Karlstein

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Burg Karlstein und Pankrazkirche auf einem Kupferstich von Michael Wening um 1700
Karlstein

Karlstein ist der flächenmäßig größte Ortsteil der Stadt Bad Reichenhall im Landkreis Berchtesgadener Land. 1978 wurde er im Zuge der Gebietsreform ebenso wie die ehemaligen Gemeindeteile Nonn und Kirchberg nach Bad Reichenhall eingemeindet.

Lage

Der Ortsteil Karlstein befindet sich westlich des Stadtzentrums von Bad Reichenhall und östlich des Thumsee. Auf dem heute sogenannten Pankrazfelsen stehen die Burgruine Karlstein und die Pankrazkirche, die den Ort weithin sichtbar überragt.

Geschichte

Karlstein war einst ein Macht- und Siedlungszentrum der keltischen Alaunen mit weit reichenden Verbindungen. Der Pankrazfelsen war schon Jahrhunderte vor der keltischen Besiedlung bewohnt und trug auch im Mittelalter eine Burg. Die bedeutendste Siedlungsphase war jedoch die keltische in der Latènezeit.

Karlstein, das "Oppidum" der keltischen Alaunen?

Karlstein wurde in der Latènezeit, in der Spätphase des 2. und 1. Jahrhunderts v. Chr., wohl im Zusammenhang mit den reich sprudelnden Reichenhaller Solequellen, zu einem Macht- und Siedlungszentrum mit weit reichenden Verbindungen. Die seit dem 4. Jh. unterbrochenen Handelsbeziehungen nach Italien wurden wieder aufgenommen. Der Aufstieg von Karlstein muss wohl im Zusammenhang mit dem Rückgang des Salzbergbaues auf dem Dürrnberg in Hallein gesehen werden.

Karlstein trug eine befestigte Höhensiedlung wie auch der Biberg bei Saalfelden am Steinernen Meer, auf dem man das ehemalige Zentrum (Oppidum) der keltischen Ambisonten vermutet. Es ist umstritten, ob die keltische Siedlung auf dem Karlstein, die in der Latènezeit aufblühte und ab der Mitte des 1. Jahrhunderts sogar über eine eigene Münzprägung verfügte ("Karlsteiner", Keltische Münzen, die zur Gruppe des Norischen Kleinsilber zählen), das „Oppidum“ der im Saalachtal siedelnden Alaunen war.

„Einerseits weisen Weihealtäre für die Alounae als Stammesgottheiten das Gebiet nördlich und östlich des Chiemsee um Seebruck und Stöffling als Siedlungsraum der Alaunen aus. Andererseits könnte der Name Alaunen, der vom keltischen Wort für „weiß“ abgeleitet ist und sprachlich mit Hall (Salz) in Verbindung steht, auf die Salzgewinnung verweisen. Auch die Nachricht des Ptolemaius, dass die Alaunen nördlich von den Ambisonten wohnten, wäre mit Karlstein gut in Einklang zu bringen. Vielleicht erstreckte sich das Siedlungsgebiet des Stammes vom unteren Saalachtal um Reichenhall bis in den Raum um den Chiemsee.“

Archäologische Fundplätze in Karlstein

Vorgeschichtliche Siedlung im Karlsteiner Hochtal

In der Nähe der Burgruine Karlstein und der Kirche St. Pankraz liegen der Haiderburgstein und der Moserburgstein. Diese Erhebungen waren in vorgeschichtlicher Zeit geeignete Rückzugsorte bei feindlichen Überfällen und sicher bei Überschwemmungen. Dort kreuzten sich auch drei überregional bedeutsame Handelswege: Einer führte aus den Alpen an der Südflanke des Staufengebirges ins Alpenvorland. Einer lief über den Jochberg in den Chiemgau. Ein dritter schließlich auf der Saalach-Hochterrasse über Marzoll und den Walserberg ins Salzburger Becken.

Funde im Bereich der heutigen Schmalschlägerstraße deuten an, dass bereits in der Jungsteinzeit der Höhenrücken in Karlstein besiedelt war. Dort traten Steinbeile, Feuersteinspitzen und –messer zutage. Auch Relikte der Glockenbecherkultur (ca. 2550 – 2000 v. Chr.) fanden sich an diesem Ort. In der Bronzezeit entwickelte sich um 1900 v. Chr. im Karlsteiner Hochtal ein metallurgisches Zentrum, wo aus Kupfer und Zinn Bronze hergestellt wurde. Das Kupfer stammte wohl vom Mitterberg bei Bischofshofen und aus dem Inntal, das Zinn aus den deutschen Mittelgebirgen, etwa dem Erzgebirge. Aus dieser Zeit sind hölzerne Wohngebäude gefunden worden. Bronzene Sicheln deuten auf Ackerbau und Feldwirtschaft hin. Außerdem gibt es Hinweise auf die Haltung von Rindern und Schweinen. Bestattungen der Frühen und Mittleren Bronzezeit wurden ebenfalls entdeckt.

Aus der Urnenfelderzeit (1200 – 750 v. Chr.) haben sich Reste von Wohnbauten, Bronzeschlacken und Gusskuchen erhalten, die eine Metallverarbeitung belegen. Die zugehörigen Bestattungen waren als Urnengräber angelegt. In der Frühen Eisenzeit (Hallstattzeit) war der Ort nur noch spärlich besiedelt. Die wenigen Funde machen einen tiefen Einschnitt in der Siedlungskontinuität deutlich.

In der Spät-Latènezeit (Kelten) entwickelte sich wieder ein überregional bedeutender Handelsknotenpunkt. Es wurden Blockbauten auf Steinfundamenten ausgegraben, die bis zu 20 Meter lang waren und Feuerstellen in der Mitte besaßen. Die Bauten waren je von einem Hof umgeben, was auf Viehhaltung und handwerkliche Tätigkeit hinweist. Ambosse für feine Schmiedearbeiten, Werkzeuge zur Lederbearbeitung, Zimmermannswerkzeuge und landwirtschaftliche Geräte wurden gefunden. Weingefäße und ein Weinsieb belegen wirtschaftliche und kulturelle Kontakte mit dem Mittelmeerraum. Im Karlsteiner Hochtal wurde das „Karlsteiner Kleinsilber“ hergestellt. Das sind Münzen mit einem Durchmesser von 8 mm, die teilweise die „Kugelpferd-Prägung“ erhielten. Diese Münzen wurden im gesamten Ostalpenraum bis nach Slowenien gefunden. Es wird daher eine Haupt-Handelsroute von Karlstein nach Südosten in dieser Epoche vermutet. Üblicherweise war die Münzprägung den Zentralorten vorbehalten. Die spätkeltische Siedlung wurde am Beginn des 1. Jahrhunderts nach Christus aufgegeben (Schmalschlägerstraße).

Brandopferplatz am Langacker

Blick vom bronzezeitlichen Brandopferplatz am Langacker ins Alpenvorland. Im Hintergrund der Gaisberg.

Am oberen Ende des Langackers befand sich ein ovaler Hügel, der etwa 4 m hoch, 32 m lang und 24 m breit war. 1891 wurde er archäologisch erforscht und abgetragen. Auf einem aus Steinen errichteten kreisrunden Opferaltar lag eine Schicht aus Holzkohle und Asche, vermischt mit Tierknochen. Darüber eine Schicht verbrannter Tierknochen und Scherben von Gefäßen. Dazu wurden etwa 150 Gegenstände aus der Mittleren bis Späten Bronzezeit gefunden (Angelhaken, Spinnwirteln, Schmuck). Der Opferplatz wurde in der Zeit zwischen 1500 und 1200 vor Christus genutzt. Vermutlich baten die Menschen der Bronzezeit dort höhere Mächte um Schutz und Hilfe vor dem beschwerlichen Weg ins Gebirge. Der Opferplatz lag nämlich an einem Saumweg, der vom Flachland ins Gebirge führte und sich an dieser Stelle gabelte: Der eine Weg führte durch die „Garnei“ und am Thumsee vorbei in den Pinzgau, der andere über den Jochberg in den Chiemgau. Ein weiterer Opferplatz befand sich in der Nähe auf dem Eisenbichl (Bruckthal/Zwieselstraße).

Römische Siedlung mit Friedhof am Langacker

Am unteren Ende des Langackers hatten bereits während der Spät-Latènezeit Wohnstätten bestanden. Die Römer errichteten an dieser Stelle eine Siedlung, von der sieben Bauten ausgegraben wurden. Zum Teil waren sie mit Hypokaust-Heizungen ausgestattet. Der zugehörige Friedhof lag in der Nähe neben der Straße. Für einen Zeitraum von 200 Jahren ließen sich dort über 400 römische Bestattungen nachweisen. Archäologische Ausgrabungen erfolgten in den 1890er Jahren und 1966. Eine weitere Forschung, Bearbeitung und Interpretation steht noch aus. (Fischzuchtstraße)

Frühmittelalterlicher Friedhof in Kirchberg

In der Nähe der heutigen Predigtstuhlbahn im Ortsteil Kirchberg wurden in den 1880er Jahren über 500 Gräber aus dem 6. bis 8. Jahrhundert nach Christus ausgegraben. Dabei hat man christlich-romanische und heidnisch-bajuwarische Bestattungen gleichermaßen entdeckt. Sie sind ein Hinweis darauf, dass im Reichenhaller Tal bis zum Ende des 8. Jahrhundert eine romanische Minderheit lebte, die dann im Stamm der Bajuwaren aufgegangen ist. (Kiblinger Straße).

Der Ortsteil Nonn

Im Ortsteil Nonn an der Südseite des Staufengebirges befindet sich die Filialkirche St. Georg. Eine Besonderheit stellt der Flügelaltar aus der Werkstatt des Gordian Guckh in Laufen an der Salzach dar. Nonn gilt als alter Besiedlungsteil, dessen Anfänge in die Römerzeit zurück reichen dürften.

Bildergalerie

Quellen

  • Heinz Dopsch, Robert Hoffmann: „Salzburg, Die Geschichte einer Stadt“, S. 32 – 38, 2., aktualisierte Auflage 2008, Verlag Anton Pustet, Salzburg
  • Karlstein (Bad Reichenhall), Wikipedia, Die freie Enzyklopädie
  • Andrea Krammer: Kelten, Römer und Bajuwaren. Führer zu den vor- und frühgeschichtlichen Stätten im Reichenhaller Raum, Bad Reichenhall 2012,
  • Textgestaltung Andreas Hirsch, Bad Reichenhall