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Anton Brugger

Stolperstein für Anton Brugger an der Ecke Josef-Schwer-Gasse Nr. 8/Eniglstraße Nr. 4

Anton Brugger (* 9. April 1911 Kaprun; † 3. Februar 1943 NS-Hinrichtungsstätte im Zuchthaus Brandenburg-Görden, Deutschland), Pazifist und Kriegsdienstverweigerer aus Glaubensgründen, wurde wie Franz Jägerstätter in der NS-Zeit hingerichtet.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Anton Brugger war das einzige Kind seiner Eltern und stammte aus ärmlichen Verhältnissen. Sein Vater war Bergmann, seine Mutter Taglöhnerin. Er wurde von seiner Mutter religiös und zwar nach katholischer Tradition erzogen.

Religiöse Entwicklung

Anton Brugger, der ein sensibler und für Glaubensdinge empfänglicher Mensch war, kam in den 1920er Jahren mit Reformadventisten in Kontakt. Es besteht die Vermutung, dass er im Jahr 1924 mittels Glaubenstaufe in die von Kärnten aus aktive Religionsgemeinschaft aufgenommen wurde. (Anm.: Die Reformadventisten bestehen als Glaubensgemeinschaft seit dem Ersten Weltkrieg, als sie sich wegen ihrer grundsätzlichen Ablehnung des Wehrdienstes von ihrer Mutterkirche der Siebenten-Tags-Adventisten getrennt haben.)

Beruflicher Werdegang

Anton Brugger lernte in Wien Zuckerbäcker, war vorübergehend arbeitslos und gelegentlich als Straßenhilfsarbeiter tätig. Von 1934 bis 1937 vertrieb er als Kolporteur adventistische Bücher.

Flucht, Deportation und Haft

Um der Einberufung in die Deutsche Wehrmacht zu entgehen, floh Brugger nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland nach Italien, wo er aber 1940 festgenommen und nach Österreich deportiert wurde. Im März 1941 wurde er wegen seiner >wehrfeindlichen Haltung< von einem Salzburger Sondergericht zu zwei Jahren Haft verurteilt. Diese verbüßte er im Lager Dieburg bei Darmstadt.

Wehrdienstverweigerung, Todesurteil und Hinrichtung

Nach Haftende erhielt Brugger erneut einen Einberufungsbefehl. Er verweigerte daraufhin den Wehrdienst unter ausdrücklicher Betonung, dass er aus Gewissensgründen keine Waffe in die Hand nehmen könne. Er zielte damit nicht auf eine Änderung der politischen Ordnung ab, sondern verweigerte den Dienst mit der Waffe als >Zeichen des Advents<, des bevorstehenden >Friedensreiches<, das nach seinem reformadventistischen Glauben die Welt grundlegend verändern werde.

Das hatte zur Folge, dass Anton Brugger erneut verhaftet und wegen >Zersetzung der Wehrkraft< am 5. Jänner 1943 vom Reichskriegsgericht Berlin zum Tod verurteilt wurde.

Anton Brugger wurde am 3. Februar 1943 in Brandenburg-Görden hingerichtet. Am selben Ort, an dem einige Monate später auch Franz Jägerstätter von den NS-Schergen wegen des gleichen Deliktes ermordet wurde. Während aber Jägerstätter heute ein weithin bekanntes Opfer des nationalsozialistischen Unrechtsstaates ist, wurde Bruggers Schicksal bisher kaum wahrgenommen. Lediglich die Stadt Brandenburg ehrte im Jahr 1947 sein Andenken durch die Errichtung eines Ehrenmales mit der namentlichen Beisetzung seiner Urne.

Zum Andenken an Anton Brugger wurde am 19. April 2013 an der Ecke Josef-Schwer-Gasse Nr. 8/Eniglstraße Nr. 4 ein Stolperstein verlegt.

Nachruf

Anton Brugger war als konsequenter Pazifist kein typischer Repräsentant seiner Glaubensgemeinschaft. Er zählt zur kleinen Gruppe der adventistischen und freikirchlichen Kriegsdienstverweigerer, die während des Nationalsozialismus ihre auf religiöser Basis gründende Überzeugung konsequent mit dem eigenen Leben bezahlten.

Quellen

  • Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Verlag Traugott Bautz, Band XVI, (1999), Spalten 246-248 Autor: Daniel Heinz

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