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Die Sage von der Übergossenen Alm am Hochkönig

Die Sage von der „Übergossene Alm“ am Hochkönig erzählt von der Entstehung des einzigen Gletschers in den Salzburger Kalkalpen.

In früheren Zeiten gab es anstelle eines Gletschers Wiesen und Matten mit hohem Gras und Rinderherden grasten auf der üppigen Weide. Die Almhütten waren behaglich, die Sennerinnen hübsch und Arbeit hatten sie genug, denn die Kühe gaben mehr Milch als anderswo. Was man auf das saftige Gras würzigen Kräutern zurück führte. Der Ertrag an Käse und Butter und Milch war reichlich, dass man gar nicht mehr alles ins Tal bringen konnnte.

Die Sennerinnen wurden reich und hatten viel Geld in den Taschen, was sie bald übermütig werden ließ. Die Glocken am Hals ihrer Kühe mussten von reinem Silber sein. Die Silberglocken klangen so hübsch, dass die Sennerinnen fanden, dass die Stiere nicht leer ausgehen durften. So erhielten die Stiere Glocken, die mit Gold überzogen waren und in der Sonne funkelten und glänzten. Aber auch das war den Sennerinnen noch nicht genug. Bald wollten sie das klare Bergwasser nicht mehr trinken und ließen sich den besten Wein fässerweise aus dem Salzburger Stiftskeller von St. Peter bringen.

Sie feierten ausgelassene Feste mit Jägerburschen von weit und breit, tanzten und sangen mit ihnen ganze Nächte lang. Wie es ihnen noch nicht so gut gegangenen waren, achteten sie den Lieben Gott. Doch jetzt betrachteten sie alle Gaben, als wären sie nicht dazu erschaffen worden, dass der Mensch davon lebte, sondern nur zu ihrem Vergnügen.

Die Sennerinnen wollten nun auch zarte und feine Gesichter und Hände wie die Gräfinnen haben, sie badeten in Milch und schütteten sie nachher schaffweise fort. Die Wege pflasterten sie aus reinem Übermut mit runden Käselaiben und füllten die Fugen dazwischen mit frischer Butter aus. Lachend meinten sie, das geschähe deshalb, damit der arme Teufel auch etwas zu fressen habe, wenn er nachts mit seinen Gesellen komme.

Mit einem Wort, sie wussten nicht mehr, was sie mit all dem Überfluss sinnvoll anfangen konnten.

Eines Tages kam ein armer Wanderer auf die Alm, der erschöpft um Nachtlager und Essen bat. Doch die Sennerinen jagten sie ihn mit harten Worten davon. „Der Teufel“, riefen sie, „soll dir eine Unterkunft geben, wir brauchen keinen ungebetenen Gast!“ Und weil der arme Kerl nicht im Stande war, sich schnell genug aus dem Staub zu machen, fielen sie mit ihren Besen zornig über ihn her.

Doch kaum war der Wanderer von der Alm verschwunden, da wälzten sich von den Teufelshörnern dunkle, unheimliche Wolken heran. Ein tosender Sturm erhob sich, es begann zu hageln, Eis und Schnee stob auf die zu Tode erschrockenen Frauen herab. Sie versuchten, das rettende Tal zu erreichen, aber der Schneesturm begrub sie mit Hütten und Herden und ewiges Eis deckte die friedlichen Wiesen für immer zu.

Noch heute liegen sie unter dem Eis, und der weite Gletscher unter dem Gipfel des Hochkönigs heißt seit jener Zeit die „Übergossene Alm“.

Quelle

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