Christian von Aicholt

Aus Salzburgwiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Christian Graf von Aicholt (* 1754; † 1838) war von 1807 bis 1809 provisorischer Regierungspräsident von Salzburg[1] [2] [3], das von 1806 bis 1809 erstmals zu Österreich gehörte[4].

Leben

Christian Graf von Aicholt, der aus österreichisch-kärntnerischem Adel stammte[5], war gewiss schon zuvor im österreichischen Staatsdienst (wohl in Linz[6]) gestanden.

Leiter der Salzburger Landesregierung

Graf Aicholt fungierte vom 3. Juli 1807 bis zum April 1809 als „einstweiliger Präsidiumsverweser“ der Salzburger Landesregierung (dabei nahm er den ersten Rang unter den vier Regierungsräten der fünfköpfigen Landesregierung ein, in der die Stelle des Präsidenten unbesetzt gelassen war).

Ihm standen drei "wirkliche Regierungsräte" zur Seite:

Nach Felners Schilderung war Aicholt ein "schlichter, einfacher Mann", der alle Etikette, allen Prunk vermied, aber auch ein selten kalter Charakter, auf dessen Herz keine Träne wirkte.

Er war ein engagierter Bürokrat, nach der von Josef Felner gegebenen Beschreibung "ein wahrer Actenwurm", dessen größtes Vergnügen es war, Fehler in den Rechnungen der Buchhalterei aufzuspüren. Er hatte auch eine eiserne Ausdauer im Arbeiten. Mitternachts saß er noch an seinem Schreibtisch und holte Konzepte nach. Er führte eigenhändig die Protokolle von Kommissionen, über die er präsidierte (z. B. Kommission für die Entschädigung der Erbausfergen). Hingegen hatte er, laut Felner, nicht den Mut, eine eigene Meinung zu haben und schnelle Entschlüsse zu fassen.

Zwischen dem 5. und 22. Oktober 1807 besuchte der österreichische Kaiser Franz I. die Stadt Salzburg und ihre Umgebung; am 6. Oktober visitierte er in Begleitung hoher Offiziere und des Grafen von Aicholt die Festung Hohensalzburg.[1] Der Besuch des Kaisers gab auch Anlass zu mehreren Staatskonferenzen, an denen die Regierungsräte teilnahmen[7].

1809 erklärte Österreich Frankreich den Krieg. Teil des Kriegsplanes war ein Aufstand der Tiroler, die seit 1805 zu dem mit Frankreich verbündeten Bayern gehörten. Salzburg war der westlichste Vorposten Österreichs, und Graf Aicholt spielte eine Rolle bei der Konspiration zwischen Österreich und Tirol. Schon Ende April 1809 besetzte eine französisch-bayrische Armee Salzburg; Graf Aicholt, der die Rache des Feindes fürchten musste, hatte rechtzeitig das Weite gesucht.

Spätere Laufbahn

Dem Kaiser diente Christian Graf von Aicholt danach

  • von 1810 bis 1815 in Linz:[8]
    • 1810 als Präsident der obderennsischen Landrechte,
    • 1810 bis 1812 als provisorischer Leiter der obderennsischen Landesverwaltung,
    • 1812 bis 1815 als Präsident der obderennsischen Landesregierung,
  • 1815 bis 1822 in Graz als Gouverneur von Innerösterreich (Präsident des steiermärkisch-kärntnerischen Guberniums)[9].

1822 erhielt er die aus Gesundheitsgründen erbetene Versetzung in den Ruhestand unter gleichzeitiger Verleihung des Kommandeurkreuzes des St.-Stephans-Ordens[10], woraufhin er noch einige Jahre in Klagenfurt lebte[11].

Quellen

  • zum Abschnitt "Leiter der Salzburger Landesregierung":
    • Hanna Hintner: Joseph Philipp Felner (1769-1850) als Staatsmann, Historiker und Mensch, Phil. Diss., Wien 1967. S. 146 ff.
    • Franz Ortner: Zwischen Habsburg und Wittelsbach - Säkularisation und Franzosenkriege, in: Dopsch, Heinz; Spatzenegger, Hans (Hrsg.): Geschichte Salzburgs, Stadt und Land, Band II, 2. Teil. Verlag Anton Pustet Salzburg 1988; ISBN 3-7025-0243-2. S. 587 ff (596 f).

Fußnoten

  1. 1,0 1,1 Salzburgwiki: Staatsbesuche, 1807.
  2. Geo Rulers Atlas Words / Repubblica d'Austria / Salisburgo.
  3. Die Quellen nennen zumeist den Vornamen des Grafen nicht. Ein „Circulare an sämmtliche Pfleg=Stadt= und Langerichte, dann geistl. und weltliche Kirchenadministrationen und Verwaltungen. Vordrucke für Urbars=Schuld= und Hypothekenbriefe und Gutmachscheine zur Abkürzung der Arbeit. Herausgegeben von Christian Graf von Aicholt, Hofrath und Joseph Felner, Reg.Rath.“, Salzburg, 1.1. 1809,ermöglicht es aber, ihn mit dem kaiserlichen Beamten Christian Graf von Aicholt (1754 – 1838) zu identifizieren.
  4. Erst mit dem Staatsvertrag zwischen Bayern und Österreich, geschlossen in München am 14. April 1816, kam das Land (genauer: Herzogtum) Salzburg endgültig zu (genau: dem Kaisertum) Österreich.
  5. Vgl. Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon. Leipzig. F. Voigt's Buchhandlung, 1859-1870. S. 33; Franz Gräffer, Johann J. Czikann: Oesterreichische National-Encyklopädie, oder alphabetische Darlegung der wissenswürdigsten Eigenthümlichkeiten des österreichischen Kaiserthumes ... Band I, Wien 1835, S. 33.
  6. Wallner/Dox (Franzosen und Russen im Herbst 1805 in Oberösterreich. Oberösterreichische Heimatblätter, Jg. 17 (1963) Heft 1/2 S. 11)erwähnen einen in Linz (wohl bei der Landesregierung) tätigen Grafen von Aicholt.
  7. Ortner aaO 600
  8. Siegfried Haider: Geschichte Oberösterreichs (1987) S. 232.
  9. Wikipedia-Artikel „Liste der Landeshauptleute von Kärnten“ unter Berufung auf Evelyne Webernig: Der Landeshauptmann von Kärnten. Ein historisch-politischer Überblick. Verlag des Kärntner Landesarchivs, Klagenfurt 1987, ISBN 3-900531-18-8.
  10. Benedikt Pillwein: Beschreibung der Provinzial-Hauptstadt Linz und ihrer nächsten Umgebung. Linz 1824. S. 41.
  11. Vgl. Gräffer/Czikann (wie obige Fußnote).

Weblinks