Salzburger Güterverzeichnis

Aus Salzburgwiki
(Weitergeleitet von Notitia Arnonis)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Erzbischof Arn ließ um 790 ein erstes Güterverzeichnis des Salzburger Kirchenbesitzes, die notitia arnonis, durch den Diakon Benedikt anlegen und gab den Anstoß zur Salzburger Geschichtsschreibung.

Einleitung

Die Salzburger Güterverzeichnisse geben eine genaue Übersicht über den Kirchenbesitz zur Zeit Arns. Sie bieten aber auch Ereignisgeschichte und vermitteln einen Einblick in die Herrschaftsstrukturen, das Sozialgefüge und die Grundherrschaft. Sie zeigen, dass Salzburg das reichste der bayerischen Bistümer war. Dazu kam eine strenge Organisation auf der Grundlage des bischöflichen Eigenkirchenwesens.

Die ältesten Abschriften der Güterverzeichnisse sind in einer Minuskel-Buchschrift verfasst, die auf die Karolingische Minuskel (Beginn des 9. Jahrhunderts) zurückgeht und deren Buchstabenformen in den Buchschriften des 10. bis späten 12. Jahrhunderts im ganzen Abendland fortlebten und noch in unserer heutigen Druckschrift zu finden sind.

Notitia Arnonis

Diese notitia arnonis wurde dem damaligen Rechtsbrauch entsprechend von zahlreichen „sehr alten und wahrheitsliebenden“ Mönchen und Laien bezeugt und zur Erhöhung der Beweiskraft in die äußere Form eines Weistums gekleidet. Das Weistum bezeichnete das durch Weisung aus dem Gewohnheitsrecht festgestellte Recht.

Das Original der Urkunde ist nicht erhalten. Es gibt jedoch sechs Abschriften. Die älteste davon aus dem 12. Jahrhundert (Abschrift-Original) befindet sich zusammen mit einer späteren Abschrift im Archiv der Benediktiner-Erzabtei St. Peter in Salzburg, eine weitere ebenfalls aus dem 12. Jahrhundert im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München, noch zwei weitere in München und eine in Wien.

Aus dem Güterverzeichnis

  • "Titamanninga" - Tittmoning, wird erstmals in der notitia arnonis um 778 - 790 genannt;
  • In das Jahr 788 fallen die erste urkundliche Erwähnung der Gemeinde Ainring im Rupertiwinkel und eine mit Landbesitz ausgestattete Kirche (ecclesia cum territorio) in Anif (ad Anua) sowie von Elsenwang;
  • Schönau im Berchtesgadener Land: um 788 - 790 werden die beiden Almen Gauzo (= Gotzenalm) und Ladusa (= Ahornalm, Roßfeld) als Schafweiden genannt;
  • Bereits 798 wird die Siglmühle in Seekirchen am Wallersee erwähnt;
  • Fuschl am See ist als „stagnum Lacusculus“ erwähnt;
  • Zell am See wird erstmals als "et in supra memorato loco Bisonzio edificata est cella, in qua monachi labore manuum suarum vivunt" genannt, übersetzt "und im oben erwähnten Ort Zell am See ist eine Zelle erbaut worden, in der Mönche von ihrer Hände Arbeit leben"[1]

Breves Notitiae

Erst nach der Erhebung Salzburgs zum Erzbistum im Jahre 798 und der Ernennung Arns zum Erzbischof und Metropoliten der bayerischen Kirchenprovinz entstanden die umfangreicheren „breves notitiae“ (798 - 800), die auch die Schenkungen des freien bayerischen Adels enthielten. Mit breves notitiae sind „Wirtschaftsnachrichten“ gemeint (notitiae, die den Charakter des breve als Besitzverzeichnis aufweisen).

Von den breves notitiae gibt es vier Abschriften, das Original ist nicht mehr vorhanden. Die älteste Abschrift stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist in Salzburger Privatbesitz (ursprünglich im Benediktinerstift Admont), eine im Archiv von St. Peter und zwei weitere in der Bayerischen Staatsbibliothek in München.

In diesen breves notitia wird Elsenwang noch zweimal erwähnt. Neben einer neuerlichen Sicherung des Kirchenbesitzes und des urkundlichen Materials sollten sie vor allem dazu dienen, das Ansehen der neu geschaffenen Metropole Bayerns zu demonstrieren und Rupert als Apostel Bayerns hochzustilisieren.

Weitere Erwähnung in der breves notitiae sind unter anderem erstmals erwähnt:

  • Garching an der Alz im Landkreis Altötting, Bayern, der 747/9 an Salzburg geschenkt wurde, ist etwa 798 im Salzburger Güterverzeichnis breves notitiae als Gouvrichingen erstmals urkundlich erwähnt;
  • Nußdorf am Haunsberg wird in der breves notitiae angeführt;
  • Liefering als „Liueringa“;
  • Fuschl am See wird hier als als „ad lacum, stagnum Labusculo“ genannt;
  • Neuerliche Nennung von Zell am See: "et in Bisontio (Wisontio), quod nunc Pinzgo dicitur" ("und in Zell am See (Bisontio), das jetzt Pinzgau genannt wird")[2]

Quelle

Die allgemeinen Ergänzungen stammen aus dem Salzburgwiki-Artikel Die erste Erwähnung des Ortsnamens Elsenwang (Hof bei Salzburg) mit den dort angeführten Quellen

Fußnoten

  1. Hochhold, Rainer: Cella in Bisontio – Zell im Pinzgau – Zell am See. Eine historische Zeitreise, Eigenverlag der Stadtgemeinde Zell am See 2013. S. 50f. Text und Übersetzung aus Lošek, Fritz: Notitia arnonis und Breves Notitia. Die Salzburger Güterverzeichnisse aus der Zeit um 800. In: Quellen zur Salzburger Frühgeschichte. Hg. v. Wolfram, Herwig. Oldenbourg; Wien/München 2006. S. 76f
  2. vgl. Quellenangabe zu Zell am See bei der Notitia Arnonis
|Güterverzeichnis, Salzburger]]