Kaiser Karl im Untersberg

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Die Sage vom Kaiser Karl im Untersberg ist die bekannteste Sage um den Untersberg im Flachgau.

Allgemeines

Im Berginneren, so heißt es, lagern unermeßliche Schätze; Zwerge und Riesen, Helden und Fürsten und auch die wilden Frauen, den Menschen wohlgesinnt, sind im Berg daheim. Aber das sagenumwobenste Geheimnis, das der Berg bewahrt, ist ein greiser Kaiser, der im Untersberg schläft, bis seine Zeit gekommen ist. Nur selten, alle hundert Jahre einmal, glückt es einem Sterblichen, sein Antlitz zu schauen.

Zunächst sah die Bevölkerung im Kaiser Kaiser Friedrich I. Barbarossa, später dann erst Kaiser Karl den Großen.

Die Sage

Einst weidete ein armer Hirtenknabe seine Herde am Fuß des Untersberges. Er saß auf einem bemoosten Stein und schnitzte an seinem Weidenpfeiflein, ab und zu einen wachsamen Blick auf die weidenden Lämmer und Ziegen werfend. Plötzlich stand wie aus dem Boden gewachsen ein zierliches Zwerglein vor ihm und fragte: "Heda, lieber Junge, willst du wohl den Kaiser Karl im Untersberg schauen?"

Der Knabe erwiderte unerschrocken, dass er dies wolle und folgte dem Zwerglein durch Gebüsch und über Felsgeröll und Schluchten und stieg tief in das Innere des Berges, bis sie endlich bei einer eisernen Tür anlangten, die fest verschlossen schien. Kein Schloss oder ein Schlüssel war zu sehen. Doch der Zwerg machte nur eine Handbewegung und mit Donner ähnlichem Krach sprang die Tür auf. Vor ihnen öffnete sich eine große, prächtige Halle, deren glitzerndes Gewölbe auf vielen hundert mächtigen Säulen ruhte. Die Wände der Halle waren von reinstem Silber und dazwischen strahlten hell leuchtende Karfunkelsteine. Ringsherum standen Wächter, stumm und starr, wie aus Granit gehauen. Ebenso regungslos, Bildsäulen gleich, lagerten Ritter und Landsknechte in der weiten Rundung des Raumes.

In der Mitte dieses gigantischen Saales aber sah der Hirte den greisen Kaiser auf goldenem Stuhl sitzen, vor ihm ein mächtiger Tisch mit schwerer marmorner Platte. Er hielt seine Augen geschlossen und schien zu schlafen, eine funkelnde Krone am Haupte tragend. Ein silberweiß glänzender Bart floss breit vom Antlitz des Herrschers herab und hatte sich schon zweimal um den marmornen Tisch herum geschlungen. Um den Kaiser saßen Edelleute, Grafen, Fürsten und geistliche Würdenträger, in glänzenden Rüstungen und kostbaren Gewändern. Sie hatten ihre Häupter in die Hände gestützt, doch auch sie waren stumm und ohne Bewegung und schienen gleich ihrem Kaiser in schweren, tiefen Schlaf versunken.

Der Hirte war ehrfürchtig erstaunt und sank vor des Kaisers Majestät auf die Knie. Da hob der Herrscher müde sein Haupt, seine Lider taten sich halb auf, und ein traumverlorener, verschleierter Blick traf den Knaben. Langsam öffneten sich die Lippen unter dem schneeweißen Bart und eine ehrfurchtgebietende Stimme sagte: "Sprich! Fliegen wohl zur Stunde die Raben noch um den Berg?" Und der Hirte erwiderte demütig: "Sie fliegen immer noch umher!"

Da senkte der Kaiser Schmerz erfüllt sein Haupt sprach mit klagender Stimme: "So muss ich noch weiter schlafen hundert Jahr!" Und seine Augen schlossen sich wieder und er versank in den tiefen Schlaf von vorher. Mit ihm erstarrten auch alle Ritter und Herren, die die Häupter erhoben hatten, als ihr Kaiser erwacht war.

Der Zwerg aber winkte dem Knaben, dass er ihm folge, und führte ihn stillschweigend aus der Halle hinaus. Auf dem Weg, den sie vorher genommen, gingen sie bis sie wieder bei der Herde anlangten. Dort reichte das Männlein dem Hirtenknaben ein großzügiges Geschenk und verschwand so plötzlich, wie es erschienen war.

Nachsatz

Der Kaiser schläft so lange im Untersberg, bis des Reiches Not am höchsten gewachsen und die Raben nicht mehr um den Gipfel fliegen. Dann, so die Legende, erscheint der Kaiser und reitet mit seinem Gefolge zum Birnbaum im Walserfeld. Dort findet dann die "letzte Schlacht zwischen Gut und Böse" statt und hält unter dem Birnbaum Gericht.

Quellen

  • Die schönsten Sagen aus Österreich, o. A., o. J., Seite 357
  • Salzburgs Synchronik, Josef Brettenthaler, Verlag Alfred Winter, Salzburg 2002, ISBN 3-85380-055-6