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Almwirtschaft

Stuhlalm auf der Salzburger Seite des Gosaukamms
Ursprungalm
Almwirtschaft
Oberhofalm in Filzmoos
Almhütte am Gennerhorn in der Osterhorngruppe
Blick zu den Trattberg-Almen am Hintertrattberg, Bildmitte: Schlenken, rechts: Schmittenstein
Hausschwein auf einer Alm im Ferleitental

Unter Almwirtschaft versteht man die Sommerbewirtschaftung von hoch gelegenen Weideflächen, d.h. von Fluren außerhalb des Dauersiedlungsraumes mit Vieh.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft des Wortes

Das Wort "Alm" leitet sich vom lateinischen Wort "alpes" ab,was so viel wie Gebirgshöhe bedeutet. Im bajuwarischen Sprachraum, also im östlichen Tirol, Salzburg über Oberösterreich und Steiermark, spricht man von "Almwirtschaft", im westlichen Tirol und in Vorarlberg (alemanischer Sprachraum) hingegen von "Alpwirtschaft".

Die Alm

Als "Alm" versteht von man Vieh beweidete Flächen, die sich meistens im hochmontanen und subalpinen Raum, bei Schafalmen (und vereinzelt von Jungviehalmen) auch von Flächen oberhalb der Wald- und Baumgrenze im alpinen Raum befinden. Durch Jahrhundert lange, (z.T. bis zu vier Jahrtausende zurückverfolgbarer) mühsame Bewirtschaftung dieser immer hochgelegenen Flächen wurde eine Kulturlandschaft von hohem Wert erhalten. Auf vielen Almen findet man auch Almgebäude oder Almwüstungen, noch bestehende oder Überreste ehemaliger Hütten oder kleiner Viehställe bzw. -unterstände (Scherm) oder andere Wirtschaftsgebäude, sowie sog. Pferche und Steinhage, sie bestehen (bestanden) aus Klaubsteinen. Steinhage dienen einerseits der Abgrenzung und dem Schutz der Tiere vor abschüssigem Gelände und andererseits der Freihaltung der Weideflächen von Steinen. Pferche oder Pfrenger dienten dem Zusammenhalten des Viehs bei Schlechtwetter, während der Nacht und vor einem Viehtrieb.

Die Almen sind in der Sommerzeit bewirtschaftet, das Vieh wird vom Tal auf die Almen getrieben. Im Herbst findet der Almabtrieb statt, bei dem die meisten Tiere geschmückt und geschlossen wieder in die Täler getrieben werden, wo bei den Schafen noch die Schafischoad erforderlich ist. Heute erfolgen Almauf- und Abtrieb immer öfter mittels Traktor und Anhänger. Die landwirtschaftliche Bewirtschaftung einer Alm wird "Sennerei" genannt und hat auch im Salzburger Land eine lange Tradition. In den Gebirgsbezirken finden sich auf den Almen neben den Hausschafen häufig noch das autochthone Pinzgauer Rind und neben dem Haflinger Pferd auch das Noriker Pferd. Auf manchen Almen werden auch noch Hausschweine und zwecks Frischeiern auch einige Exemplare der Gattung Haushuhn gehalten.

Da es mit neuen technischen Geräten schwierig und teilweise auch unmöglich ist, Almflächen zu schwenden und zu pflegen und viele Bauern die Viehwirtschaft einstellen, sind viele Almen gefährdet. Wenn eine Almfläche im Sommer nicht mehr regelmäßig von Vieh beweidet wird, breiten sich auf den Almflächen Sträucher und Bäume aus, die Flächen verwalden und die Almgrenze (das ist die Flurgrenze zwischen Alm und Wald) steigt höher - die von vielen Generationen mühevoll erarbeitete und erhaltene Kulturlandschaft geht Stück für Stück verloren. Ehemalige Almgebiete wieder zur Alm zu machen ist mit langer und aufwändiger Arbeit verbunden. Heute wird die Almbewirtschaftung in der Regel über die Landwirtschaftsförderung (in Österreich die AMA) gefördert. Ein Problem der Almbewirtschaftzung ist aber nicht nur die Aufgabe von Almen, sondern auch die Intensivierung und damit Entwertung von Almböden. Die Planierung undf nachfolgend die Düngung mit Gülle - oft vom Talboden auf die Alm hinauf gebracht bedeutet einen entscheidenden Verlust an Biotop- und Artenvielfalt aber auch einen Verlust für den Erholungswert.

Almtypen

Nach Höhenlage
  • Niederalmen bis zu 1 300 m ü. A.
  • Mittelalmen zwischen 1 300 und 1 700 m ü. A.
  • Hochalmen über 1 700 m ü. A.
Nach Viehbestand
  • Kuh-
  • Ochsen-
  • Stier-
  • Jungrinder-
  • Pferde-
  • Schaf-
  • Ziegenalmen
Nach Nutzungsart
  • Melkalmen (Almen mit Milchverarbeitung - ursprüngliche Form)
  • Galtalmen (reine Weidewirtschaft ohne Milchverarbeitung - heute am weitesten verbreitet)
  • Gemischte Formen
Nach Besitzverhältnissen

Die älteste Form des Gemeinschaftsbesitzes ist die Gemeindealm oder Gmain. Diese Form gab es bereits im Mittelalter, als mehrere, einer Herrschaft untergebene Höfe, auftriebsberechtigt waren.

Gegenwärtige Almtypen:

  • Einzelalm: ein Betrieb oder eine Person besitzt und bewirtschaftet die Alm.
  • Gemeinschaftsalm: mehrere Betriebe oder Personen besitzen und bewirtschaften die Alm, wobei sich die Flächen und oft auch die Infrastrukturen im Besitz der einzelnen Eigentümer befinden. Formal eine „Gesellschaft bürgerlichen Rechtes“.
  • Agrargemeinschaft: eine Alm mit dieser Besitzform steht im Eigentum mehrerer oder vieler landwirtschaftlicher Betriebe. Der Besitz ist in „Anteile“ (Alpungsrechte oder Gräser) gegliedert, die dem Heimgut zugeordnet sind. Formal eine „Körperschaft des öffentlichen Rechtes“, in der die Entscheidungswege und die Rechte und Pflichten der Anteilsinhaber in den Satzungen festgelegt sind.
  • Servitutsalm: wird auch „Berechtigungsalm“ genannt. Sie wird auf Basis eines grundbücherlich eingetragenen Rechtes bewirtschaftet, das dem Nutzer (Servitutsberechtigter) gegenüber dem Besitzer (Servitutsverpflichteter) eingeräumt ist. Bei diesem Almtyp ist der Besitz oft in öffentlicher Hand (Republik, Länder) oder die Alm gehört einem Großgrundbesitzer.

Hüttenbau

Für den Hüttenbau im Mittelalter und der frühen Neuzeit wurde kein Eisen verwendet, da das Metall zu teuer war. Alle Befestigungen wie Nägel und Steckzapfen, sogar die Türschlösser waren aus z.T. aus Holz. Lediglich die Schlüssel waren stets aus Eisen. Früher waren die winzigen Fensteröffnungen ohne Glas und nur mit einer einfachen Schiebevorrichtung versehen. Die Almgebäude wurden - sofern sie nicht aus Stein errichtet waren - mit einfachen Zimmermannswerkzeugen auf der Alm, meist mit Hilfe der Nachbarn, hergestellt.

Almpersonal

Im Gegensatz zu den Almen in Ostösterreich war die Milchverarbeitung und die Beaufsichtigung des Viehs in Westösterreich oft Frauensache, von regionalen Unterschieden - wie im Oberpinzgau - abgesehen. Die Sennerin (auch Sendin, Brentlerin oder Schwoagerin genannt) war meist eine unverheiratete Bauerntochter. Bei Bedarf stand ihr eine Magd (Dirn) zur Seite. Die Beaufsichtigung des Viehs auf der Hochweide war dem Hirten (Halter) übertragen. Kleinvieh wurde Kindern (Geißern oder Hiatabubn) anvertraut. Neben Vieh und Kleinvieh, das auf der Alm geweidet wurde, hatte die Sennerin oft auch eine Katze dabei, hielt ein paar Hühner für den Eigenbedarf an Eiern und oft auch ein oder mehrere Hausschweine, die neben dem Stall auch einen Auslauf im Freien hatten.

Die Sennerin genoss auf der Alm eine beachtliche soziale Stellung. Sie war Herrin über das Vieh und das Personal und darum war für Frauen die Tätigkeit als Sennerin begehrt. Die notwendigen Kenntnisse wurden den Mädchen schon von Kindesbeinen an beigebracht.

"Das Leben solcher Sennerinnen ist, oberflächlich betrachtet, sehr poetisch, in der Wirklichkeit aber ein mühsames und gefahrvolles Tagwerk. Doch die Freiheit, die die Brentlerin während des ganzen Sommers genoss, ließ sie die Beschwerden vergessen und mit Sehnsucht erwartet sie die Zeit des Alpenauftriebes" schrieb Georg Göth in Das Herzogthum Steiermark, Graz 1843.

Almwirtschaft und Wasser

Almen wurden grundsätzlich in der Nähe einer Wasserquelle angelegt, da das Almvieh und die Milchverarbeitung viel Wasser verbrauchte. Im Sikikatgestein sind solche Quellen nicht selten, über Kalkboden dagegen oft viel schwieriger zu erhalten.

Die Sennerin benötigt für die Reinigungsarbeiten des Milchgeschirres und für den privaten Verbrauch größenordnungmäßig etwa 50 Liter Wasser täglich. Jede Kuh bzw Pferd (GRoßvieheinheit) braucht außer dem oft taufeuchten Gras 20 bis 30 Liter Wasser. Besonders in den wasserarmen Kalkbergen wurden Wasserlacken als Viehtränke verwendet. Auch zisternenartige Wasserstuben wurden in der Nähe der Hütten angelegt. Auf den Hochalmen wurde sogar Schneewasser verwendet. Leichter war und ist die Wasserversorgung in den wasserreichen Niederen Tauern und den Hohen Tauern. Heute herrschen sog. Viehtränken in Form von ausgehöhlten Halbstämmen, in die Wasser mittels Holzröhre oder Gummi-Schlauch eingeleitet wird, vor.

Produkte

Neben der Weide wurde auch oft die anfallende Milch in der Sennerei verarbeitet. Heute wird öfters die Milch nicht mehr auf der Alm verarbeitet oder es wird nur nicht Milch gebendes Vieh aufgetrieben. Im Salzburger Land haben sich aber noch einige (sogar nicht wenige) Almen erhalten, wo das Milchvieh direkt auf der Alm gemolken wird und die Milch dort auch noch traditionell verarbeitet wird.

Aus 60 Liter Milch kann man etwas mehr als zwei Kilogramm Butter und drei bis vier Kilogramm Käse herstellen, je nachdem wie viel Fettgehalt die Milch hat. Das Milchgeschirr bestand noch vor 100 Jahren aus Holz, erst später kam immer mehr Geschirr aus Metall oder Kunststoff dazu.

Der Übergang von der Fettkäseerzeugung ohne Buttererzeugung zu Magerkäseherstellung mit Buttererzeugung erfolgte etwa am Beginn des 17. Jahrhunderts. Ein Grund für die Umstellung auf Magerkäseherstellung könnte gewesen sein, dass immer mehr Rinder anstelle von Ziegen und Schafen auf die Almen getrieben wurden. Milch von Rindern eignet sich besser für die Trennung von Rahm.

Daten und Fakten

Im Bundesland Salzburg werden derzeit (2011) 2 800 Almen bewirtschaftet und von 1 200 Almleuten betreut. 67 000 Rinder verbringen den Sommer auf einer Alm, 9 100 Kühe werden auf der Alm gemolken.

Neben den Rindern werden 2 900 Pferde und 20 000 Schafe gealpt. Die Zahl der Ziegen, die den Sommer in den Bergen verbringen, ist nicht bekannt. Auch die Anzahl an Hausschweinen, die den Sommer über auf einer Alm leben, scheint nicht auf, wohl weil sie mittlerweile unerheblich geworden ist.

Themenbezogene Museen

Siehe auch

Bildergalerie

Quellen