Kolossal-Kruzifix von Jakob Adlhart im Collegium Benedictinum

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Kolossal-Kruzifix von Jakob Adlhart im Collegium Benedictinum
Lage des Kolossal-Kruzifix von Jakob Adlhart im Collegium Benedictinum auf Googlemaps

Das "Kolossal-Kruzifix" von Jakob Adlhart im Collegium Benedictinum ist ein Kunstwerk der Moderne.

Beschreibung

Das Kolossal-Kruzifix, es wird auch "Kollegkreuz" oder "Adlhart-Kreuz" genannt, wurde 1925 geschaffen und hängt seit 1926 in der Vorhalle des Kollegs St. Benedikt im dritten Klosterhof der Erzabtei St. Peter in der Altstadt von Salzburg.

Durch ein monumentales Tor gelangt man in die Vorhalle, die durch ihre strenge Formgebung und eine wuchtige dunkle Balkendecke imponiert. Die gewaltige Balkendecke ist geschmückt mit den Wappen (in Farbe und Gold) der in der Salzburger Konförderation zusammengeschlossenen Abteien aus Deutschland, Schweiz und Österreich, sowie mit den Schriftzügen der Namen von Wohltätern. Seitlich links an der Wand hängt das kolossale Kruzifix mit einer überlebensgroßen Darstellung des Gekreuzigten.

Kruzifix und Balkendecke stammen von Jakob Adlhart, Vater und Sohn, die damals in einem kühnen künstlerischen Konzept in beinahe romanisch anmutender Formgebung, visionär das Wesentliche erfassend und es auf das überwältigende Schmerzensmoment reduzierend im Sinne der letzten Worte des Erlösers am Kreuze: „Es ist vollbracht!".

Wie vom Blitz getroffen ergreift den Eintretenden die Gewalt von fürchterlichstem Leid, das auch für einen göttlichen Menschen zu ertragen, unmöglich ist. Wunderbar fein haben Bildschnitzer und Baumeister zusammengearbeitet. Wohl sind die Gelenke verrenkt, wohl windet sich der Leib in qualvollen körperlichen Schmerzen, wohl klafft die fürchterliche Seitenwunde. Das Unerträgliche an diesem Schmerz ist der Druck von oben. Die Lasten der ganzen Welt liegen in Form des überschweren Balken auf dem Gottmenschen. Es ist das Fühlen, das Wissen, das all das entsetzliche Leiden ganz vergebens ist, dass die Menschheit auf diesem Wege nicht zu erlösen ist. Diese Erkenntnis hat sein Haupt ganz nach vorne gestreckt und in seinen Zügen liegt eine Verzweiflung, die uns die letzten sieben Worte des Sterbenden zuschreien: "ελωι ελωι λαμμα σαβαχθανι" ("Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?!"

Und als er in Gleichnissen zu ihnen sprach, verstanden sie ihn nicht. Trotzdem er zum Blutzeugen für seine Ideen wurde, musste erst noch ein Paulus kommen und seine reine Lehre ihren menschlichen Schwächen anpassen, damit er von ihnen als Erlöser anerkannt werde. Dies alles weiß dieser gekreuzigte Christus des Halleiner Schnitzers. Und er weiß noch mehr. Er weiß, dass kein martervolles Leiden, kein übermenschliches Sterben nicht hindert, dass Millionen nach ihm, die seinen Namen führen, aus seiner reinen Lehre einen Vorwand für ihre unreine Gesinnung ausklügeln. Dieser Christus ist in seiner unerhörten Wucht eine fürchterliche Anklage gegen alles, was Mensch heißt. Und wie zu Boden geschmettert steht jedermann lange, lange vor ihm. Die Seele gedenkt des Friedens und der Ruhe, des höchsten Glückes, das dort zum Ausdruck kam.

Die Bildschnitzereien wurden von Jakob Adlhart, Vater und Sohn, meisterhaft in Lindenholz geschnitten, ganz Holzcharakter, dem Naturalismus aus dem Wege gehend und jede Süßlichkeit vermeidend, vielmehr herb und primitiv, und eben dadurch von höchster Geistigkeit und innerlicher Ausdrucksfülle belebt: In der bildnerischen Gestaltung ein mächtiger Akzent, der kleinlicher Kritik Schweigen und dem religiös und künstlerisch Gestimmten Ehrfurcht auferlegt, und dem mutigen Kunstsinn des geistlichen Bauherrn und seines Architekten, sowie die beiden ausführenden Meister als beste Holzschnitzer, ein ehrendes Zeugnis gibt.

Geschichte

Dem Erzstift St. Peter in Salzburg stand seit Dezember 1922 P. Petrus Klotz als Abt vor. Dieser beauftragte den deutschen Architekten Peter Behrens, den dritten Hof des St. Peter-Stiftes als Kolleg St. Benedikt zu errichten. Es sollte als Studienhaus für Theologiestudenten des deutschen Sprachraumes dienen – eine bauliche Voraussetzung, um die Salzburger Universität wieder errichten zu können. Behrens plante für das Foyer eine kubistische Kreuzplastik des deutschen Bildhauers Ludwig Gies, die jedoch missfiel. Nun lenkte der Archivar Dr. Franz Martin die Aufmerksamkeit auf die Halleiner Werkstätten für kirchliche Kunst des Vaters Jakob Adlhart, die eben von Abt Dr. Klotz beauftragt worden waren, drei monumentale Altarfiguren von Andreas Lackner aus dem ehemaligen Abtenauer Altar zu restaurieren. Der junge Jakob Adlhart, geboren am 1. April 1898 in München, war 1923 von seiner Ausbildung bei Prof. Anton Hanak zurückgekehrt und voll schöpferischen Tatendrangs. Sein Kreuzmodell gefiel – und der Auftrag wurde erteilt. Jakob Adlhart schuf es in der Halleiner Werkstatt, Burgfried 5, wobei ihm die beiden „Hanaken“ Roland von Bohr und Arthur Rauch assistierten.

Bilder

Quellen