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Blässhuhn

Brütendes Blässhuhn
Mit gespreizten Flügelstummeln bettelt eines der zwei Blässhuhnküken den Altvogel um Futter an. Zeller See Nordufer, 22. Mai 2018
Blässhuhn mit bemerkenswertem Fang – einem gar nicht so kleinen Flussbarsch
Blässhuhn, im Moment des Auftauchens mit Wandermuscheln, Zeller See
Groß und klein: Höcker-Schwan und Blässhuhn auf dem Eis des Zeller Sees
Eine Sturmmöwe versucht auf dem Zeller See einem Blässhuhn das Futter abzujagen
Blässhuhn mit Beute auf dem Glatteis des Zeller Sees
Ein "halbstarker" Haubentaucher bringt ein Blässhuhn auf die Palme

Das Blässhuhn (Fulica atra) zählt zur Familie der Rallen (Rallidae) – sie zählen zu den Wasservögeln – und kommt an den Gewässern im Bundesland Salzburg bis in eine Seehöhe von 1 400 m ü. A. häufig vor.

Inhaltsverzeichnis

Aussehen

Das Gefieder des Blässhuhns ist schwarz und erscheint am Kopf etwas dunkler als am Rumpf. Das Blässhuhn hat einen spitzen weißen Schnabel und trägt auf der Stirn einen weißen Schild (Blesse), der namengebend für diesen Schwimmvogel war. Das Blässhuhn hat rote Augen und weist eine Länge von bis zu 38 cm auf. Es kann bis zu 15 Sekunden tauchen. Männliche Tiere sind mit 600 Gramm etwas leichter als die 800 Gramm schweren Weibchen und am etwas größeren Hornschild erkennbar. An den grünen, gelben oder grauen Füßen befinden sich drei Schwimmlappen an jeder Zehe, im Gegensatz zu den durchgehenden Schwimmhäuten der Stockente oder des Schwans. Die guten Schwimmer tauchen mit einem charakteristischen Kopfsprung bis in eine Tiefe von knapp zwei Metern, um dort Nahrungspflanzen aufzunehmen. An Land befindliche Blässhühner bewegen sich ähnlich wie das Haushuhn. Schnelles Laufen wird von Flügelschlagen begleitet. Beim ungestörten Auffliegen vom Wasser oder von festem Grund laufen die Blässhühner zunächst mehrere Schritte, können aber in der Not auch vom Stand auffliegen. Die Frequenz der Flügelschläge im Flug ist hoch, die Beine überragen die Schwanzspitze und der Hals ist vorgereckt.

Vorkommen

Das Blässhuhn kommt in Mitteleuropa, in Osteuropa, in Nordafrika, in Sibirien, in Japan und in Australien vor und gilt nicht als gefährdete Art. Blässhühner sind Standvögel und Kurzstreckenzieher, wobei ihre Zugneigung grundsätzlich vom Nordosten bis in den Südwesten Europas abnimmt. In ihrem gesamten Lebensraum sind Blässhühner potentielle „Winterausharrer“ und seit einigen Jahren überwintern sie auch in Litauen und in Weißrussland auf eisfrei bleibenden Brauchwasserbecken. In Mitteleuropa können während der Zugzeiten häufig Durchzügler beobachtet werden, die einzeln und vor allem in der Nacht ziehen, obwohl Blässhühner sonst tagaktive Tiere sind. Die Nahrungssuche der Blässhühner erstreckt sich auf Gewässer und Uferareale. Sie ernähren sich von Wasserpflanzen, Algen, Gräsern und Kleintieren (Insekten, Muscheln, kleine Fische, Schnecken). Blässhühner sind Allesfresser. Sie fressen daher auch Abfälle und Entenfutter sowie im Sommer auch Schilf, das dann einen hohen Gehalt an Rohproteinen und an Kohlehydraten aufweist. Sie schmarotzen Nahrung bei Schwänen, Enten und auch bei Artgenossen und werden ihrerseits von Gründelenten, Möwen und Krähen bestohlen.

Bevorzugte Brutgebiete sind flache Teiche, Seen, Baggerseen, Tümpel, Feuchtgebiete und langsam fließende Gewässer mit zahlreichen Wasserpflanzen.

Fortpflanzung

Blässhühner werden im ersten Lebensjahr geschlechtsreif, brüten aber erst im zweiten Lebensjahr. Sie sind während der laufenden Brutsaison monogam und es sind gelegentlich längere Paarzusammenhalte zu beobachten.

In das Anfang bis Mitte April errichtete Nest werden vier bis zwölf Eier gelegt, die 21 bis 23 Tage bebrütet werden. Die Küken sind Nestflüchter, kehren aber in den ersten Lebenstagen noch zum Schlafen und Ausruhen in das Nest zurück. Später ziehen sie mit den Eltern durch deren Revier. Das Brutpaar verteidigt das Revier gegenüber Enten etc. gemeinsam, wenn nötig durch Anschwimmen, Flügelschlagen und auf dem Wasser Laufen. Dabei wird der Hals vorgestreckt, der Stirnschild nach vorne geneigt und schrille, lang andauernde Zeterlaute oder luftlos scheinende kurze Explosivlaute abgesetzt. Selbst Schwäne weichen dieser elterlichen Entschlossenheit.

Küken und Jungvögel

Die Küken weisen schwärzliche Daunenfedern, an Kopf und Hals durchsetzt mit längeren gelblichen Daunen, auf. Der Kopf ist zuerst überwiegend nackt und erscheint rötlich. Der Jungvogel erwirbt mit dem Wachstum gräuliches Gefieder mit weißlicher Brust und hellem Gesicht. Die Aufzuchtzeit dauert 40 bis 60 Tage. Lautmäßig ist diese Zeit von einem fortwährenden und weithin hörbaren Bettelfiepen gekennzeichnet. Der Kopfschild entwickelt sich langsam – am Beginn ist er wie der Schnabel grau gefärbt – und erst nach und nach entsteht die Weißfärbung des adulten Tieres. Noch im Schlupfjahr wechseln die Jungvögel in das schwarze Erwachsenenkleid.

Blässhühner überwintern in Gruppen zusammen mit anderen Wasservögeln auf eisfreien Wasserflächen.

Gefahren

Gelegeverluste durch starke Wasserstandsschwankungen, extrem kalte Winter, Botulismus und Wurmbefall, Pestizide, Stellnetze und Bisamrattenfallen sind die häufigsten tödlichen Gefahren für die in Gruppen lebenden Blässhühner.

Aber auch die hohe Sterberate der Jungvögel (75 bis 87 % im ersten Lebensjahr) und der zweijährigen Vögel (48 bis 72 %) wirkt sich auf den Bestand aus. Der bisher älteste Ringvogel wurde in Dänemark aufgefunden. Er war 20 Jahre und sieben Monate alt.

Bestand

Auch wenn in einigen Regionen starke Abnahmen des Bestandes zu bemerken sind, ist trotz der hohen Mortalitätsrate im Jugend- und frühen Erwachsenenalter der Bestand der Art in Europa im Wachsen begriffen. Eine Rolle spielen dabei Veränderungen wie abnehmender Jagddruck in Mitteleuropa, Eutrophierung der Gewässer, Zunahme der Winterfütterung und die Schaffung künstlicher Gewässer.

Ringmeldung

Es macht Sinn, beim Beobachten von Vögeln oder bei der Auffindung von toten Vögeln auch einen Blick auf eine eventuelle Beringung zu werfen. Ringfunde können jederzeit nach Radolfzell[1] gemeldet werden und sind ein aktiver Beitrag zur wissenschaftlichen Erfassung und zum Schutz der Vögel Europas. Wer einen Ringfund meldet, erhält nachfolgend einen Lebenslauf des betreffenden Vogels, was sehr interessant sein kann.

Quelle

  • Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum Thema "Blässhuhn"

Einzelnachweis