Erbausfergenamt

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Das Erbausfergenamt war ein bis 1806 bestehendes adeliges Erbamt des Fürsterzbistums Salzburg.

Name

Ferg oder Ferge nannte sich in alter Zeit der Führer eines Schiffes, eines Floßes oder einer Fähre.

Arten

Im Salzburgischen wurde im Mittelalter ab dem 10. Jahrhundert zuerst unterschieden zwischen

  • den Ausfergen, die auf der Salzach das Halleiner Salz von Hallein nach Laufen an der Salzach brachten, und
  • den Naufergen, die das Salz von Laufen weiter stromabwärts bis nach Passau in den "Tümpfel" (Mündung des Inns in die Donau) schifften. Auch die Bootsführer von Passau den Donaustrom weiter abwärts auf der "Naufahrt" (auch Hallfahrt) nannten sich Naufergen.

Erbausfergen und Schiffsherren

Entstehung

Die Ausfuhr des Halleiner Salzes zu Wasser durfte seit alters nur mit fürsterzbischöflich salzburgischen Schiffen erfolgen.

Dieses Recht machten sich schon früh die Bürger der Stadt Laufen zu Nutzen, und man unterschied schon im 10. Jahrhundert zweierlei Berufe, die sich mit der Salzausfuhr beschäftigten, nämlich die adeligen Schiffsherren einerseits und die bürgerlichen Ausfergen anderseits; die einen waren Eigentümer der Schiffe, die anderen führten sie von Hallein nach Laufen.

Die Zahl der Schiffsherren beschränkte Erzbischof Wladislaus im Jahr 1267 auf 27; von diesen durfte jeder nur zwei große Schiffe und ein kleines haben und sein Schiffrecht nur auf den ältesten Sohn vererben. Die Erbausfergen, die auf den Schiffen der Schiffsherren das Salz auszuführen berechtigt waren, waren 40 Bürger von Laufen. Näheres war in einer ausführlichen Satzung des Erzbischofs Friedrich II. vom Jahr 1278 geregelt.

Vom Jahr 1343 an erwarben die Erzbischöfe Heinrich (13381343), Pilgrim II. (13651396) und Gregor (13961403) nach und nach die Schiffsherrenrechte.

Die Erbausfergenberechtigungen wurden vermutlich von der Zeit an, als die Schiffsherrenrechte dem Erzbischof gehörten, also im 14. oder 15. Jahrhundert, in adelige Lehen umgewandelt, deren Inhaber gleichsam Schiffsherren waren, die die Arbeit durch Schiffsleute (Fergen) verrichten lassen durften. Diese Verfassung wurde durch Kaiser Maximilian I. im Jahr 1495 und Kaiser Karl V. 1530 bestätigt.

Die Zahl der Erbausfergen verminderte sich in der Folge bis auf sieben Geschlechter, nämlich Strudl, Frauendienst, Gutrather, Tälgl, Gänßl, Pödl und Gold, dann auf drei: die Gutrater, Gold und Pödl. Fürsterzbischof Matthäus Lang von Wellenburg (15191540) fügte eine vierte Stelle für seinen Kammermeister und Rat Christoph Perner hinzu. Bei diesen vier Stellen blieb es, nur erfolgten Änderungen in den Geschlechtern.

Die vier Erbausfergengeschlechter

Das hochfürstlich Salzburgische Erbausfergenamt hatten bis 1806 jeweils vier landständische Geschlechter zu männlichem Lehen:

Die vier Erbausfergen besaßen innerhalb des Salzburger Landadels eine besondere Stellung, sie standen im Rang den Inhabern der Erbämter nach, gingen den übrigen Rittergeschlechtern aber voran.

Erbnaufergen

Bei den Erbnaufergen trat eine Veränderung zu einem adeligen Lehen nicht ein. Die Naufergen waren durch die Jahrhunderte Bürger der Stadt Laufen, die selbst zu Schiffe gingen. Sie wurden aus den zwei Geschlechtern Standel und Edelmann bestellt.

Siehe auch

Siehe auch den Artikel Salzschifffahrt.

Literatur

Quellen

  • Schmeller, J(ohann) Andreas: Bayerisches Wörterbuch, Erster Theil, J. G. Cotta’sche Buchhandlung. Stuttgart und Tübingen 1827. S. 561 f.
  • Hübner, Lorenz: Beschreibung der hochfürstlich-erzbischöflichen Haupt- und Residenzstadt Salzburg und ihrer Gegenden verbunden mit ihrer ältesten Geschichte, Zweiter Band (Statistik), Salzburg 1793. S. 347-350.
  • Melchinger, Johann W.: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Baiern, Zweiter Band, Ulm 1796. Sp. 155 bis 158.
  • Zezi, Johann Bernard: Hochfürstlich-Salzburgischer Hof- und Staatsschematismus für das Jahr 1801, S. 53.
  • Penninger, Ernst: "Die Straßennamen der Stadt Hallein", Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Band 110, Salzburg 1970, S. 309 f (Ausfergenufer) und 342 (Naufergenufer)