Marzoll

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Marzoll, Schloss u. Kirche vor dem Untersberg
Wallfahrtskirche St. Valentin, Marzoll
Marzoll um 1740
Marzoll ist ein direkt an das Bundesland Salzburg angrenzender Ortsteil der Stadt Bad Reichenhall im Landkreis Berchtesgadener Land in Bayern.

Salzburgbezug

Marzoll gehörte immer zu Bayern. Kirchlich war Marzoll vom 14. Jahrhundert bis 1809 eine Kuratie der Pfarre Gmain (Großgmain), deren Pfarrer immer ein Konventuale des Augustiner Chorherrenstifts San Zeno war. Der Marzoller Kurat war ebenfalls immer ein Konventuale aus San Zeno. Das heißt, Marzoll hatte nur einen kirchlicher Salzburgbezug bis 1821.[1]

Geschichte

Durch archäologische Funde ist eine Besiedelung von Marzoll in der älteren und mittleren Bronzezeit nachgewiesen. Das zugehörige Gräberfeld wurde 2009 direkt an der deutsch-österreichischen Grenze auf dem Gebiet der Gemeinde Großgmain entdeckt. Auch die Menschen der Urnenfelderzeit und später die Kelten der Spät-Latènezeit siedelten an der gleichen Stelle. In der Zeit der römischen Herrschaft baute man einen Gutshof (villa rustica) mit Mosaikfußböden und Fußbodenheizung an diesem Platz.

Die Ortsnamen „Marzoll“ und „Türk“ sind ebenfalls römischen Ursprungs. In der Notitia Arnonis wird Marzoll mit der Nennung der Kirche „ad marciolas“ erstmals urkundlich erwähnt. Während der Ablösung des Salzburger Landes von Bayern in den Jahren 1275 bis 1328, blieb Marzoll im Herrschaftsbereich des bayerischen Herzogs. Ab dem ausgehenden Mittelalter war Marzoll ein Hofmark.

Um 1484 erhielt die Reichenhaller Patrizierfamilie Fröschl die Hofmarksrechte (niedere Gerichtshoheit) über Marzoll. Die Hofmark umfasste die Ortsteile Marzoll und Schwarzbach, während Türk und Weißbach zum Landgericht Reichenhall gehörten. Das bedeutendste Mitglied dieser einflussreichen Familie war Wiguleius Fröschl von Marzoll (* 4. April 1445 in Marzoll; † 1517), der im Jahr 1500 zum Fürstbischof von Passau gewählt wurde. Im Jahre 1525 wurde Degenhard II. Fröschl als ausländischer Landmann in die Salzburger Landtafel (Versammlung der Landstände) aufgenommen. An der Stelle eines bescheidenen Vorgängerbaus errichteten sich die Fröschl bis 1536 einen Familiensitz im Stil der Renaissance. Die Schlossanlage in Form eines kubischen Baukörpers mit vier von „Welschen Hauben“ gekrönten Ecktürmen war eine der ersten ihrer Art in Bayern.

Von 1605 bis 1798 war die Hofmark Marzoll im Besitz der Salzburger Familie Lasser von Lasseregg. In der Eingangshalle der Wallfahrtskirche St. Valentin sind noch heute einige Grabplatten dieser Familie zu sehen. 1798 fielen die Hofmarksrechte an das Kurfürstentum Bayern und das Schloss kam in den Besitz der Familie Laßberg. Ab 1834 besaßen die Freiherrn von Aretin das Schloss. Die Freiherren von Malsen, ab 1837 Besitzer des Anwesens, ließen die Renaissance-Kuppeln der vier Türme abtragen und durch Zinnen im Stil der Neugotik ersetzen.

Im Jahr 1818 entstand aus den Dörfern Marzoll, Türk, Schwarzbach und Weißbach die Gemeinde Marzoll. Der Ort war von jeher durch die Landwirtschaft geprägt. Zeugen der über Jahrhunderte gewachsenen bäuerlichen Kultur sind neben der Kulturlandschaft vor allem erhaltene historische Bauernhöfe. Als bemerkenswerte Beispiele für den Typ des „Salzburger Flachgauhofs“ gelten die Anwesen „Hager“, „Landerl“, „Jagl“ und „Hoder“ in Türk.

Marzoll war bis zur Deutschen Gemeindegebietsreform 1978 eine selbständige Gemeinde, die aus den vier Ortschaften Marzoll, Türk, Schwarzbach und Weißbach bestand. Der ehemalige Grenzübergang Walserberg sowohl an der Westautobahn als auch an der Wiener Straße (B 1) liegt auf Marzoller Gemeindegebiet. Bekannt ist der Ort vor allem für das Schloss Marzoll aus dem 16. Jahrhundert, die Wallfahrtskirche St. Valentin und den Mozartkugel-Hersteller Reber.

Aus Marzoll stammt der Maibaumkraxler Toni Hager.

Wappen

Das Wappen der ehemaligen Gemeinde Marzoll zeigt unter anderem die drei Kleeblätter aus dem Familienwappen der Familie Lasser von Lasseregg.

Bildergalerie

Weblink

Quellen

  • Wikipedia Marzoll
  • Lasser von Lasseregg
  • Kirchenführer der Wallfahrts- u. Pfarrkiche St. Valentin in Marzoll
  • Salzburger Beiträge zur Kunst und Denkmalpflege, Band 1. Die Spätgotische Wandmalerei der Michaelskapelle in Piesendorf. Zur Erhaltung und Erforschung mittelalterlicher Wandmalerei im Ostalpenraum. HG Ronald Gobiet, Salzburg 2000, S. 20.

Quellen (Geschichte):

  • Brugger, Walter: St. Valentin Marzoll, Kirchenführer, Regensburg 1997
  • Fröhlich, Herbert: Marzoll, eine oberbayerische Chronik, Bad Reichenhall 2008
  • Hirsch, Andreas: St. Valentin - Helfer gegen die Frais, Marzoll war einst ein viel besuchter Wallfahrtsort, Heimatblätter 2/2009.
  • Hirsch, Andreas: Türk – das Landgut des Durius. Der Marzoller Ortsteil erhielt in der Römerzeit seinen Namen, Heimatblätter 1/2011
  • Krammer, Andrea: Kelten, Römer und Bajuwaren, Führer zu den vor- und frühgeschichtlichen Stätten im Reichenhaller Raum, Bad Reichenhall 2012
  • Lang, Johannes: Geschichte von Bad Reichenhall, Neustadt an der Aisch 2009
  • Lang, Johannes: Reichenhaller Burgenweg, Bad Reichenhall, 2004

Fußnote