Der Sauschneider aus dem Zederhaus

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Einer Sage nach, die ganz genau in den „Lungauer Volkssagen“ von 1921 des Lungauer Sagensammlers Michael Dengg steht, soll sich folgendes zugetragen haben:

Ein Sauschneider aus Zederhaus hatte sein „Gai“ weit weg in Ungarn an der türkischen Grenze. Dort wohnte er im Hause eines reichen angesehenen Türken, wo er jedes Mal, wenn er kam, gastliche Aufnahme fand und wie ein Freund des Hauses behandelt wurde. Er aß mit dem Hausherren an einem Tische und hatte auch sonst den vertrautesten Verkehr mit ihm.

Nur verwunderte er sich darüber, dass er dessen Frau nie zu Gesicht bekam und seines Tages gab er dieser seiner Verwunderung dem Türken gegenüber offen Ausdruck. „Wenn bei uns daheim“, so sagte er, „ein Freund im Hause weilt, so bleibt ihm nichts verborgen und die ganze Familie steht mit ihm im vertrautesten Verkehr und ich bin nun schon so lange in deinem Hause und habe noch nicht einmal deine Frau gesehen“.

Der Türke machte ihm Vorstellungen, indem er sagte, dass dies nicht gehe und er dies unmöglich von ihm verlangen könne. Doch der Sauschneider beharrte auf seinem Wunsche, auf seine langjährige Freundschaft sich berufend. Der Türke widerstand lange den Unsinnen seines Freundes. Doch als dieser nicht nachgab, biss er die Lippen zusammen und sagte in verändertem Tone. „Nun denn, es sei, du sollst sie sehen.“ Dann rief er seine Frau und als sie erschien, befahl er ihr, den Schleier, welcher ihr Gesicht verhüllte, zu lüften. Doch diese zögerte damit, so dass er den Befehl mehrmals wiederholen musste. Endlich zog sie den Schleier zurück und betrachtete ihre Umgebung mit zaghaftem Blicke. Der Sauschneider war entzückt von der Schönheit dieser Frau und konnte sich nicht satt daran sehen.

Endlich nach längerem Schweigen sagte der Türke, zu seinem Freunde gewendet in kaltem Tone: „Nun, hast du sie dir genugsam angeschaut?“ Dieser nickte. Da holte der Türke eine Schusswaffe hervor und richtete sie auf seine Frau. Ein Schuss knallte und zu Tode getroffen lag dieselbe leblos zu seinen Füßen.

Der Sauschneider, auf das äußerste bestürzt, frage den Türken, warum er dies getan? Dieser erwiderte finster: „Weißt du denn nicht, dass nach unserem Gesetz eine Frau, die in eines anderen Mannes Antlitz geschaut, dem Tode verfallen ist? Du hast mir durch deinen Starrsinn das Liebste genommen. Entferne dich, denn sonst weiß ich nicht, was noch geschieht.“ Da wurde der Sauschneider sehr betrübt und verließ traurig das Haus.

Quelle