Peter Singer

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Peter Singer (Detail der Erinnerungstafel)
Gedenktafel für Peter Singer in der Franziskanergasse

Pater Peter Singer (* 18. Juli 1810 in Häselgehr, Tirol; † 25. Jänner 1882) war Franziskanermönch, Musiker und Erfinder des Pansymphonikons.

Leben und Bedeutung

Kein Tourist, kein Reisender verließ Salzburg, ohne Pater Singer in seiner Klause aufgesucht und ihn sein wunderbares Instrument spielen gehört zu haben.

So schrieb die Neue Freie Presse am 28. Jänner 1882. Die Rede ist von dem Musikinstrument, das damals die Fachpresse in ganz Europa interessierte. Täglich um 11 Uhr konnte man Pater Peter für eine Stunde auf seinem Wunderwerk spielen hören. Die Chronik berichtet, dass allein in den fünf Tagen des Mozartfestes 1856 an die 1 300 Personen den Klängen dieses Instruments lauschten.

Die Besucher kamen aus allen Schichten der Bevölkerung: vom einfachen Bürger über Gelehrte und Künstler (Anton Bruckner, Franz Liszt, Giacomo Meyerbeer, Karl Thomas Mozart, den ältesten Sohn Wolfgang Amadé Mozarts) bis hin zu Kaisern und Königen (Kaiserin Karoline Auguste von Bayern von Österreich, Kaiser Franz Joseph I., der deutsche Kaiser Wilhelm I., der französische Kaiser Napoleon III., König Viktor Emanuel von Italien, die bayerischen Könige Ludwig I. und – Richard Wagners Schutzherr – Ludwig II.) reichten die Besucher Pater Singers; nur der Papst fand nie den Weg nach Salzburg in jener Zeit. Liszt soll auch angeblich gesagt haben: "Bin ich der Paganini des Klaviers, dann ist Pater Peter der Liszt der Orgel".

Werdegang und Laufbahn

Pater Singer wurde im Tiroler Außerfern in Häselgehr geboren und auf die Namen Josef Anton getauft.

Man behauptet, seine Charaktereigenschaften der Exaktheit und Genauigkeit, sein Wissensdurst und Tatendrang sowie eine Vorliebe für Grübelei und Experimentierfreudigkeit seien Eigenschaften, die mit dem Außerferner Menschenschlag in besonderer Weise verbunden werden.

Seine Familie förderte den Buben nach Kräften. Von seinem Vater, Josef Alois Singer, der als Glockengießer und Müller tätig war, hatte der Knabe das Talent zur Musik und handwerkliches Geschick geerbt, während die gütige Mutter die Sanftmütigkeit seines Wesens schulte.

Den ersten Unterricht erhielt der kleine Anton von einem bayerischen Offizier (Tirol stand damals unter bayerischer Regierung). Nach dessen frühem Tode bildete sich der lernbegierige Bub autodidaktisch weiter, bis er schließlich – über Vermittlung des Dorfschulmeisters, der dem Knaben das Geigen- und Harfenspiel beibrachte – vom Organisten des Franziskanerklosters Reutte, P. Mauritius Gasteiger, in Harmonielehre und Generalbass eingeführt wurde.

Als zwölfjähriger Schulbub schuf er bereits eigene Kompositionen. Die Eltern konnten ihn an das Gymnasium nach Hall bei Innsbruck schicken, das von den Franziskanern geführt wurde. Die im Elternhaus gelebte Religiosität und seine Vorliebe zur Musik ließen in ihm den Entschluss reifen, dem Orden des Hl. Franziskus beizutreten. Sein Ordensname war Peter, nach dem Hl. Petrus von Alcántara. In seiner Ausbildung als Theologe war er zunächst in Schwaz tätig, später in Bozen (Südtirol), Hall bei Innsbruck, Kaltern (Südtirol) und nochmals Bozen.

Wohl aus seiner fest gegründeten christlichen Überzeugung resultierten jene sanften Wesenszüge im Umgang mit seinen Mitmenschen, wie seine zuvorkommende Liebenswürdigkeit, seine freundliche Leutseligkeit, seine liebenswürdige Bescheidenheit und eine immer verzeihende Güte. Es war ein besonderer Glücksfall, als ihn die Ordensleitung schon 1840 zum Novizenmeister der Nordtiroler Franziskanerprovinz ernannte. Pater Singer übte dieses wichtige und verantwortungsvolle Amt der Unterweisung der Novizen umsichtig und klug bis an sein Lebensende aus und führte während dieser langen Zeit über 320 Novizen in das Ordensleben ein, von denen er vielen auch die Geheimnisse der Musik nahe brachte.

Im Laufe seines Ordenslebens wurden Pater Singer weitere Ehren- und Vertrauensstellungen übertragen, so das Amt des Definitors (Beraters des Provinzials) oder des Kustos (Stellvertreters des Provinzials). Lange Zeit war er auch Beichtvater der Fürsterzbischöfe Salzburgs.

Veröffentlichungen

  • Geistliche Betrachtungs-Uhr, ein Büchlein zur Meditation
  • Metaphysische Blicke in die Tonwelt nebst einem dadurch veranlaßten neuen System der Tonwissenschaft (1847)

Pater-Singer-Museum

Der Zustrom der Feriengäste, die während der Sommermonate schon damals alljährlich Salzburg besuchten und, angeregt durch entsprechende Hinweis in Reiseführern, auch eine Vorführung des Pansymphonikons als Attraktion wünschten, hielt auch nach dem Tod Pater Singers im Jahr 1882 an. Die Vorstehung des Klosters sah sich veranlasst, ein Gedenkzimmer ihres berühmten Ordensbruders einzurichten. Dieses Zimmer, in dem Erinnerungsstücke und die Instrumente Pater Singers gezeigt wurden, lag ursprünglich im ersten Stock des Klosters; wegen der strengen Klausurbestimmungen war nur Männern der Besuch möglich. Frauen mussten sich mit dem Zuhören von der Straße aus begnügen.

Um allen Interessenten den Zugang zum Pater-Singer-Museum möglich zu machen, wurde die Gedenkstätte in der Folge wegen des anhaltend großen Andranges in das Erdgeschoß verlegt. Nach dem Ersten Weltkrieg ließen allerdings die zahlreichen technischen Neuerungen im akustischen Bereich, z. B. die Entwicklung der Grammophone, die Beachtung von Pater Singers Wunderwerk allmählich schwinden. Mit Bedauern stellte im Jahr 1928 das Salzburger Volksblatt das gänzliche Verstummen des Pansymphonikons fest.

Unter dem Schwibbogen, der die Franziskanerkirche mit dem Kloster verbindet, ist eine marmorne Gedenktafel mit einem Porträtmedaillon Pater Singers zu sehen, auf der noch der schöne Text zu lesen, den die bewundernden Zeitgenossen dem Gedenken ihres Pater Peter gewidmet haben:

Dem allverehrten Priester O.S.Fr. Tondichter, Musikschriftsteller, Erfinder des Pansymphonikon, P. Peter Singer, geboren am 18. Juli 1810 zu Haeselgehr in Tirol, gestorben in Salzburg am 25. Jänner 1882, welcher in diesem Kloster durch 42 Jahre der Kirche zur Ehre, der Menschheit zur Freude und zum Segen gewirkt hat. In dankbarer Erinnerung seine Zeitgenossen. 1883.

Quellen

  • Manfred Schneider: Pater Peter Singer (1810-1882). Ein Tiroler Franziskaner als Salzburger Attraktion, [1]
  • Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum Thema "Josef Anton Singer"