Krösendose

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Krösendosen aus Privatbesitz Adele Sungler.

Die Krösendose ist eine aus Holz gedrechselte Dose, die im Salzkammergut und darüber hinaus gerne als Taufgeschenk verteilt wurde.

Geschichte

Geburt, Taufe, Hochzeit und Tod sind Festlichkeiten, die einen bestimmten Wendepunkt im Leben eines Menschen darstellen. Großes Leid brachte die hohe Kindersterblichkeit in früheren Jahrhunderten. In einem Gebetbuch der Familie Gandl in St. Wolfgang findet sich die Aufzeichnung einer Urahne: von 6 Kindern verlor die Mutter binnen zweier Monate vier Sprösslinge durch eine Seuche, was die Urkunden bezeugen. Doch mit zierlicher Handschrift stand in tiefer Frömmigkeit: "Ich darf keine Traurigkeit aufkommen lassen, die Kinder sind nun bei Gott unserem Herrn".

Früher gingen Frauen, die ein Kind geboren hatten, nicht eher aus dem Haus, bis ihr Kind getauft war. Die Taufpatin oder die "Goden" übernahm eine wichtige Rolle bei der Taufe, da sie als Stellvertreterin der Eltern für den Täufling fungierte. Bei Haustaufen hielt der Pfarrer die Andacht, taufte das Kind und sprach den Segen über das Kind und die Familie. Ein beliebtes Taufgeschenk waren vom Mittelalter bis zum 19. und 20. Jahrhundert die Taufdose, die Spanschachtel und die gedrechselte Krösendose mit christlichen Darstellungen und Sinnsprüchen des Volksglaubens. Die gedrechselten Krösendosen mit Schraubdeckel teils mit Figuren- und volkstümlicher floraler Bemalung waren Votivgaben und Devotionalien des Alpenraumes. In diesen Dosen gab es neben dem Tauftaler, dem Firmkranzerl, Rosenkränze, Schmuckstücken und kleine Alltagsgegenständen, auch "Etliche gemeiner Kreuter und Wurtzeln" als magischen Schutz für Mutter und Kind.

Bis ins 20. Jahrhundert hinein war in diesen Krösendosen auch meist ein kleines geknotetes Stück der Nabelschnur zu finden, mit der es einen sehr respektvollen Umgang gab und eine besondere Bewandtnis hatte. Die Redewendung: "Es wird ihnen schon der Knopf aufgehen" hat mit dem Knoten in der Nabelschnur zu tun. Buben und Mädchen hatten in früheren Jahren erst ihre Schulreife erlangt, wenn sie einen Knoten öffnen – oder die Schuhbänder selbst binden konnten. Manche Kinder benötigten dazu etwas mehr Zeit, wenn dann der Ausruf: "na jetzt ist ihm endlich der Knopf aufgegangen" kam, dann war der Knoten der Nabelschnur gelöst und der Weiterentwicklung des Kindes waren keine Grenzen gesetzt.

"Salzkammergut und Viechtauer Krösendosen" sind, wie zum Beispiel auch die "Berchtesgadener War", eine vom 16. bis ins 20. Jahrhundert zu Fuß auf Kraxen und dem Bauchladen von Hausierern vertriebene, kunsthandwerkliche Holzwarenspezialität der Heim- und Hausindustrie des Alpenlandes. Für die einheimische Bevölkerung wurde damit eine lebensnotwendige Nebenerwerbsquelle geschaffen. Die Holz- und Spielwaren-Hausindustrie in der Viechtau bei Gmunden hat eine lange Tradition. Die Erzeugnisse sind heute wahre Raritäten und Präsentationen in vielen heimatkundlichen Museen des Salzkammergutes.

Quelle

  • Adele Sungler - Volkskundliche mündliche Überlieferungen, Aufzeichnungen durch Mitarbeit bei Univ. Prof. Hofrat Dr. Franz C. Lipp

Verfasser

  • Dieser Artikel wurde von Adele Sungler verfasst und als Word-Dokument an das Salzburgwiki gesandt.