Zaun

Aus Salzburgwiki
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Alter Holzlattenzaun bei der Buchbergkirche St. Primus
Ein einfacher und schmuckloser Stacheldrahtzaun - hier im Zeller Moos - der unter den stationären Weidezäunen längst die häufigste Zaunform darstellt
Einfacher Maschendrahtzaun zwischen Privatgarten und Pinzgaubahntrasse in Schüttdorf

Ein Zaun ist eine Form der Begrenzung, mittels derer zwei Flächen auf Zeit oder dauerhaft voneinander getrennt werden.

Etymologisches

Die eigentliche Herkunft des Begriffes >Zaun< ist unklar. Sicher ist, dass das englische Wort >town>, - also Stadt im Sinne von eingehegter Platz - mit dem Begriff Zaun in Verbindung steht. Anders ist es mit dem Begriff Hag, der von der Bedeutung her mit Zaun verwandt ist: „>Hag<, althochdeutsch und mittelhochdeutsch hac in der Bedeutung von „Dornstrauch, Gebüsch, Einfriedung, umfriedeter Wald“ bildete in Salzburg den Ursprung von etwa 20 Siedlungsnamen (z. B. Hagenpichl, Hagenroith) und von einigen Familiennamen (z. B. Hagenauer, Hagenhofer).“ Der Begriff >Hecke< ist etymologisch eine Weiterbildung von >Hag<.

Zwei Salzburger Familiennamen lassen sich auch von Zaun ableiten: Zauner und Zaunrieth. In der Gemeinde Obertrum befindet sich im Ort Mühlbach der Weiler Zaun, der urkundlich bereits 1405 als Czawn in Erscheinung tritt. Die Bedeutung ist klar: das von einem Zaun umgebene Gut, die von einem Zaun umgebene Örtlichkeit. Der Familienname Zaunrieth zählt auf Grund der in der Salzburger Bergstraße angesiedelten Druckerei Zaunrieth zu den landläufig bekannteren. Von der Bedeutung her bezieht sich dieser Name auf Zaun und auf Gerte, Rute. Diese hießen mittelhochdeutsch ruote. Die Zaunrute diente bei der Herstellung von Flechtzäunen als Baumaterial.

Verwendung und beabsichtigte Funktion

Zäune weisen Grundbesitzgrenzen aus und werden eingesetzt um Tiere (Pferch, Weideflächen, Zoos, Wildtierparks) oder auch Menschen (Gefängnisse, Lager, Staatsgebiete) am Verlassen eines bestimmten Geländes zu hindern (legendär ist die ehemalige Zonengrenze mit ihren elektrisch geladenen Zäunen und den automatischen Schießanlagen zwischen den beiden deutschen Staaten). Andererseits haben Zäune auch die Funktion des Ausgrenzens und Fernhaltens, d. h. Mensch oder Tier am Betreten bestimmter Flächen wie Privatbesitz, gesperrtes Veranstaltungsgelände, diverse Sicherheitszonen, bestimmte Staatsgebiete (siehe Abschnitte an der Staatsgrenze von Israel, Grenzzäune in Spielfeld und am Brenner), bzw. Weideflächen, Ackerflächen, Verkehrswege (Wildzaun) etc. zu hindern.

In Siedlungsgebieten kann mittels Zaunsetzung als Minimum eine optische Begrenzung beabsichtigt sein, oder Sichtschutz, Lärmschutz, Schutz vor Betretung oder Befahrung angestrebt werden. Materialauswahl und Gestaltung des Zaunes hängen vom Standort, von der beabsichtigten Funktion, vom Geldbeutel und auch von Geschmack und gängiger Mode ab.

Geschichte

Zäune dienen und dienten der Einfriedung von Wohn- und Arbeitsstellen oder Anbauflächen und dem Einpferchen von Haustieren und waren somit erst ab der Jungsteinzeit nach Sesshaftwerdung des Menschen und dem Wechsel von Jäger- und Sammler-Kulturen zu Ackerbau- und Viehzucht erforderlich. Die Urform des Zaunes bestand je nach Gegend und Material entweder aus einfachen Erdwällen, in einer Anhäufung formlos aufeinander geworfener Klaubsteine oder aus aufgeschichtetem Astwerk. Die Urform der Steinmauer entwickelte sich nach und nach zu kunstvoll geschichteten Klaubsteinmauern und das ursprüngliche Dickicht aus Astwerk zu Palisaden aus in den Boden gerammten und miteinander durch Weidenruten verbundenen hölzernen Stangen. Dauerhafte Ansiedlung führte auch zur Entwicklung der Hecke, eine Zaunform aus lebendem Material.

Gegenwart

Zäune entwickelten sich über die Jahrhunderte zu regional eigenständigen Formen wie dem Pinzgauer Zaun oder Klaubsteinmauern auf Almen und blieben in ländlichen Regionen bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts wenig verändert erhalten. Erst die umfassende industrielle und später auch agrarische Entwicklung der letzten beiden Jahrhunderte veränderte letztlich auch die traditionelle Zaunlandschaft in den Städten und auf dem Land. Material- und zeitaufwändige Holz- oder Steinkonstruktionen wichen im Siedlungsbereich Beton- oder Kunststeinmauern oder industriell erzeugten und in Fertigteilbauweise aufgestellten oder aufgespannten Abgrenzungen, im Agrarbereich Stacheldrahtzäunen, mobilen elektrischen Weidezäunen oder versetzbaren Leichtmetallgattern.

Lebensraum Zaun

Zäune strukturieren wie auch Acker-Raine die Landschaft und sie bieten je nach Standort und Ausführung geeigneten Lebensraum für Pflanzen und Tiere, die auf freien intensiv genutzten Flächen nicht gedeihen können. Besonders lebende Zäune wie Hecken, aber auch Holzsteckenzäune, soferne nicht bis an die Zaunstempen heran gemäht wird, bieten Pflanzen, Insekten, Bodenbrütern und Kleintieren ein eigenes und sehr wichtiges Biotop. Der Lebensraum Zaun ist je nach Ausführung mehr oder weniger flächengestaltender Korridor, der Wind- und Sichtschutz bietet, dem Wild den Wechsel erleichtert und auch bedeutsam für das Kleinklima ist.

Zäunen – eine Besonderheit in den Salzburger Berggebieten

Aufgrund der (meist immer noch großen) Schneemengen müssen im Bundesland Salzburg in höher gelegenen Gebieten wie auf Almflächen die Weidezäune rechtzeitig vor dem ersten Schneefall abgelegt werden. Sie würden sonst durch den Schneedruck zerstört. Im Frühjahr nach der Schneeschmelze werden die Weidezäune wieder errichtet: es ist dann zum Zäunen, was bei entsprechenden Grundstücklängen eine tage- bis wochenlange bäuerliche Arbeit darstellen kann.

Bildergalerie

Quellen

  • Deutschsprachige Wikipedia, Stichwort Zaun
  • Friedrich Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, S. 286 und S. 806, 22. Auflage, Walter de Gruyter – Berlin, New York, 1989
  • Salzburgwiki, Stichworte Steinhag, Pinzgauer Zaun, Pferch
  • „Lebendige Mauern“, Katalog zur Ausstellung der Handwerkspflege in Bayern im März 1989, Hrsg. Bayrischer Handwerkstag e. V., München 1989
  • 5. Symposion Nationalpark Hohe Tauern
  • Franz Hörburger, „Salzburger Ortsnamenbuch“, Hrsg. Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Salzburg 1982
  • Leopold Ziller, „Die Salzburger Familiennamen“, Hrsg. Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Salzburg 1986