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Int. Motorrad- und Auto-Eisrennen Zell am See

1956: Der einarmige Innsbrucker Otto Mathé (links) gewann vor dem legendären deutschen Porsche-Rennleiter Huschke von Hanstein (Porsche).
1956: Der 490 Kilogramm Leergewicht ultraleichten Sportwagens namens MA-01 von Otto Mathé aus dem Jahr 1952. Der Renner, Spitzname „Fetzenflieger, hat einen 1,5 Liter großer Porsche-Motor mit 130 PS im Heck

Das Int. Motorrad- und Auto-Eisrennen Zell am See in memoriam Prof. Dr. hc. Ferdinand Porsche fand zum ersten Mal 1952 statt und wurde dann je nach der Eisdecke auf dem Zeller See bis in die 1970er-Jahre veranstaltet. 2019 gab es eine "Wiedergeburt" in der Form des GP Ice Race in Zell am See.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Schon vor dem Zweiten Weltkrieg gab es am 31. Jänner 1937, veranstaltet vom Salzburger Automobil-, Motorrad- und Touring-Club (SAMTC) gemeinsam mit der Sektion Zell am See, ein Motorrad-Skijöring auf dem Zeller See.

Aber erst in den 1950er-Jahren entstand daraus eine Traditionsveranstaltung des SAMTC. Zunächst fand das Rennen nur als Skijöring ohne Auto-Eisrennen statt. Ab 1953 dann mit Automobilen und ab 1956 als internationales Motorrad- und Auto-Eisrennen Zell am See.

Aus Sicherheitsgründen wurden beim Motorrad-Skijöring der Skifahrer nur mehr von Solomotorrädern bis 250 cm³ Hubraum und Tourenwagen am Strick "nachgezogen", während ab 1953 alle schnelleren Fahrzeuge ohne einen Skifahrer fuhren.

1952

Das erste Porsche-Gedächtnisrennen hätte am 10. Februar 1952 am Zeller See, veranstaltet vom SAMTC Zell am See, stattfinden sollen. Eine Runde auf dem Zeller See wäre 1 000 Meter lang bei einer Breite bis zu vier Meter gewesen. Wegen heftigem Schneetreiben musste man kurzfristig vom See-Kurs auf eine Ausweichstrecke an Land ausweichen, die 1 800 m lang war.

1953

Am 1. Februar 1953 ging das 2. Porsche-Gedächtnisrennen statt. Diesmal waren auch Automobile am Start. Trotz der Teilnahme von Porsche-Sportwagen fuhr ein Motorrad die schnellste Zeit mit einem Schnitt von fast 85 km/h.

Bei den Motorrädern gewann neuerlich Paul Schwarz auf Puch Sport in der Klasse bis 125 cm³ sowie in der Klasse bis 175 cm³ mit Toni Koch als Skifahrer. In der Klasse bis 175 cm³ kam der Salzburger Helmut Volzwinkler auf den zweiten Platz auf Puch Sport, die Klasse bis 250 cm³ gewann er, in der Klasse bis 350 cm³ wurde er wieder Zweiter. In dieser Klasse gewann der Halleiner Karl Wahrstätter mit Reinhold Wahrstätter als Skifahrer. Das Wahrstätter-Duo mit ihrer "Victoria 350 SS" wurde in Klasse bis 500 cm³ Zweite, in der Klasse bis 750 cm³ Dritte.

Der Saalfeldener Willi Faude war der schnellste bei den Automobilen, in der Klasse Sportwagen bis 1 500 cm³ siegte Ing. Herbert Kaes (Salzburg).

1954

Das Rennen fiel wegen starkem Regen aus.

1955

Das 3. Porsche-Gedächtnisrennen fand am 6. Februar 1955 statt, bei dem 40 Fahrer an den insgesamt acht Rennen teilnahmen. Je Rennen musste der ein Kilometer lange Rundkurs dreimal durchfahren werden. Es wurden 1 500 Zuschauer gezählt. Bei den Motorräder fuhr die schnellste Runde Hans Kinigader (der Vater des späteren KTM-Stars Heinz Kinigadner) auf BMW mit Skifahrer Holzer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 92,8 km/h. Der einarmige Innsbrucker Otto Mathé auf Porsche erreichte ohne Skifahrer einen Schnitt von 97,3 km/h.

1956

Am 12. Februar 1956 wurde das Rennen erstmals als internationales Motorrad- und Auto-Eisrennen Zell am See ausgetragen. In der Klasse bis 125 cm³ gewann Paul Schwarz. Schnellster Motorradfahrer war Hans Kinigadner (auf BMW R 68). Bei den Beiwagen fuhr Ernst Kussin im Alleingang.

Bei den Sportwagen erreichte der einarmige Berchtesgadener Fred Hartmann zwei Klassensiege auf DKW. Bei den Automobilen siegte der einmarmige Innsbrucker Otto Mathé mit seinem 490 Kilogramm Leergewicht ultraleichten Sportwagens namens MA-01 (das Rennauto mit dem Spitzname „Fetzenflieger, hat einen 1,5 Liter großer Porsche-Motor mit 130 PS im Heck) vor dem deutschen Porsche-Rennleiter Huschke von Hanstein (Porsche RSK).

Mit drei Siegen, die Skijörings bis 125 cm³ und 175 c³ sowie die Sonderwertung des Eisrennens bis 175 cm³, war Der Tiroler Franz Albert aus Wörgl auf Mondial der erfolgreichste Fahrer von 35 Solo-Motorrädern und 20 Automobilen.

1957

Für das Rennen am 10. Februar 1957 wurde die Strecke auf 1 250 Meter verlängert und 5 000 Zuschauer erlebten wieder spannende Rennen auf dem zugefrorenen See. Der einarmige Innsbrucker Otto Mathé fuhr bei den Automobilen die schnellste Runde mit 102,3 km/h.

Bei den Motorrädern dominierten KTM-Maschinen: In der 125-cm³-Klasse Skijöring siegte Paul Schwarz vor Manfred Magnus und Erwin Lechner (alle drei auf KTM), in der Klasse bis 175 cm³ Skijöring wurde Schwarz Vierter und Lechner Sechster; mit den 125-cm³-Maschinen wurden dann auch noch im Eisrennen bis 175 cm³ durch Franz Albert der Sieg und durch Schwarz ein zweiter Platz heraus gefahren; Lechner wurde in diesem Rennen Vierter; in den Rennen bis 250 cm³ und 350 cm³ konnten die 125-cm³-Modelle noch jeweils Zweite werden mit Albert (in der 250-cm³-Klasse) und Lechner (in der 350-cm³-Klasse). Dabei war Erwin Lechner mit seinem 125-cm³-Motorrad sogar schneller als Alois Maxwald auf seiner 350-cm³ AJS.

Bei den Automobilen war wiederum der einmarmige Innsbrucker Otto Mathé am Start, sowie Porsche-Rennleiter Huschke von Hanstein (Porsche RSK), Ernst Vogel auf Porsche Sypder un Sepp Greger auf Porsche 356 Carrera.

1958

1958 sollte das Rennen am 16. Februar stattfinden. Es musste jedoch wegen zunächst starkem Regen, dann starkem Schneefall abgesagt werden. Es wäre mit 100 Startern das bisher größte Teilnehmerfeld gewesen.

1959

Am 15. Februar 1959 konnte bei prachtvollem Wetter wieder ein Rennen am See stattfinden. Bei den Automobilisten waren so klangvolle Namen wie Otto Mathé, Richard von Frankenberg, Huschke von Hanstein, Sepp Greger und andere angetreten, bei den Motorradfahrern fanden sich Franz Albert aus Tirol, die Brüder Wahrstätter, Paul Schwarz, Erwin Lechner und der unverwüstliche Österreicher Pepi Walla ein. Rund 6 000 Besucher verfolgten dann spannende Rennen.

Die Ergebnisse (Auswahl):

  • Skijöring Klasse bis 175 cm³: 1. Paul Schwarz, Salzburg auf KTM; 2. Ziegler, Mittersill, auf Puch und 3. Schrems aus Straßwalchen auf Puch;
  • Eisrennen bis 250 cm³: 1. Franz Albert, Wörgl, auf MV-Augusta, 2. Erwin Lechner, Hallein, auf KTM
  • Eisrennen bis 350 cm³: 1. Reinhold Wahrstätter, Hallein, auf BSA, 2. Karl Wahrstätter, Hallein, auf BSA, 3. Erwin Lechner, Hallein, auf KTM - allerdings einer 175-cm³-Maschine!

1960

Das am 14. Februar 1960 hätte stattfindende Eisrennen musste in letzter Minute abgesagt werden. Ein Unimog der Stadtgemeinde Zell am See war bei Schneeräumungsarbeiten eingebrochen und die zuständigen Behörden konnten sich nicht entschließen, die Rennstrecke freizugeben.

1961

Am 5. März 1961 fand das 7. Porsche-Gedächtnis-Skijöring am See vor 6 000 Zuschauern statt. Das spannendste Rennen des Tages bot die Solo-Motorradklasse bis 500 cm³. Der Sohn des Wiener Sandbahnfahrers, Günther Walla, lieferte dem späteren Tagesschnellsten, Josef Siegl aus Schlierhausen, einen erbitterten Kampf. Dieser wurde erst in der letzten Kurve entschieden. Walla überholte und kam zu Sturz, blieb aber unverletzt. Siegl holte sich den Tagessieg.

Die Eisbahn wurde im Verlauf der Rennen immer weicher. Dadurch konnten die Fahrer der Automobile die von den Motorrfahrern erreichten Zeiten nicht mehr unterbieten. Eine tolle Leistung bot dann noch der Münchner Sepp Greger. Er wurde trotz des eingegipsten rechten Armes Klassensieger. Tagesschnellster Autofahrer wurde Franz Albert aus Wörgl auf seinem Porsche Spyder RSK.

1962

Das für den 17. Februar 1962 geplante Eisrennen fällt aus.

1963

Auch in diesem Jahr fand kein Rennen statt.

1964

Am 23. Februar 1964 fand das 8. Porsche-Gedächtnisrennen am See statt, zu dem rund 12 000 Besuchern gekommen waren. Für insgesamt zehn Rennen hatten Fahrer aus Österreich und Bayern ihre Nennungen abgegeben.

Der Münchner Sandbahnspezialist Otto Lantenhammer stellte mit 109,7 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit einen neuer Bahnrekord auf. Für eine Runde von 1&nsp;000 m fuhr er in 32,8 Sekunden und gewann das Rennen der Soloklasse bis 500 cm³.

Besonders spannend waren die Rennen der Grand-Tourisme-Klassen. Das Duell zwischen Sepp Greger auf einem Porsche Carrera und Hans Malz mit einem Formel-Junior-Wagen war einer der Höhepunkte des Tages. Trotz eines platten Reifens wurde Sepp Greger im 1 600-cm³-Rennen noch Zweiter. Dafür fuhr er mit 98,6 km/h Schnittgeschwindigkeit die schnellste Runde der Grand-Tourisme-Wagen. Überraschend siegte Hans Ortner aus Villach auf Puch 600 in der Grand-Tourisme-Wagenklasse bis 1 300 cm³.

1966

Für dieses Jahr stand im österreichischen Motorsportkalender als Termin der 20. Februar 1966. Ob ein Rennen tatsächlich stattfand, konnte noch nicht eruiert werden[1]

1969 und 1970: Eisrennen am Alpenflugplatz

1971

1971 fand wieder ein Rennen am See statt.

Rund 5 000 Zuschauer erlebten Sonntag, 14. Februar 1971 beim Eisrennen auf dem Zeller See überaus spannende und schnelle Rennen. "Mann des Tages" war der Saalfeldner Walter Wartbichler, der auf seiner ESA die schnellste Runde des Tages drehte (Durchschnittsgeschwindigkeit 121,9 km/h) und auch den bisher höchsten Schnitt in der Geschichte des Zeller Eisrennens markierte.

Bei den Automobilen überraschte der Grazer Josl mit seinem NSU 1200 TT, mit dem er zwei Klassensiege und drei dritte Plätze eroberte. Darüber hinaus war er schneller als z. B. der Münchner Stammgast Sepp Greger auf Porsche 914/6. Den absolut schnellsten Wagen steuerte der Villacher Egger, der die Formel V-Klasse mit 101,2 km/h dominierte. (Zitat Quelle Salzburger Nachrichten vom 15. Februar 1971)

1972

In diesem Jahr fand kein Rennen statt.

1973

Trotz des Warmwetter-Einbruchs in der Vorwoche und Schneetreibens am Renntag wurde am Sonntag, 11. Februar 1973, das Eisrennen am Zeller See durchgeführt. Der Schwede Börje Sjöbom konnte auf Jawa alle drei Speedway-Rennen für sich entscheiden. Außerdem fuhr er die schnellste Runde mit 31,5 Sekunden mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 114,28 km/h.

In der Beiwagenklasse dominierte der Steirer Gottlieb Sonnweber auf ESO, während bei den Automobilien der Zweikampf zwischen Kurt Brückl aus Tirol und dem Rallye-Spezialisten Klaus Russling aus Kärnten im Vordergrund stand. Kurt Brückl entschied alle drei Rennen für sich. (Zitat Quelle Salzburger Nachrichten vom 12. Februar 1973)

1974

Nachdem die Probleme wegen der Energie- bzw. Benzinkrise geklärt wurden, begann man mit den Vorbereitungen für das diesjährige Porsche Gedächtnisrennen, da es das einzige internationale motorsportliche Ereignis des Pinzgaus war. Teilnehmer aus der ganzen Welt waren angesagt. Bei den Automobilien mag der Name des weltbesten schwedischen Rallyefahrers Björn Waldegaard der bekannteste sein. Der Favorit bei den Motorrad-Eisspezialisten war zweifellos der schwedische WM-Teilnehmer Kurt Westlund. (Zitate Quellen Salzburger Nachrichten, 9. Februar 1974 und Pinzgauer Post, 6. Februar 1974)

Die Veranstaltung am 10. Februar 1974 musste aber aufgrund eines tödlichen Unfalls beim Schneeräumen kurzfristig abgesagt werden.

Das Ende der Veranstaltung

Die unsicheren Witterungsverhältnisse, unerfüllbare behördliche Auflagen und letztlich ein Unglück mit Todesfolgen 1974 führten aber dann zum Aus dieser beliebten und gut besuchten Veranstaltung.

Weblinks

Quellen

→ ein Schreiben aus dem Jahr 2001 von Prof. Dr. Peter Wittner vom Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium Zell am See an Helmut Krackowizer mit Recherche-Ergebnisse im Archiv der Salzburger Nachrichten

Einzelnachweise

  1. Quelle Austro Motor, internationale Auto- und Motorrundschau, Wien, Ausgabe 2/1966, aus dem Motorrad-, Literatur- und Bildarchiv Prof. Dr. Helmut Krackowizer