Haus der Natur

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Haus der Natur, Eingangsseite
Saurierhalle im Haus der Natur
Saurier im Haus der Natur
Saurierhalle, Detail
Halle "Welt der Meere"
Weltraumhalle

Das Haus der Natur ist ein naturkundliches Museum in der Altstadt von Salzburg. Es ist Mitglied der Dachmarke hello salzburg. Auf mehr als 7.000 m² zeigt das sehr vielseitige und sehr beliebte Museum von faszinierenden Unterwasserwelten und lebenden Reptilien bis zur Weltraumhalle und zum Science Center.

Die Forschung

Die wissenschaftlichen Sammlungen reichen bis ins 19., vereinzelt auch bis ins 18. Jahrhundert zurück. Diese unersetzlichen Sammlungen am Haus der Natur mit zahlreichen Belege aus dem Bundesland Salzburg aber auch auch anderen Teilen der Erde, benötigt eine aufwändige Betreuung.

  • Die botanische Sammlungen enthält z.B. über 200.000 Belege von getrockneten Pflanzen und Pilzen.
  • Die Säugetiersammlung besteht aus über 6.000 Belegen, vor allem Stopfpräparate, Bälge, Felle, Skelette und Knochen.
  • Ähnlich umfangreich ist die Vogelsammlung mit zahlreichen Balgsammlung von Eduard Paul Tratz und von etzwa tausend Belegen des Ornithologen Viktor Tschusi zu Schmidhoffen (1847–1924).
  • In der entomologischen Sammlung werden rund 500.000 Insektenbelege aufbewahrt, großtTeis aus dem Bundesland Salzburg
  • Die mineralogisch-geologische Sammlung zeigt über 18.000 Minerale und 12.000 geologisch-paläontologische Präparate.
  • Die speläologische Sammlung dokumentiert über 100 Jahre Höhlenforschung im Land Salzburg

weitere Forschungsprojekte mit Partnern aus Stadt und Land Salzburg

Entomologische Arbeitsgemeinschaft, Ornithologische Arbeitsgemeinschaft, Herpetologische Arbeitsgemeinschaft, Botanische Arbeitsgemeinschaft, Arbeitsgruppe für Mineralogie und Paläontologie, Astronomische Arbeitsgemeinschaft

Die Arbeitsgemeinschaften

Sie beschäftigt sich mit der Erforschung und mit dem Schutz der Amphibien und Reptilien Salzburgs

Seit 2006 am Haus der Natur erforscht Arbeitsgemeinschaft die heimische Pflanzenwelt von den Alpengipfeln bis zum Tiefland.

Seit 1968 beschäftigt sich die Arbeitsgemeinschaft mit der Erfassung der vielfältigen Insektenwelt des Bundeslandes Salzburg

Die Malakologische Arbeitsgemeinschaft beschäftigt sich seit Anfang 2014 mit der Biologie, Ökologie und dem Schutz der Mollusken des Bundeslandes

Arbeitsgemeinschaft Astronomie trifft sich an jedem letzten Freitagabend im Monat vzu einem „Astro-Abend“ auf der Sternwarte. Vorträge und Erfahrungsaustausch stehen im Mittelpunkt. .

Die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft widmet sich der Erforschung der Vogelwelt Salzburgs und der Dokumentation von Veränderungen des Vogelbestandes.

Diese Gemeinschaft vermittelt und erforscht die Vielfalt der Minerale und Fossilien im Land Salzburg.

Die Sternwerte

Das Haus der Natur führt am Haunsberg, im Norden der der Stadt Salzburg, eine der leistungsstärksten öffentlichen Sternwarten Europas. Das Haus der Natur will möglichst viele Menschen für Astronomie und Weltraumforschung begeistern Die Finanzierung wurde zu etwa zwei Drittel von privaten Sponsoren und Spendern getragen. 30% der Mittel waren öffentliche Gelder.

Ausstellungen

Das Haus der Natur bietet zahlreiche Ausstellungen:

  • Saurier und andere Urzeittiere in der Saurierhalle des Museums
  • Welt der Kristalle: die Schau präsentiert Salzburger Besonderheiten aus dem Bergbau wie Salz, Gold, Arsen, Wolfram sowie Mineralbildungen aus den Hohen Tauern
  • Christian-Doppler-Schau: mit interaktiven Versuchen können die Besucher den Doppler-Effekt verständlich nachvollziehen
  • Weltraumhalle: gezeigt werden hier Schaustücke zur Geschichte der Raumfahrt und Wissenswertes über die Grenzen des Universums
  • Tierwelt der Erde  dokumentiert die Vielfalt der Tierwelt in den unterschiedlichen Lebensräumen der Erde
  • Tierwelt Europas: in aufwändig gestalteten szenischen Einblicken werden europäische Tierarten in der freien Wildbahn dargestellt
  • Lebensader Salzach: die Dauerschau präsentiert im Rahmen der Schatzkammer Land Salzburg den Natur- und Kulturraum der Salzach
  • <!—3.? St.--> Mensch und Natur: hier vermitteln Dioramen und wertvolle Objekte das traditionelle Leben der Menschen in den unterschiedlichsten Regionen der Erde
  • Erdgeschichte & Eiszeit: in der paläontologischen Abteilung werden Fossilien, die Entwicklung der Kontinente sowie Vulkane und Erdbeben mit bewegten Modellen dargestellt
  • Mensch und Tier in Fabel und Mythos: die Ausstellung berichtet von Zauberern und Hexen, Seeschlangen und Seychellennüssen
  • Reise in den menschlichen Körper: mittels interaktiver Versuche erforscht der Besucher das Nervensystem und die Sinnesorgane des menschlichen Körpers
  • Welt der Meere und Seen: Hier werden unter anderem Modelle und Originalpräparate von Haien, Walen und Riesenfischen gezeigt
  • Heimische und exotische Lebensräume im Diorama: die besonderen Schaukästen sind im ganzen Museum zu finden

Außerdem gibt es laufend Sonderausstellungen zu unterschiedlichen Themen, z. B.

  • Gestalt und Wesen: Kunst trifft auf Naturwissenschaft: Museale Sammlungen aus einem außergewöhnlichen Blickwinkel, Laufzeit: bis 9. April 2012
  • Lebens-Gefahr? Die (un)erschöpfliche Vielfalt der Natur, Laufzeit: bis Ende Mai 2012
  • Teilchen.at: Von den kleinsten Teilchen zur größten Maschine der Welt am CERN, Laufzeit: bis 4. März 2012


Lebende Tiere im Haus der Natur

Das Aquarium (im Erdgeschoss) umfasst 42 Schaubecken unterschiedlicher Größe bis zu einem Volumen von 60.000 Litern. Darin werden Tiere aus tropischen Korallenriffen, aber auch aus den tropischen Gewässern Afrikas, Südamerikas, Südostasiens und aus unserer heimischen Region vorgestellt.

Im Reptilienzoo (2. Stock) können Besucher etwa die dreißig Jahre alten Mississippi-Alligatoren oder giftige Krustenechsen beobachten. Darüber hinaus sehen Besucher hier Giftschlangen, von der Kobra bis zur grünen Mamba, den größten Netzpython Österreichs oder andere Vertreter der heimischen Schlangen.

In der Abteilung Lebende Insekten und Spinnentiere (4. Stock) werden exotische und - teils jahreszeitenabhängig - einheimische Insektenstaaten lebend gehalten. Den Blattschneiderameisen kann man so etwa beim Betreuen ihrer Pilzzucht zusehen und die Stabheuschrecken als Meister der Tarnung entlarven.

Geschichte

Dr. Eduard Paul Tratz gründete 1924 das Haus der Natur als "Erlebniswelt", es war zunächst in einem Teil des heutigen Großen Festspielhauses untergebracht. Somit wird das Museum in wenigen Jahren sein hundertjähriges Jubiläum feiern. Historisch bedeutsam sind aber die sieben Jahr dauernde NS-Zeit. Daher wird auf die vielfältigen Jahrzehnte des Auf- und Ausbaues abseits der NS-Zeit hier nicht näher eingegangen. Wegen des Baues des Großen Festspielhauses musste 1956 das Haus der Natur aus den Räumen an der Hofstallgasse in das Gebäude des alten Ursulinenkloster nahe der Salzach umziehen. 2008 begann der Umbau der ehemaligen Räume des Salzburger Museums Carolino-Augusteum (jetzt Salzburg Museum), 2009 wurde das erweiterte Haus wieder eröffnet. Der Umbau führte 2010 zu einem Besucherrekord von 366 678 Besuchern.

Das Haus der Natur in der NS-Zeit

Mit Hilfe der deutschen Historikerin und Museumsexpertin Susanne Köstering begann das Haus der Natur Anfang 2013 seine NS-Geschichte aufzuarbeiten. Dazu befand sich die Expertin zwei Monate in Salzburg. Die Ergebnisse waren im Herbst 2013 in einer Ausstellung zu sehen und 2014 erscheint ein Buch darüber. Die Vorgänge in der NS-Zeit hat aber auch eine Arbeitsgruppe im Salzburger Haus der Natur aufgearbeitet.

Ungewöhnlich eng verlief die Beziehung mit dem Namen Eduard Paul Tratz, wie Köstering feststellt. Sie wird aber noch genau seine Rolle im Nationalsozialismus an Hand der Unterlagen in den Salzburger Archiven untersuchen. Ihr ist es wichtig zu klären, wie stark er eingebunden war und welche Inhalte des Nationalsozialismus er für seine Ausstellungen übernommen hatte. Als entscheidende Zäsur sieht Köstering den Umzug des Museums 1959 vom Salzburger Festspielhaus an den heutigen Standort. Denn auch hier sieht die Expertin Erklärungsbedarf, ob die Annahme, dass aufgrund der personellen Kontinuität keine richtig kritische und aktive Auseinandersetzung stattgefunden hatte, ob und wie viel aufgearbeitet und mitgeschleppt wurde, zutreffend ist[1].

2014 wurden die letzten noch im Haus verbliebenen Raubgut-Objekte an ihre rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben, soweit die Eigentümer ein Interesse daran besaßen. Von den rund 900 000 Objekten in der Sammlung des Museums ist nur ein sehr kleiner und wenig wertvoller Teil betroffen. Viele Dinge wurden schon in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg restituiert. Rund 1 000 Bücher, 200 Jagdtrophäen, rund 150 Tierpräparate und einige eiszeitliche Funde wie Mammutknochen, die in der Zeit des Nationalsozialismus unrechtmäßig angeeignet wurden, müssen noch zurückgegeben werden, soweit der Eigentümer ein Interesse daran besitzt.

Seit 2010 wurde erstmals akribisch die Provenienz der Sammlungen mit dem Schwerpunkt in der Zeit von 1939 bis 1945 untersucht. Zuvor hatte man die problematische Vergangenheit des Museums unter der Leitung ihres Gründers und langjährigen Direktors Eduard Paul Tratz weitgehend ausgeblendet. Im Jahr 1939 sei das Haus der Natur in das "Ahnenerbe" integriert worden, berichtete der Leiter des Forschungsprojektes, der Zeithistoriker Robert Hoffmann, in den Salzburger Nachrichten[2].

Tratz als Museumsleiter hatte in der Zeit des Nationalsozialismus unter anderem auch drei Quellen genutzt, um zu neuen Objekten für Salzburg zu kommen: Er nutzte beschlagnahmte Bestände kirchlicher Einrichtungen, beteiligte sich an Raubzügen in besetzten Gebieten und profitierte von Arisierungen naturwissenschaftlicher Sammlungen. So wurde 1938 die Schulbibliothek des kirchlichen Salzburger Borromäums enteignet, 1939 die Missionsschwestern vom heiligen Petrus Claver (Missionshaus Maria Sorg), die in Salzburg eine kleine Afrikasammlung besaßen. Im Jahr 1939 nahm Tratz am "Kommando Paulsen" des Ahnenerbes in Krakau und Warschau teil. Einige Objekte des Anatomischen Instituts und des Naturhistorischen Museums in Warschau gingen nach Salzburg.

Ähnliche Raubzüge gab es auch in der Akademie der Wissenschaften in Krakau, in Askania Nova in der Ukraine, in Straßburg, im Zoologischen Museum Smolensk oder im Museum Lemberg, wo möglicherweise Reste eines eiszeitlichen Mammuts beschlagnahmt worden sein dürften. Durch Arisierungen gelangten Jagdtrophäen aus dem Besitz des Kunstsammlers Rudolf Gutmann, eine Trophäensammlung von Alphonse und Clarisse Rothschild sowie eine Sammlung südamerikanischer Vögel der Familie Bomstein-Bomi nach Salzburg. Zum Teil wurden diese Bestände schon nach dem Zweiten Weltkrieg schon zurückgegeben, letzte kleine Teile von geringem Wert befinden sich allerdings nach wie vor im Besitz des Museums.

Direktoren

  • 1924–1945: Eduard Paul Tratz
  • 1945–1949: Maximilian Piperek
  • 1949–1976: Eduard Paul Tratz
  • 1976–2009: Eberhard Stüber
  • seit 2009: Norbert Winding

Auszeichnung

Das Museum ist mit dem Österreichischen Museumsgütesiegel ausgezeichnet.

Siehe auch

Artikel „Salzburger Landesrelief

Weblinks

Quellen

Einzelnachweise

  1. Salzburger Woche, Ausgabe Stadt Nachrichten, 18. Jänner 2013
  2. Salzburger Nachrichten, 21. Jänner 2014, online Tratz besaß daher den Titel eines Abteilungsleiters der NS-Wissenschaftsorganisation "Ahnenerbe" und hatte sich folgerichtig mit deren Forschungszielen und -vorhaben zu indentifizieren.