Heinrich Seidl

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Heinrich Seidl

Heinrich Seidl (* 1940 in Salzburg) ist Pensionist und Modellbauer.

Leben

Heinrich Seidl kam als erstes von drei Kindern in Salzburg zur Welt. Der Vater arbeitete für die Städtischen Elektrizitätswerke, die Mutter kümmerte sich um eine kleine Landwirtschaft. Seidl ist seit Ende der 1960er Jahre mit Ehefrau Sieglinde verheiratet, hat eine Tochter und zwei Enkelkinder.

Vorgestellt

Manche Männer können sich für nichts so begeistern wie für die Welt im Kleinen. Die einen steuern bei Modellbaumessen stundenlang ihre ferngesteuerten Sattelschlepper nach vor und zurück. Andere bauen jahrelang an wohnzimmergroßen Lego-Bahnhöfen, Modellflugzeugen oder an Modellbauschiffen, wie Heinrich Seidl.

Unter den Modellbauern ragt der Salzburger heraus, wie Kenner der Szene bestätigen. Seidl begnügt sich seit Langem nicht mehr mit dem Anfertigen von Schiffsmodellen aus Baukästen. Er baut alles selbst.

Das Wort Basteln hören Leute wie Seidl ungern. "Basteln ist was anderes. Basteln ist, wenn man in der Schule etwas zusammenbaut." Tatsächlich handelt es sich bei Seidls Hobby um Handwerkskunst. Das erkennt auf den ersten Blick, wer einen Blick auf sein Holzmodell der "USS Constitution" wirft, auf die vielen feinen Taue an den Masten, die wenige Zentimeter langen, aus Messing gefertigten Kanonenrohre, die Hunderten, nur drei Millimeter breiten Deckenplanken aus Nussbaumholz.

Geduld hat er, der ehemalige Spengler- und Dachdeckermeister. Und die braucht er auch. "In Summe waren es rund 2500 Arbeitsstunden", sagt Seidl mit Blick auf die "USS Constitution". Umgerechnet auf eine 40-Stunden-Woche wären das mehr als 60 Arbeitswochen. "Mich reizt das, weil man immer wieder vor Schwierigkeiten steht, weil man immer wieder bautechnische Probleme lösen muss."

In Seidls Haus in Liefering reiht sich ein Modell an das andere, etwa die "Victory", auf der der legendäre Lord Nelson den Heldentod starb, oder die schwedische "Vasa", die 1628 gleich nach dem Stapellauf versank. Der Besucher kommt auch nicht an den zwei fein herausgeputzten Wurlitzern vorbei, die Fats Domino und Johnny Cash spielen, wenn Seidl alte 5-Schilling-Münzen einwirft. "In meiner Jugend habe ich das ganze Geld, das ich als Lehrling verdient habe, da reingeschmissen."

Seidl ist Handwerker durch und durch. Nach der Schule machte er eine Tischlerlehre, arbeitete mehrere Jahre als Geselle, lernte noch das Spengler- und Dachdeckerhandwerk und übernahm die Spenglerei des Schwiegervaters. Tagsüber arbeitete er auf den Dächern, nachts baute er anfangs Plastikflugzeuge, später Holzschiffe. "Das war für mich ein Ausgleich, eine Beruhigung nach der Hektik am Tag."

Mit Gleichgesinnten tauscht er sich beim US Navy Club in Salzburg aus. Und er widmet sich neuerdings dem Krippenbau. Sein größtes Projekt aber ist derzeit die "USS Bonhomme Richard", eine Fregatte aus dem 18. Jahrhundert. Woher er die Ausdauer nimmt? "Das hat man oder hat man nicht."

Quelle

  • Salzburger Nachrichten (Thomas Hödlmoser)