Konrad Lorenz (Verhaltensforscher)

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Konrad Lorenz, 1978

Konrad Lorenz (* 7. November 1903 in Wien; † 27. Februar 1989 ebenda) war ein österreichischer Zoologe.

Bedeutung

Lorenz war einer der Hauptvertreter der klassischen vergleichenden Verhaltensforschung. Zusammen mit Rupert Riedl und Gerhard Vollmer gilt er als Hauptvertreter der Evolutionären Erkenntnistheorie. 1973 erhielt er gemeinsam mit Karl von Frisch und Nikolaas Tinbergen den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin „für ihre Entdeckungen betreffend den Aufbau und die Auslösung von individuellen und sozialen Verhaltensmustern“.

Im hohen Alter trat er als zivilisatorisch-ökologischer Gesellschaftskritiker auf und wurde zu einer Leitfigur der österreichischen Grünen-Bewegung.

Nobelpreisträger und vielfacher Ehrendoktor

Gemeinsam mit Karl von Frisch und Nikolaas Tinbergen wurde Konrad Lorenz 1973 der Nobelpreis für Medizin verliehen. Mit dem Preis rückte auch das politische Verhalten des Forschers erstmals in die breite öffentliche Diskussion. Sein Bezug zum Nationalsozialismus ist stark umstritten. Vor Journalisten sagte er nach der Verleihung des Preises: "Viele andere hochanständige Wissenschafter Österreichs haben wie ich kurze Zeit Gutes vom Nationalsozialismus erhofft und haben sich bald mit dem gleichen Entsetzen abgewendet, wie ich es tat."

Universität Salzburg

Im Jahr 1983 verlieh die Universität Salzburg dem Nobelpreisträger ihre Ehrendoktorwürde.

Im Dezember 2015 widerrief sie diese Ehrung. Im Verfahren zur Verleihung des Ehrendoktorates sei "die Verbreitung nationalsozialistischer Thesen" verschwiegen worden. Lorenz habe sich im Jahr 1938 in seinem Gesuch um Aufnahme in die NSDAP als besonders engagierter Nationalsozialist dargestellt. Weiters habe er insbesondere in einer Publikation des Jahres 1940 unter dem Titel "Durch Domestikation verursachte Störungen arteigenen Verhaltens" angeblich wesentliche Elemente der Ideologie des Nationalsozialismus verbreitet. Dieser Widerruf war Ergebnis einer in den Jahren 2014 bis 2016 durchgeführten Überprüfung der „Tabula Honorum“ der Universität hinsichtlich möglicher nationalsozialistischer Belastungen geehrter Persönlichkeiten. Weitere Widerrufe betrafen Eduard Paul Tratz, den ehemaligen Leiter des Hauses der Natur, sowie den Wirtschaftsrechtler Wolfgang Hefermehl. Die aberkannte Ehrendoktorwürde war die letzte von insgesamt zehn Ehrendoktoraten des Nobelpreisträgers. Neben Salzburg ehrten Lorenz etwa auch die Universitäten Leeds, Basel, Yale und Oxford. Außer der Universität Salzburg wurde Lorenz keine andere Ehrendoktorwürde entzogen.

Die Aberkennung des Ehrendoktorats wurde vom Österreichischen Naturschutzbund, dessen langjähriger Ehrenpräsident Konrad Lorenz gewesen war, scharf kritisiert. Konrad Lorenz habe die Ehrendoktorwürde nicht erschlichen, sondern die Universität Salzburg habe ihn damals auf Initiative der Naturwissenschaftlichen Fakultät mehr oder weniger gebeten, die Ehrendoktorwürde anzunehmen. Die Aberkennung sei ein geradezu lächerlicher Versuch, einen weltweit geschätzten, von vielen Universitäten ausgezeichneten österreichischen Wissenschafter und Nobelpreisträger zu disqualifizieren.

Die Aberkennung der Ehrendoktorwürde der Universität Salzburg für Konrad Lorenz hat auch außerhalb Salzbugs z.T. Entrüstung hervorgerufen. Univ.-Prof. Dr. Bernd Lötsch, ehemals Generaldirektor des Naturhistorischen Museums Wien und Univ.-Doz. Dr. Peter Weish, Lehrbeauftragter für Humanökologie und Umweltethik an der Universität für Bodenkultur kritisierten auch, dass das Senatsurteil gegen Lorenz ohne qualifizierte Verteidigung des Toten erfolgt sei und damit grob einseitig.

Quellen

  • Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum Thema "Konrad Lorenz"