Marterl

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Marterl für einen jungen Mann, der beim Streuziehen mit dem Ziachschlitten tödlich verunglückte
Marterl zur Erinnerung an die Pestepidemie im Jahr 1648, Lenzengut, Lofer
Pestmarterl beim Lenzengut

Marterl sind Gedenksäulen, Gedenkkreuze oder Gedenktafeln, die am Ort von Unfällen u. ä. aufgestellt oder angebracht werden.

Die freie Landschaft als Andachtsraum

Nicht nur in Feldkapellen und Kirchen befanden und befinden sich Bilder und Zeichen, die an unvollendet Verstorbene erinnern, wie es plötzlich Verstorbene aus Sicht des Volksglaubens sind, sondern auch in der freien Natur wurden Erinnerungsmale errichtet. Bilder des Fegefeuers fanden sich auf den meisten Feld- und Wegkreuzen und an Bildbäumen, die meist mit der Bitte um ein Vater unser und ein Gegrüßt seist Du Maria zum Seelendienst aufforderten. Totenleuchten an Friedhöfen oder an aufgelassenen Friedhöfen waren besonders eindrucksvoll. Sie hatten die Form einer Steinsäule, die am oberen Ende als Laterne ausgebildet war. Darin wurden Öllichter oder Kerzen als Dienst an den Armen Seelen angezündet und abgebrannt. Eine Konkretisierung der Heilsbitte: Das Ewige Licht leuchte ihnen. Auch Leichläden oder Leichenbretter zählen zu den Erinnerungsmalen in freier Natur.

Marterl als Erinnerungsmale

Zu einem persönlichen Seelendienst halten die Marterln an. Es sind hölzerne Bildtafeln, die an Orten angebracht wurden, in deren Nähe Personen unversehens eines gewaltsamen oder natürlichen Todes gestorben waren.

Geschichte der Marterl

Marterln gehören wie der Bildstock zu den Kleindenkmälern und sind seit dem 19. Jahrhundert bezeugt. Zunächst wurden sie aus Tirol bekannt. Ihre Geschichte liegt dennoch weitgehend im Dunkeln.

Ein erstes Erscheinen ist aus dem 13. Jahrhundert bekannt. Der Hintergrund für ihre Errichtung ist ausschließlicher geistlicher Natur. Nichts wird im Volksglauben als gefährlicher angesehen als ein unvorhergesehener Tod, der die Hoffnung auf ein ewiges Leben zu Nichte machen und im besten Fall eine ausgiebige Fegefeuerstrafe zur Folge haben kann.

Um dem solcherart Verstorbenen einen dauernden persönlichen Seelendienst über den Familienkreis hinaus zu sichern, wurden (und werden) in der Nähe des Sterbeortes an begangenen Stellen Marterl errichtet.

Bildergalerie

Etymologisches

Der Begriff Marterl leitet sich von Marter ab und bezeichnet ursprünglich die Darstellung des Leidens Christi – beispielsweise an einem Kreuzweg. Später wurde der Begriff auf Gedenkstätten an Unfalls-, bzw. Unglücksorten übertragen.

Quellen

  • Friedrich Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, de Gruyter, 22., völlig neu bearbeitete Auflage, Berlin – New York, 1989
  • Lenz Kriss-Rettenbeck, Bilder und Zeichen religiösen Volksglaubens, Verlag Georg D. W. Callwey, München, 1971