Gebrochenes Brot. Geschichte eines Frauenordens zwischen den Weltkriegen

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Titelbild Buch Gebrochenes Brot. Geschichte eines Frauenordens zwischen den Weltkriegen

Buchtipp Gebrochenes Brot. Geschichte eines Frauenordens zwischen den Weltkriegen, Schwestern von der heiligsten Eurachristie

Autorin: Iva Lučić
Verlag: Verlag Anton Pustet
Erscheinungsjahr: 2020
ISBN 978-3-7025-0909-5

Verlagstext

Seelsorge damals und heute

Das Buch zeichnet die Gründungsgeschichte der Kongregation der Schwestern von der heiligsten Eucharistie nach, dessen Kloster heute in der Herrnau in der Stadt Salzburg steht. Der Zeitraum reicht von 1920, als die böhmische Adelige Ada Chotek die Gründungsgedanken formulierte, bis zum Jahr 1946, als die Ordensgemeinschaft die Gründungsheimat, die damalige Tschechoslowakei, verließ. Anhand von Dokumenten der Gründerin analysiert die Autorin den Konsolidierungsprozess der Kongregation und der Frauenseelsorge als ihr zentrales Tätigkeitsfeld. Die persönlichen, religiösen und politischen Dimensionen der Gründung werden aus dem sozio-politischen Kontext Böhmens der Zwischenkriegszeit heraus gedeutet: die Selbstbehauptung des Adels, der Konflikt um die öffentliche Stellung der Kirche und die Nationalisierung der Konfessionen.

Am Beispiel der Ordensgeschichte bietet das Buch neue Erkenntnisse über den Wandel religiöser Vorstellungen und Alltagsformen, die Aufwertung der Laien und die Etablierung der Frauenseelsorge in Böhmen als Teile eines Transformationsprozesses im Katholizismus vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil.

Rezension 1

Sehr fundierter Einblick in die Entstehungsgeschichte des Ordens und die zeitgeschichtlich-politische Umgebung

Das Buch erregte meine Neugier, weil sich dieser Frauenorden in meiner Geburtsstadt Salzburg nach dem Zweiten Weltkrieg angesiedelt hatte. Das Buch schildert die Zeit der geistigen Entstehung des Ordens, etwa ab dem Ersten Weltkrieg, bis zur Vertreibung 1946 aus der damaligen Tschechoslowakei. Dabei bildet das Leben der Ordensgründerin Ada Marie Gabriele Gräfin Chodek den Schwerpunkt im Buch.

Zunächst erläutert die Autorin die Fragestellung dieser Buchstudie sowie den Hintergrund dieser Auftragsarbeit. Es folgen Einführungen in die Adelsgeschichte des 19. und 20. Jahrhundert, die Kirchengeschichte in Böhmen im 20. Jh. sowie bisherige Forschungen in der Geschichte der Eucharistieschwestern.

Aufbauend auf dieses Wissen versteht man dann vieles besser im Leben und vom Denken von Ada Chorek. Auch die folgenden Kapitel über den politischen Kontext der Gründung des Ordens und seiner Vorstufen werden so für den Leser verständlicher. Ausführlich beschäftigt die Autorin die einsetzende Entwicklung der äußeren Gemeinschaftsstruktur. Der Prozess der kirchlichen Entwicklung von 1930 bis 1937 sowie die neuen politischen und internen Umstände zur Zeit des Nationalsozialismus sind weitere Abschnitte im Buch, die Nachkriegsverhältnisse und Übersiedlung nach Salzburg werden nur auf wenigen Seiten behandelt.

Die Autorin war zur Recherche ihres Buches längere Zeit in Salzburg bei den Schwestern. Sie bediente sich vor allem schriftlicher Unterlagen von Ada Chodek, Briefe an ihre adeligen Cousinen und andere Personen, z. B. an die ihr vorgesetzten Bischöfe und geistlichen Betreuer. Sie erläutert immer wieder ausführlich ihre Erkenntnisse und Vermutungen, die sie daraus ableitet. Manchmal sind ihre Ausführungen doch sehr wissenschaftlich, die ich nur überflogen habe. Aber überwiegend finde ich den Inhalt sehr interessant und aufschlussreich. Die Autorin schildert verständlich die schwierigen und komplizierten Umstände, unter denen Chotek den Orden gründete. Die Auflösung der Donaumonarchie bedeutete für Chotek als adelige Deutsche in Böhmen enorme Umstellungsprobleme in Bezug auf den sozialen Umgang in der „neuen“ Welt. Selbst nach Gründung ihres Ordens wohnte sie noch eine Weile im elterlichen Schloss und war nur tagsüber bei ihren Schwestern. Sie fand diese soziale Unterscheidung trotz ihres tief religiösen Glaubens angebracht und behielt auch später noch eine soziale Distanz zu einfachen Schwestern aufrecht. Die Schwestern der Gründung stammten fast ausschließlich aus adeligen Familien und so hatte Chodek eine gewisse gewohnte soziale Umgebung.

Im Buch wird auch die deutliche Hierarchie in der katholischen Kirche behandelt. Chodek musste beim Bischof um Genehmigung der Gründung ansuchen. Über die Gründung wurde dann unter Ausschluss von Chodek beraten und Männer erteilten die Genehmigung. Sie erhielt einen Pater als geistlichen Beistand, der auch darüber zu wachen hatte, dass alles im katholischen Sinn verläuft. Das Buch bietet interessante Details aus der damaligen Zeit, der Denk- und Handlungsweisen der katholischen Kirche, den Wandel des Adels und der politischen Verhältnisse.

Auch wenn ich nicht alle Seiten genau gelesen habe, so doch die Mehrheit und finde das Buch sehr interessant und sehr gut recherchiert geschrieben (was auch rund 900 Fußnoten und das mehrere Seiten zweispaltig lange Quellen- und Literaturverzeichnis belegt).

Rezension 2

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