lantschner aus der berühmten Innsbrucker Wintersportfamilie war beste Österreicherin
  • 6.: Hilde Lache (österreichische Staatsmeisterin)

Die schnellste Zeit in diesem Bewerb fuhr die 17-jährige Gymnasiastin Waltraud Graßl (Reichenberg, Schlesien) mit 1:50,6 min. Sie lag bis zum vierten Lauf an der Spitze. Sie war bereits als Siegerin ausgerufen worden, als sie in ihrem letzten Lauf nach Überwindung der größten Schwierigkeiten in wirklich verwegener Fahrt schließlich, kaum 50 Meter vor dem Ziel, zu Sturz kam und den Titel Friedl Tietze überlassen musste.

Notizen

Friedl Tietze war die Schwescher von Martin Tietze, der in Salzburg zum vierten Mal Rennrodel-Europameister wurde. Mit 61 km/h fuhr die schnellste Durchschnittsgeschwindigkeit.

Rudolf Gugganig reichte bei der abendlichen Siegerehrung im Hotel Bristol seinen Preis, einen Geschenkkorb, an seinen Salzburger Kollegen Hans Pittertschatscher weiter, der sich im Doppelsitzer-Bewerb bei einem Sturz das Bein gebrochen hatte.

Finanziell war die Europameisterschaft für den Veranstalter ein Fiasko. Er wollte 50 Groschen Eintrittspreis verlangen. Jedoch ließ das schlechte Wetter die meisten Fans zu Hause bleiben.

Geschichte zur Europameisterschaft

Die Salzburger Europameisterschaft war die siebte ihrer Ar: 1914: Reichenberg, 1928: Schreiberhau (Szklarska Poręba, Polen, damals Niederschlesien), 1929: Semmering, 1929: Ilmenau (Thüringen), 1935: Krynica (Krynica-Zdrój, Polen) und 1937 in Oslo, Norwegen mit insgesamt 17 Europameistertitel; von den 17 Meistern der erste sechs Veranstaltungen waren zwölf in Salzburg am Start.

Quellen