Pflanzen-Liebesgaben als Glücksbringer zur Hochzeit

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Hochzeitslader mit einem Rosmarin Zweig

Wie zu Großmutters Zeiten dienen im Salzkammergut auch heute noch Pflanzen-Liebesgaben als Glücksbringer zur Hochzeit.

Allgemeines

Früher vertrauten die Menschen auf die Heilkraft der Pflanzen, die das menschliche Empfinden verfeinerten. Geheimnisvolle Kräuter und Wurzeln für die schönsten Stunden im Leben gab es schon seit altersher. Rosmarin, Weihrauchkraut und Myrte sind seit uralten Zeiten Hochzeitspflanzen.

So spielten Rosmarin und Myrte bei vielerlei Kulthandlungen und Bräuchen seit der Antike aufgrund der hochwirksamen Inhaltsstoffe eine große Rolle. Die Braut putzte man mit einem Kranz aus Myrte und Rosmarin, den schon im Altertum als Heilpflanzen viel verehrten immergrünen Sträuchern der hoffenden Liebe. Aufgrund der wohlriechenden ätherischen Öle wird besonders Rosmarin zum Binden des Brautkranzes und der Brautsträußerln verwendet.

Die zur Hochzeit verteilten Myrten oder Rosmarienanstecksträußchen werden mit dem geweihten Hochzeitsstrauß, dem Brautkranz, sowie dem Kopfschmuck der Männer getrocknet als Glückssymbol in Spanschachteln aufbewahrt oder an einen Wallfahrtsort geopfert.

Der "Ladmann" mit dem dekorierten Ladstock, der Brautwerber, bittet im Haus der Brauteltern Verwandte und Freunde mit alten Sprüchen um die Teilnahme an der Hochzeit. Dem Einlader, dem Zeremonienmeister, obliegt der reibungslose Ablauf des Hochzeitsfestes. Der Hochzeitslader und die Brautführer sind mit dem Rosmarinsträußerl am Hut und den wehenden bunten Bandeln herausgeputzt. Verwandte, Freunde, Vereine, Trachtengruppen und Jäger, oft wie bei einer Gamsbartolympiade, bringen dem Brautpaar durch die Teilnahme ihre Ehre dar.

Die Zahlensymbolik spielt bei den Hochzeiten im Wolfgangseeland eine sehr wichtige Rolle. So tragen die drei Brautführer je drei Rosmarin Stangen auf dem aufgekranzten Hut. Der Brautführer trägt nur ein Zweigerl. Die drei Rosmarinasterln auf den Hüten symbolisieren die Dreifaltigkeit, die drei Weisen aus dem Morgenland, drei Kreuze auf dem Kalvarienberg, Himmel, Erde und Wasser, wie Glaube, Hoffnung und Liebe. 3 x 3 = 9. Neun wiederum ist die dreifache Erfüllung der Wunsch für Fruchtbarkeit, Glück und Segen. Neun ist eine Engelszahl für das irdische Paradies. Es gibt neun Chöre der Engel, die dem Brautpaar Heil- und Segen bringende Kraft spenden.

Bräute wurden mit den wohlriechenden Myrten und Rosmarinkränzen geschmückt. Im Salzkammergut war der Brautkranz ein Sinnbild für Kraft und ein Zeichen der Reinheit. Seit altersher wird diesen Kräutern des Hochzeitsbrauches eine besondere heilende, fruchtbringende Wirkung zugeschrieben.

Im Sommer stehen die wohlriechenden Sträucher meist in den Arznei- und Kräutergärten der Bäuerinnen. Den Winter über verbringen diese anspruchslosen Topfpflanzen am häufigsten des Lichtes wegen in einer Fensternische in der guten oberen Stube des Bauernhofes. Als Symbol der Liebesgaben und des Brauches wegen wird zusätzlich immer wieder ein Steckling für ein Hochzeitsfest im Freundes und Familienkreis herangezüchtet. Schlägt das Pflänzchen Wurzeln und blüht auch weiter, so gilt das auch als gutes Zeichen für die Zukunft einer Ehe.

Die Blumen sind ein Sinnbild des Blühen und Verwelken. Neben der sinnlichen Schönheit, die uns der Anblick von Blumen schenkt, gelten Blumen in der Bibel als Symbole der Flüchtigkeit. Durch all diese Sinnbilder sind die Brautleute eingebunden in die Bewahrung der Schöpfung und die Weitergabe von Tradition. Der durch Jahrhunderte bewahrte Wissensschatz der Naturvölker, Klöster und besonders die Aufzeichnungen Hildegard von Bingens über die Kraft der Heilpflanzen finden heute wieder großen Anklang. Alpenblumen und Kräuter werden als Liebessymbole zur Geschichte durch Jahrtausende.

Verfasser

Dieser Artikel wurde von Adele Sungler verfasst und als Word-Dokument an das Salzburgwiki gesandt. Alle Bilder aus dem Archiv Adele Sungler.

Literatur

  • Kräuter-Pfarrer Dr. Friedrich Losch: Unsere Heilpflanzen, 1914
  • Friedrich Barth: St. Wolfgang
  • Lottlisa Behling: Pflanzen, 1967
  • Irmgard Müller: Pflanzen Heilmittel Hildegard v. Bingen, 1982
  • Sybille Gräfin Schönfeldt: Feste und Bräuche, 1980
  • "Geheimnisse und Heilkräfte der Pflanzen", 1978