Nachtroas

Aus Salzburgwiki
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Die Nachtroas war ein insbesondere von Jugendlichen gepflegter Besuchsbrauch, welcher besonders im Flachgau des Salzburger Landes bis etwa in die 1980er-Jahre ausgeführt wurde.

Der Brauch

Bevor am Abend zur Nachtroas ausgeschwärmt wurde, fanden an den Dorfplätzen Zusammenkünfte statt, wobei oft beraten wurde, welches Besuchsziel angepeilt werde. In dieser Zeit diente bei den Jugendlichen das Moped als hauptsächlichstes Verkehrsmittel.

Die Burschen statteten den Mädchen am Abend (üblicherweise an Mittwochtagen, Samstag oder Sonntags, Besuche an Freitagen waren lange streng verpönt) einen Besuch ab, wobei es nicht selten vorkam, dass manchmal bis zu 10 junge Männer und auch mehr bei einem Mädchen zu Besuch waren. Die Anzahl der Gäste hatte natürlich auch oft mit der Begehrtheit der Besuchten zu tun. Mädchen mit vielen Besuchern haben sich oft untereinander beneidet, wenn es um sie "so anging".

Man konnte natürlich auch allein zu einem Mädchen in die Nachtroas kommen. Manchmal stellte es die zweite Stufe des Kennenlernens dar, nachdem man zuvor bereits einige Male zum Fenster (Fensterln) gekommen war. Bei der Nachtroas ergab sich auch für die Eltern des Mädchens die Gelegenheit, den (die) Besucher selber in Augenschein zu nehmen.

Es erforderte einige Geschicklichkeit, dass man sich angesichts der großen Zahl der "Bewerber" dennoch gut ins Licht setzen konnte. Durch diese Situationen konnten sich die Mädchen über die verschiedenen Eigenschaften der Burschen ein recht gutes Bild machen. Das Ganze spielte sich in der meistens geräumigen Bauernstube ab. Es wurden Neuigkeiten verbreitet, Witze erzählt, auch lustige Gesellschaftsspiele abgehalten, oft wurde musiziert, gesungen und auch getanzt.

Nicht immer ging es friedlich und fröhlich ab, denn weil es um die Gunst von Mädchen ging, kam es auch zu Eifersucht, Streitigkeiten oder gar Raufereien. Wobei es als ungeschriebenes Gesetz galt, dass die tätlichen Auseinandersetzungen außerhalb das Hauses ("geh'n wir auf die Blutwiese") getätigt wurden. Im Grenzgebiet zwischen Salzburg und Oberösterreich sorgte auch der Umstand für gelegentliche Spannungen, dass man sich bezüglich Mentscha (Mädchen) gegenseitig "ins Revier" kam, das es zu verteidigen galt. Die Mädchen fühlten sich dagegen nicht gestört, wennn sich sogar von jenseits der Grenze Verehrer einfanden.

Die Mitternachtsstunde galt für gewöhnlich immer als Zeitpunkt des Aufbruches. Wurde diese Zeit überschritten, so kam es öfters vor, dass die meistens über der Stube schlafenden Eltern durch Klopfzeichen zum baldigen Gehen mahnten. In manchen Bauernhäusern gab es ein Wärmeloch am Stubenplafond, damit die warme Luft im Winter in die Schlafkammer der Bauersleute hinauf strömen konnte. Durch diese Verbindung ergab sich auch die Gelegenheit, die Vorgänge in der Stube mitzuhören. Denn wenn es in der Stube zu still wurde, galt dies ebenfalls als sittlich verdächtig. Zu erwähnen ist auch noch das sogenannte "Aushadern", womit die Freier im Verlauf der Nachtroas versuchten, durch überlange Anwesenheit einem sich abzeichnenden Favoriten das alleinige Zusammensein mit den Mädchen zu verunmöglichen.

Handelte es sich bei dem besuchten Mädchen um eine am Bauerhof angestellte Magd und man wollte die Bauernstube als Besuchsraum verwenden, so war man dazu ebenfalls auf das Einverständnis der Bauersleute angewiesen. Das Betreten der Schlafräume der Bauernmägde ("Mentschakammern") galt für Burschen als moralisch unstatthaft.


Quelle