Steinhag

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Steinhag im Amertal
Steinhag im Ferleitental
Steinhagabschluss Amertal Mittersill
Steinhag im Felbertal
Steinhag in Au bei Lofer
Praktisch intakter Klaubstein-Pfrenger im Umfeld des Maurerkogels
Steinhag bei der Schwarzenbacher Kirche in Uttendorf

Unter „Steinhag“ versteht man zu Mauern aufgeschichtete Gesteinsbrocken auf Almböden oder auf im Tal gelegenen Weideflächen, die diese gleichzeitig schützen und eingrenzen.

Einführung

„Eine Mauer zu bauen, zählt zu den frühesten handwerklichen Tätigkeiten des Menschen und ist ihm so vertraut, wie Brot zu backen oder ein Kleid zu nähen. Mit Mauern schuf sich der Mensch seinen Lebensraum.“ Begriffe wie >Hag<, die landwirtschaftlich von Bedeutung waren, haben sich in der Namensgebung niedergeschlagen. >Hag<, althochdeutsch und mittelhochdeutsch hac in der Bedeutung von „Dornstrauch, Gebüsch, Einfriedung, umfriedeter Wald“ bildete in Salzburg den Ursprung von etwa 20 Siedlungsnamen (z. B. Hagenpichl, Hagenroith) und von einigen Familiennamen (z. B. Hagenauer, Hagenhofer).

Landwirtschaftliche Natursteinmauern

Klaubsteinmauern zählen zu den urtümlichsten Mauerformen. Die Steine werden vom Boden aufgelesen (geklaubt) und am Rand der entsteinten Fläche zu einer Trockenmauer aufgeschichtet. Solche Klaubsteinmauern finden sich in unterschiedlichsten landwirtschaftlichen Regionen vieler Länder. Ein vielen Urlaubern bekannter Ort ist z. B. die Insel Cres, deren Landesinnere von zahlreichen Klaubsteinmauern geprägt ist. Auch Irland wird als Folge einer im 18. Jahrhundert durchgeführten Flurbereinigung von Trockensteinmauern wie Adern durchzogen.

Bauweise

Oft bestehen Klaubsteinmauern „aus einer Anhäufung von Steinen, die ohne jeglichen Verband aufeinander geworfen wurden.“ Solche Mauern sind meist mit Ästen und Stangenwerk bekrönt, die das Weidevieh am Überstieg hindern soll. Neben diesen finden sich im Alpenraum an steilen Hängen auch kunstfertig aufgeschichtete Mauern, „die von unten her in unregelmäßigen Schichten aufgebaut sind. Die im rechten Winkel zum Hang verlaufende Mauerbekrönung sorgt für Stabilität. Trockenmauern sind vielfältigsten Einflüssen ausgesetzt und brauchen ständige Pflege und auch fachkundige Reparaturen. Besonderes Augenmerk ist auf die Ausführung von Mauerabschlüssen oder später erfolgenden Mauerdurchbrüchen zu legen, da diese - bei nicht sachkundiger Ausführung - den gesamten Mauerverbund ins Wanken bringen können.

Funktion

Klaubsteinmauern verbinden Nützliches mit Nützlichem, das Nutzbarmachen von Weideflächen durch Entsteinen mit den vielfältigen Funktionen solcher Trockenmauern je nach Lage: Abgrenzung des Nutzlandes von Ödland, Eingrenzung urbar gemachter Weideflächen, in der Almwirtschaft auch als Pferch zum Schutz des Viehs vor Absturz in gefährdeten Zonen und früher auch vor Raubtieren wie Bär, Wolf und Luchs. Trockenmauern haben darüber hinaus vielfach auch klimatische Schutzfunktionen, sie sollen Erosion durch Wind und Regen verhindern. An regnerischen und stürmischen Tagen finden Viehherden in ihrem Windschatten Schutz. Darüber hinaus bieten Steinhage zahlreichen Tierarten wie Insekten und Kleintieren Unterschlupf, Schutz und Lebensraum und sind damit auch ökologisch wertvolle Formationen.

Klaubsteinmauern wurden auch in Dörfern und Weilern zur Begrenzung von verbauten Flächen aufgesetzt, wie z. B. bei der Kirche Schwarzenbach in Uttendorf, die in einem rein landwirtschaftlichen Umfeld steht.

Nationalpark Hohe Tauern

Um die Alpentäler der Hohen Tauern als Almflächen für die Almwirtschaft nutzen zu können mussten die Almen „entsteint“ werden. Die in machen Tälern zu Mauern aufgeschichteten Gesteinsbrocken geben Zeugnis von dieser mühevollen Arbeit, dienen heute noch dem Schutz der Weideflächen und leisten auch als „Hag“ (Zaun) – oft zusätzlich mit einem elektrischen Weidezaun gesichert – ihren Dienst. Im inneren Fuscher Tal in Fusch an der Großglocknerstraße wurden die Steinhage im Rahmen eines mehrjährigen Projektes von freiwilligen Helfern vor dem weiteren Verfall geschützt und unter sachkundiger Anleitung ausgebessert. Auch auf Almen im Umfeld des Nationalparks, wie z. B. im Amertal, im Felbertal, im Hollersbachtal und auf Almen nördlich der Drei Brüder in Bruck an der Großglocknerstraße, stehen Klaubsteinmauern, die noch ihre Schutz- und Eingrenzungsfunktion haben und gleichzeitig die Kulturlandschaft prägen.

Sowohl auf dem Gebiet des heutigen Nationalparks in den Hohen Tauern als auch in den Pinzgauer Grasbergen wie in der Hundsteingruppe findet man heute auch noch Wüstungen nach ehemaligen "Pfrengern", das waren Pferche aus Klaubsteinmauern, in denen man in der Frühzeit der Almwirtschaft die Weidetiere vor dem Viehtrieb, bei Schlechtwetter oder über Nacht sammelte und zusammen halten konnte.

Unteres Saalachtal

Im „steinigen“ unteren Saalachtal finden sich auch in Tallagen heute noch Klaubsteinmauern, die einst zur Eingrenzung der Weideflächen errichtet wurden. Leider sind bereits viele von ihnen schadhaft oder ganz verfallen.

Quellen

  • „Lebendige Mauern“, Katalog zur Ausstellung der Handwerkspflege in Bayern im März 1989, Hrsg. Bayrischer Handwerkstag e. V., München 1989
  • 5. Symposion Nationalpark Hohe Tauern
  • Franz Hörburger, „Salzburger Ortsnamenbuch“, Hrsg. Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Salzburg 1982
  • Leopold Ziller, „Die Salzburger Familiennamen“, Hrsg. Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Salzburg 1986