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Beinwell

Beinwell am Ufer der Salzach
Beinwellblüten
Beinwellblüten am Ufer der Salzach bei Bruck an der Großglocknerstraße

Der Gemeine Beinwell oder Echter Beinwell (Symphytum officinale) zählt zu den Rauhblattgewächsen (Boraginaceae) und kommt an Bachufern, an Gräben und in feuchten Wiesen vor.

Inhaltsverzeichnis

Bezeichnungen

Die im Volksmund als Beinwell bezeichnete Pflanze heißt eigentlich Beinwurz. Weitere Namen, unter denen diese heilkräftige Pflanze bekannt ist, sind Himmelsbrot, Schwarzwurz, Wallwurz, Glotwurzel, Hasenbrot, Hasenlaub, Honigblum, Kuchenkraut, Lotwurz, Milchwurz, Schärzwurz, Schmalwurz, Schmeerwurz, Soldatenwurzel, Speckwurz, schwarze Waldwürze, Weitel und Zuckerhaferl.

Beschreibung

Die mehrjährige Wurzel ist dick, spindelförmig, ästig und saftig. Außen ist sie dunkelbraun bis schwärzlich gefärbt, innen ist sie hellbgelb bis weiß. Sie reicht sehr tief in den Boden hinein. Der Stängel ist saftig und ästig, dicht behaart und wächst bis zu eineinhalb Meter hoch. Die Wurzelblätter sind groß, gestielt und zungenförmig. Die Blätter an den Stängeln laufen wie die Zweige der Pflanze weit nach unten und sind wie die Wurzelblätter rauhborstig. Die Blüten weisen eine schmalglockige Form auf. Sie stehen endständig in einseitigen, eingerollten Trauben. Beinwurz blüht von Mai bis August in verschiedenen Farbvarianten. Am häufigsten sind die Blüten purpurrot oder rotviolett gefärbt, man findet aber auch weiß oder gelblichweiß blühende Pflanzen. Beinwell ist in Asien und in Europa verbreitet.

Standorte

Wie schon oben erwähnt, bevorzugt der Beinwell feuchte Wiesen, Gewässerufer und Gräben und kommt in Europa in ganz Mitteleuropa vor. Als Tiefwurzler lässt sich der Beinwell schwer ausrotten. Bei den Landwirten ist der Beinwurz wenig beliebt, da er sehr viel Bodenkraft verbraucht und zudem vom Weidevieh gemieden wird. Der Beinwell ist auch im Gebiet des Nationalpark Hohe Tauern heimisch und zählt damit zu den Pflanzen im Nationalpark Hohe Tauern.

Inhaltsstoffe und heilkräftige Pflanzenteile

Beinwell beinhaltet Allantoin, Gerbstoffe, Schleim und Pyrrolizidin-Alkaloide. Als heilkräftige Pflanzenteile werden im Frühjahr oder im Herbst die Wurzeln ausgestochen. Das Ausziehen ist nicht möglich, da die Wurzel dabei abbrechen würde, da sie sehr fest sitzt und tief in den Boden reicht. Das frische Kraut wird vor und während der Blüte gesammelt. Die Wurzel lässt sich nur schwer trocknen. Man lässt sie nach der Ernte etwas antrocknen, schneidet sie dann der Länge nach in Stücke und trocknet diese in Ofennähe. Andere Trocknungsmöglichkeiten bestehen im Auffädeln der geschnittenen Wurzelstücke auf eine im Freien aufgespannte Schnur und das nachfolgende Trocknen in der Sonne oder im Halbschatten. Die ganze Pflanze weist wenig Geruch und Geschmack auf, ist aber sehr schleimig, schwach klebrig und zusammenziehend.

Heilwirkung

Der Beinwell beinhaltet mehr Allantoin als jede andere heimische Pflanze. Allantoin wird für die Zellbildung benötigt und bringt schwer heilende Wunden selbst nach Eiterbildung zum Heilen. An Heileigenschaften wird dem Beinwell abschwellende, entzündungswidrige, schmerzstillende Wirkung nachgesagt. Darüber hinaus fördert er die Bildung von neuem Knochengewebe nach Knochenbrüchen und kann als Osteoporoseprophylaxe eingesetzt werden.

Anwendung

In der Homöopathie wird Beinwell bei Knochenbrüchen, Prellungen, Gelenksschmerzen und Durchblutungsstörungen angewandt. Als Salbe eignet sich der Beinwurz – man verwendet dabei die Blätter - sehr gut bei Blutergüssen. Verdünnte Wurzeltinktur wird als Umschlag bei Prellungen, Verstauchungen, sowie bei Muskel- und Knochenverletzungen eingesetzt.

Früher war in der Volksmedizin auch die innerliche Anwendung üblich. Davon wird heute dringend abgeraten, da einige der in der Pflanze enthaltenen Alkaloide die Leber schädigen können. Auch die äußerliche Anwendung sollte auf vier bis sechs Wochen beschränkt werden und für Schwangere ist dieses alte Heilmittel ungeeignet.

Quellen

  • Richard Willfort, Gesundheit durch Heilkräuter, Rudolf Träuner Verlag Linz/D., 6. Auflage, 1964
  • Dieter Podlech, Heilpflanzen, GU Naturführer, Gräfe und Unzer
  • Susanne Haubner, Frauenkräuter, Kalender 2011, Haubner & Haubner KG, Salzburg; TEH;