Zeller See im Winter

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Erste zarte Eisdecke auf dem Zeller See
Das Südufer des eisfreien Sees an einem nebeligen Wintertag
Sonnenanbeter und Fußgänger auf der Eisdecke des Zeller Sees

Je nach Witterung bleibt der Zeller See im Winter eisfrei oder es bildet sich eine geschlossene Eisdecke, die im Wandel der Zeit in unterschiedlicher Weise genutzt wurde. Kommt es tatsächlich zu einer Klimaerwärmung, wird der See in Zukunft häufiger offen bleiben.

Die Eisdecke auf dem Zeller See

Der Zeller See (Pinzgau) bildete bisher in fast allen Wintern eine geschlossene Eisdecke, die meist auch für die Begehung frei gegeben werden konnte, wenn Qualität und Stärke des Eises es erlaubten. Die Eisdecke wurde nach Josef Lahnsteiner früher um den 10. Jänner herum tragfähig und erreicht im Höchstfall eine Stärke von 50 cm. Sie hält in durchschnittlichen Wintern bis ca. Ende März.

In früheren Zeiten, als Wege und Straßen Richtung Thumersbach vom Salzachtal einerseits und von Zell am See andererseits notorisch schlecht waren, war die Eisbildung auf dem See eine ersehnte Erleichterung. Die Eisdecke des Sees bildete einen kurzen und angenehmen Weg von und nach Thumersbach, der zu Fuß und mit Fuhrwerken genutzt wurde.

Seit einem weiter unten erwähnen Unfall im Rahmen eines Sportbewerbes darf die Eisdecke, sobald sie behördlicherseits freigegeben ist, auch heute noch zu Fuß, mit den Langlaufschiern oder mit den Schlittschuhen genutzt werden, aber das Befahren mit Fuhrwerken, Motorrädern oder Pkw für Verkehrs- oder Sportzwecke ist aus Sicherheitsgründen nicht mehr erlaubt. Zuletzt war der Zeller See in den Wintern 2010/2011, 2012/2013 und 2016/2017 mit tragfähigem Eis bedeckt.

Die Verwertung des Eises in früherer Zeit

Als es noch keine elektrisch betriebenen Kühlräume und Kühlschränke gab, behalf man sich mit Eis aus Seen, Teichen oder Flüssen. Die Eisgewinnung erfolgte in Handarbeit mittels spezieller Sägen. Es wurden ganze Blöcke heraus geschnitten und zu den sog. Eiskellern transportiert, in denen das dort deponierte Eis über die warme Jahreszeit Bier und Lebensmittel kühlte. Die Eisgewinnung war schwer und gefährlich und galt als Männerarbeit. Es ist aber bekannt, dass mancherorts auch Frauen armer Familien Eis gesägt und gehackt haben.

Die Brunn- und Walllöcher in der Eisdecke des Zeller Sees

Eine Besonderheit in der Eisdecke des Zeller Sees sind die meist runden eisfreien oder dünneisigen Stellen, die sog. Brunnlöcher. Sie befinden sich in Ufernähe, die sog. Walllöcher aber auch im Bereich der Seemitte. Die Brunnlöcher bilden sich durch aufsteigende Grundquellen. Die zu beobachtenden Luftblasen beinhalten Methangas, das bei Fäulnis organischer Stoffe entsteht. Infolge von Temperatur und Bewegung hemmen oder verhindern sie die Eisbildung. Die aufsteigenden Gase sind entflammbar. Die Walllöcher entstehen ebenfalls durch chemisch-biologische Prozesse. Die Löcher in der Eisdecke sind meist 25 bis 30 cm groß, manche haben aber einen Durchmesser von bis zu zwei Meter. Diese dünneren oder eisfreien Stellen in der Eisdecke des Zeller Sees waren von je her Ursache für Unfälle.

Das „Kooperatorloch“

In der Weihnachtszeit des Jahres 1905 fuhr der Kooperator Jakob Hirzinger mit einem Beinschlitten von der Schule Thumersbach in rasantem Tempo Richtung Zell am See. Plötzlich brach er mit seinem Schlitten durch das Eis. Infolge der Geschwindigkeit bewegten sich Ross und Schlitten samt Fahrer unter der geschlossenen Eisdecke in Fahrtrichtung weiter. Der Kooperator glaubte sein letztes Stündlein habe geschlagen. Da aber die Unterseite der Eisdecke gerippt war, arbeitete er sich in seiner Todesangst mit seinen Händen an diesen Unebenheiten zurück zur Einbruchsstelle und konnte von herbeieilenden Helfern herausgezogen werden. Ross und Schlitten gingen verloren, aber der Kooperator war gerettet.

Die Eisdecke des Zeller Sees als Sportarena

Wenn der Zeller See zufriert und die Eisdecke behördlicherseits frei gegeben wird, dann dient diese heute wie früher für ausgedehnte Eislauftouren. Bis zu einem schrecklichen Unfall im Jahr 1974 wurde die Eisdecke des Zeller Sees aber auch für den Motorsport genutzt. 1952 fand das erste Int. Motorrad- und Auto-Eisrennen Zell am See auf dem Zeller See für Automobile und Motorräder statt. Zunächst nur als Motorrad-Skijöring, dann ab 1956 auch als Eisrennen in memoriam Prof. Dr. h.c. Ferdinand Porsche. Leider fand diese vom SAMTC organisierte Veranstaltung nur ein paar Mal statt, die unsicheren Witterungsverhältnisse, unerfüllbare behördliche Auflagen und ein Unglück mit Todesfolge 1974 führten letztlich zum Aus dieser beliebten und gut besuchten Veranstaltung. Gegenwärtig landen Paragleiter auf der freigegebenen Eisfläche und Langläufer und Schlittschuhläufer, sowie Eishockeyspieler nützen die Eisdecke für ihren Sport.

Die Eisdecke des Zeller Sees – ein Opfer des Klimawandels?

Während der See im 19. Jahrhundert und im 20. Jahrhundert im Winter jeweils nur einmal offen blieb (1876/1877, 1994/1995), das heißt keine geschlossene Eisdecke bildete, blieb der See in den bisherigen Wintern des 21. Jahrhunderts bereits drei Mal offen: 2000/2001, 2006/2007 und 2013/2014. 2014/2015 und 2015/2016 gab es eine zeitweilige Teilvereisung, jedoch nie eine geschlossene Eisdecke. Ob diese jüngste Häufung Zufall oder eine Folge der Klimaerwärmung ist und daher damit zu rechnen ist, dass der See in Zukunft während der Wintermonate öfters offen bleibt, wird sich zeigen.

Während in solchen Wintern die Eisdecke von jenen Menschen vermisst wird, die sie gerne als fußwegige Abkürzung zwischen Zell am See und Thumersbach oder für Schlittschuh-Touren nutzen, bietet der offene See im Winter gefiederten Gästen erweiterte Überwinterungsmöglichkeiten und man darf gespannt sein, wie und ob sich ein in kurzen Zeitabständen erfolgendes Offenbleiben des Sees auf die Anzahl und die Zusammensetzung der hier überwinternden Vogelarten auswirkt.

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