Karl Kurz

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Karl Kurz (* Göss bei Leoben; † 11. November 1970 bei Raach) war Einsiedler in der Einsiedelei am Palfen nördlich von Saalfelden am Steinernen Meer am Fuße des Steinernen Meeres im Pinzgau.

Acht Schüsse und das Drama eines Unschuldigen

Das aufsehenerregendste Kapitel in der Chronik der Klause wird zwischen 1969 und 1970 geschrieben. Endgültig fällt der Vorhang dieses Dra­mas erst am 31. Jänner 1977.

Jener Mann, der das genau protokollierte, heißt Franz Wieneroiter. Seine Biografie ist so bunt wie das Leben. Der Bä­ckermeister, spätere Gendarm, Journalist und Chronist wohnte in seiner Pension selbst für ei­nige Jahre in der Eremitage knapp oberhalb von Schloss Lichtenberg. Als Einsiedler.

Er zeichnete die Geschichte der Klause und die ihrer Be­wohner mit viel Liebe zum De­tail auf. Auch jene von Karl Kurz. Der aus Göss bei Leoben stammende Kaufmann be­zieht als Pensionist im Jahr 1967 die auf 1 001 m ü. A. liegende Einsiede­lei. Er öffnet die Klause für Besucher. Am 30. Dezember 1969 ist Kurz zu Gast in Robert Lembkes heiterem TV-Beruferaten "Was bin ich". Das löst im folgenden Sommer einen Gästean­sturm aus - und ruft Neider auf den Plan.

Wieneroiter schreibt in sei­ner Chronik: "Am Sonntag, 27. September 1970, um 19 Uhr ver­sperrt Karl Kurz die Klause und läutet mit dem Glöckchen das Ave-Maria." Als er in der Wohnstube beim Gebet sitzt, peitschen Schüsse durch die Stille. "Ein Unbekannter hatte auf die Eingangstüre der Klau­se acht Schüsse abgefeuert. Die Projektile durchdrangen das Holz der Türe und schlugen im Inneren der Klause in Holz und Mauerwerk ein. Auch ein Fens­terglas zersplitterte." Der Einsiedler schlägt per Glockengeläut Alarm. Ein Tele­fon gibt es nicht am Palfen. Gendarmeriepostenkomman­dant Karl Reichinger schickt ei­lig eine Patrouille auf den Berg.

Die Beamten treffen Kurz ver­wirrt und verängstigt in der Klause an. Auf dem Fensterla­den liegt ein handgeschriebe­ner Zettel. Darauf steht: "Nur eine Warnung, später zu spät!" Weitere Drohbriefe treffen ein. Bei der Gendarmerie, im Pfarramt und im Gemeindeamt. In einem heißt es: "Pfefferte auf die Klause, weil er beim Be­zahlen der Besichtigungsge­bühr um den Betrag von 20 Schilling von Karl Kurz betrogen worden ist."

Am 2. Oktober 1970 be­kommt Kurz eine Postkarte. Es werden ihm ein "Bauchschuss und zwei Dum-Dum-Geschos­se in die Knie" angedroht. Wieneroiter: "Kurz ist zu der Zeit schon sehr beunruhigt und zeitweise nicht mehr ansprech­bar." Die Ermittlungen verlau­fen erfolglos. Kurz allerdings verstrickt sich bei Befragungen in Widersprüche. Er gerät in Verdacht, das Schussattentat selbst inszeniert zu haben, "um seiner Popularität einen neuen Schub zu geben".

Am 15. Oktober 1970 er­scheint Karl Kurz bei der Kri­minalabteilung des Landesgen­darmeriekommandos. Unauf­gefordert. Er bezichtigt sich selbst der Tat. Wieneroiter: "In seiner Verzweiflung denkt er, ein Geständnis kann die ganze Sache zu einem Ende bringen." Er kündigt an, zurück in die Steiermark zu übersiedeln. Den Bart rasiert sich der Einsiedler ab. "Er verlässt Saalfelden als gebrochener Mann."

Kurz wird am 11. November 1970 tot neben den Bahngelei­sen in Raach aufgefunden. "Da er mehrere Abschiedsbriefe bei sich hat, geht man davon aus, dass er sich aus dem fahrenden Zug gestürzt hat."

Auch nach dem Tod von Karl Kurz treffen bei der Gendarme­rie Saalfelden anonyme Drohbriefe ein. "In einem steht, Kurz sei unschuldig verdächtigt worden. Als Beweis für die Richtigkeit der Angaben hinterlegt der Unbekannte in einem Opferstock der Einsiede­lei-Kapelle acht Projekti­le. Sie werden am 7. Oktober 1972 gefunden."

Durch intensive Erhebungen in einem anderen Kriminalfall "kommt Bezirksinspektor Josef Eberharter auf die Spur eines in Maishofen wohnhaften Man­nes." Es stellt sich heraus, dass sich auch er seinerzeit als Ere­mit beworben hat. "Wegen sei­nes kriminellen Vorlebens wur­de er aber abgewiesen."

Schriftvergleiche und das Gutachten eines Experten bele­gen eindeutig: "Die Briefe stammen vom Verdächtigen aus Maishofen. Bei seiner Verneh­mung am 31. Jänner 1977 gibt er zu, die Drohbriefe geschrieben zu haben. Er gesteht auch, dass er am 27. September 1970 meh­rere Pistolenschüsse auf die Türe der Einsiedelei abfeuerte. Er habe damit seine Wut gegen Kurz abreagiert." Der Mann starb 1980.

Quelle