Salzburger Automobil-, Motorrad- und Touring-Club

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Seit 1. August 1959 waren Puch 500 als Pannenhilfefahrzeuge im Einsatz, dieser hier ist Baujahr 1965.
ÖAMTC Salzburg, Alpenstraße
ÖAMTC Salzburg, Südseite; schon früh am Morgen brennt das Licht

Der Salzburger Automobil-, Motorrad- und Touring-Club wurde 1907 als Salzburger Automobil Club (S.A.C., später SAMTC) gegründet.

Geschichte

Anfänge

Die konstituiernde Sitzung des Salzburger Automobil Clubs (S.A.C.) fand am 29. Oktober 1907 statt und man schloss sich an den 1898 in Wien gegründeten Österreichischen Automobil Club (ÖAC) an. Das Salzburger Volksblatt schrieb anlässlich der Gründung des S.A.C., dass es in Salzburg 13 Automobilisten und 43 Motorradfahrer gab. Erste Präsident des S.A.C. war Kunibert Graf Lamberg (der in der Emsburg wohnte).[1]

Im Jahrbuch des OEAC 1910 wird der S.A.C. als Kartellverein des Österreichischen Automobilclubs bezeichnet.

Vereinsstruktur 1910

  • Präsident: Kunibert Graf Lamberg, Embsburg bei Salzburg
  • Vizepräsident: Georg Kuhlmann, Schloß Urstein bei Hallein
  • Schriftführer: Dr. Gustav Freytag, Morzg bei Salzburg
  • Kassier: Georg Jung, Salzburg
  • Ausschussmitglieder:
Alexander Markgraf Pallavicini (Virgilstimme)
Klemens Baron Preuschen, Salzburg
Josef Klein, Salzburg
Gustav Stuböck, Salzburg

Das Klublokal und die Klubgarage war des Hôtel de l'Europe, die Klubabende fanden jeden Mittwoch statt[2]

Zwischenkriegszeit

Am 21. November 1924 wurde er nach kriegsbedingter Unterbrechung unter dem Präsidenten Komm.-Rat Hermann Gessele und dem Vizepräsidenten Friedrich Baron Mayr-Melnhof, dem Vater von Friedrich Mayr-Melnhof, sowie Komm.-Rat Josef Klein erneut ins Leben gerufen.[3] Die Büroräume waren im Haus Schwarzstraße Nr. 7 in der Stadt Salzburg untergebracht, die Clubabende fanden abwechselnd im Hôtel de l'Europe beim Hauptbahnhof oder im Hotel Münchnerhof in der Dreifaltigkeitsgasse statt.

Schon 1932 wurden an den Grenzstationen Walserberg, Steinpass, Rott (Freilassing) und Hangendenstein (Berchtesgaden) eigene Kioske eingerichtet, wo man Grenzdokumente und touristische Informationen bekam.

Durch den Kriegsausbruch kam es zu einer zwangsweisen Auflösung des S.A.C., der zu diesem Zeitpunkt, 1938 bereits 1 484 Mitglieder in Salzburg zählte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Im Februar 1946 erhielt dann der S.A.C. die Genehmigung von der Landesregierung zum Wiederbeginn. Am 30. November 1946 fand die erste Generalversammlung des S.A.C., der sich mit dem zweiten damals vorhandenen Club, dem Österreichischen Touring-Club, zusammengetan hatte, statt. Zunächst fand das winzige Büro am Makartplatz Nr. 7 Platz, ab 1950 in einem Neubau am Max-Ott-Platz Nr. 6.

Eine wichtige Aufgabe übernahm der Club dann ab August 1951 am Grenzübergang Walserberg. Es herrschte ja noch Visumspflicht nach Deutschland und ein Kiosk wurde dort zwecks Ausstellung und Information errichtet.

Am 3. Februar 1955 eröffnet der SAMTC in den ehemaligen Garagen des früheren Hôtel de l'Europe an der Kaiserschützenstraße in Salzburg ein mit modernsten Geräten ausgestattetes technisches Prüfzentrum für Kraftfahrzeuge. Am 27. August wurde dann das langjährige Clublokal in der Schrannengasse bezogen. 1955 zählte der SAMTC bereits 12 000 Mitglieder.

Der Verkehrsübungsplatz an der Innsbrucker Bundesstraße wurde 1967 errichtet.

In den 1970er-Jahren übersiedelten dann das Büro nochmals in die Alpenstraße, wo sich der SAMTC noch heute befindet.

Die Geschichte der mobilen Pannenhilfe beginnt

Die Geschichte der mobilen Pannenhilfe startete am 1. August 1959 mit vier Puch 500 als die "Gelben Engel". Damals zählte der ÖAMTC in Salzburg bereits mehr als 13 000 Mitglieder. In den Anfangszeiten patrouillierte die "Straßenwacht" stündlich rund um die Stadt Salzburg bis zur oberösterreichischen Landesgrenze sowie bis zum Pass Lueg. In der Zeit zwischen den Kontrollfahrten hielten sich die Pannenhelfer möglichst sichtbar an der Strecke auf. Vorbeikommende Kraftfahrer konnten anhalten und die ÖAMTC-Patrouille über Pannen oder Unfälle entlang der Strecke informieren. Der Patrouillen-Dienst der Pannenhilfe hatte damals übrigens auch eine wichtige Funktion im Rettungswesen: Bei schweren Verkehrsunfällen wurde von den Pannenfahrern am Straßenrand eine Fahne mit der Aufschrift "Arzt gesucht" ausgesteckt, um vorbeikommende Mediziner zu alarmieren. Zudem waren alle Fahrzeuge des Pannendiensts mit Blutplasma-Konserven bestückt.

1959 waren in Salzburg knapp 30 000 Autos und etwa doppelt so viele Motorräder zugelassen. Mit der Motorisierung und dem zunehmenden Fremdenverkehr stieg auch die Zahl der Panneneinsätze. Am Sehnsuchtsort vieler Salzburg-Besucher, der Großglockner Hochalpenstraße, blieben besonders viele Autos liegen. Im Juli 1963 übernahm der ÖAMTC deshalb mit zwei Pannenhelfern die Straßenwacht am Großglockner. Allein in den ersten sechs Wochen wurden die "Gelben Engel" zu 823 Einsätzen gerufen.

Karajan kam am Gaisberg von der Straße ab

Unter den ÖAMTC-Mitgliedern waren schon damals prominente Persönlichkeiten. Dies machte sich vor allem während der Festspielzeit bemerkbar: Herbert von Karajan, bekannt für seinen rasanten Fahrstil, benötigte mehrmals die Hilfe der "Gelben Engel". So landete der Dirigent bei einer Ausfahrt am Gaisberg mit seinem PS-starken Fiat Abarth recht unsanft in einer steil abfallenden Böschung, knapp vor einem Bach. "Herr Karajan hielt mir den Autoschlüssel entgegen und sagte, ich solle das Fahrzeug bergen, aber ja keinen Kratzer reinmachen, denn der Wagen sei nur geliehen", erinnert sich der ehemalige Pannenfahrer und spätere Technik-Chef Robert Stöllinger. Dem legendären Jedermann-Darsteller und Mercedes-Liebhaber Curd Jürgens eilte Stöllinger ebenso zur Hilfe wie der Sängerin Grace Bumbry.

Jedes Jahr zweimal zum Mond und zurück

2019 zählte der ÖAMTC Salzburg 127 000 Mitglieder. Pro Jahr rücken die Pannehelfer zu rund 60 000 Einsätzen und Abschleppungen aus. Die modernen Einsatzfahrzeuge des ÖAMTC sind rollende Werkstatt, Computer- und Elektroniklabor, Diagnosegerät, Ersatzteillager und Abschleppwagen in einem. Trifft der ÖAMTC-Pannenhelfer ein, kann er neun von zehn Fahrzeugen direkt vor Ort wieder flott machen. Pro Jahr legen die Mitarbeiter im Pannendienst 1 500 000 Kilometer zurück - das bedeutet zweimal die Strecke von der Erde zum Mond und zurück!

Jänner 2017 - Rekordeinsatz

Der kälteste Jänner seit 30 Jahren war der Jänner 2017. Er sorgte dafür, dass er auch beim SAMTC einen Rekord brachte. Insgesamt 1 611 Mal rückten die „Gelben Engel“ im Jänner aus, um Pannenhilfe zu leisten. Damit geht der Jänner 2017 als einsatzreichster Monat in die 110-jährige Geschichte des Salzburger Clubs ein. Zum Vergleich: 2016 gab es im Jänner 6 231 Einsätze, 2015 nur 5 238. Im Schnitt verzeichneten die Pannenhelfer 342 Einsätze pro Tag. Der einsatzstärkster Tag war der 8. Jänner 2017 mit insgesamt 757 Pannenhilfen und Abschleppungen.

Absoluter Spitzenreiter war die Landeshauptstadt mit 4 312 Panneneinsätzen, gefolgt vom Pongau (2 017), dem Pinzgau (1 521), dem Flachgau (1 291) und dem Lungau (822). Die wenigsten Einsätze verzeichnete der SAMTC im Tennengau (648).

In 40 Prozent aller Fälle war die Batterie betroffen, dicht gefolgt von Problemen mit der Kraftstoffzufuhr (32 Prozent) und defekten Startern (sechs Prozent).[4]

Sektionen

Zwischenkriegszeit: Der S.A.C. hatte einen Sportausschuss (Vorbereitung von motorsportlichen Veranstaltungen), Verkehrsausschuss (Tätigkeitsschwerpunkt: Verbesserung der Straßenverhältnisse, Erleichterungen im internationalen Grenzverkehr) und eine Nutzkraftwagen-Sektion.

Eine eigene Flug-Sektion, die Aero-Sektion, wurde dann 1930 gegründet und widmete sich dem Segelflug am Haunsberg. Einer der bekanntesten Mitglieder war Eduard Kuhn, der am Salzburger Flughafen eine Flugschule betrieb und 1932 bei einem Absturz ums Leben kam.

Die Präsidenten

Veranstaltungen vom SAMTC organisiert

Ab 1974 Mitorganisator der Oldtimer Grand Prix am Salzburgring.

Sonstiges

2010 leistete der SAMTC in Stadt und Land Salzburg 40 872 Mal Pannenhilfe[5].

Quellen

Einzelnachweis

  1. Quelle SAMTC 1907–1997, Chronik
  2. Handbuch des Oesterreichischer Automobil-Clubs 1910, zusammengestellt von Friedrich Cubasch, k.u.k. Rittmeister d. R., herausgegeben von Ingenieur Konrad & Bleyer, technisch-literarisches Bureau
  3. Quelle anno, Allgemeine Automobil-Zeitung, Ausgabe vom 15. Februar 1925, Seite 4
  4. Quelle Salzburg24
  5. Quelle Salzburger Woche, 3. Februar 2011