Störhandwerker

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Störhandwerker waren Handwerker, die ihre Arbeit zur Gänze oder teilweise in fremden Häusern und Höfen ausübten.

Etymologisches

Etymologisch ist die Bedeutung von „Stör“ ungeklärt. Es besteht jedoch die Vermutung, dass sich der Begriff doch von „stören“ herleiten könnte, nämlich im Sinne von „die Zunftordnung stören“.

Allgemeines

„Auf die Stör gehen“ bedeutete, dass ein Handwerker zu einer bestimmten Zeit sein Werkzeug zusammen packte und sein Gewerbe für eine bestimmte Zeitspanne nicht in seiner Werkstatt sondern in einem fremden Haus oder Bauernhof vor Ort ausübte. Dort bekam er Kost und Quartier und darüber hinaus den vereinbarten Lohn. Störhandwerker sind seit dem 16. Jahrhundert bekannt.

Stör-Handwerksgewerbe

Zu den Gewerben, die von Störhandwerkern ausgeübt wurden, zählten Schuster, Schneider und Weber. Auch Kesselflicker oder Messerschleifer suchten sich ähnlich als Störhandwerker ihre Arbeit in fremden Häusern und Höfen. Auch der Beruf des Sauschneiders kann zum Störhandwerk gerechnet werden.

Beschreibung

Von Stör-Handwerkern wurde alles, was in den Bereich des jeweiligen Gewerbes fiel und reparatur- oder erneuerungsbedürftig war, wieder instand gesetzt oder neu hergestellt. Sie brachten ihr eigenes Werkzeug und teilweise auch Material wie Leder oder Stoffe mit auf den Hof, wurden auch dort verköstigt und beherbergt und für ihre Dienste nach Vereinbarung bezahlt. Für manche Schneiderin, im Berufsalltag an sitzende Tätigkeit gewöhnt, bedeutete das einen beschwerlichen, stundenlangen Fußweg mit der schweren und unhandlichen Handnähmaschine unter dem Arm. „Stör-Aufenthalte“ konnten je nach Hofgröße und damit verbundener Anzahl an Personen wenige Tage bis Wochen dauern. Stör-Handwerker waren mindestens bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts im Einsatz. „Auf die Stör“ gingen vor allem Schuster und Schneider.

Das Schusterhandwerk war auf Bauernhöfen, in denen bis in das vergangene Jahrhundert hinein vieles am Hof erzeugt und auch wieder instand gesetzt wurde, unentbehrlich. Dasselbe galt für die Schneiderei. Auch wenn einfache Reparaturen an Schuhen und Bekleidung von am Hof beschäftigten Dienstboten geleistet wurden, musste die Herstellung neuen Schuhwerks dem Schuster und das Schneidern neuer Kleider der Schneiderin oder dem Schneider vorbehalten bleiben. Das Verschneiden von Leder oder Stoffen konnte und wollte man sich nicht leisten und auch am Bauernhof, wo früher vielleicht nicht alles so heikel war, mussten Schuhe und Bekleidung zumindest funktionell sein, das heißt einigermaßen passen und auch möglichst lang halten. Die Störhandwerker arbeiteten im Auftrag des Bauern und stellten Schuhe und Bekleidung für die Mitglieder der Bauernfamilie und für die Dienstboten her.

Bedeutung des Störhandwerks

Der "Stör-Aufenthalt" der Handwerker bedeutete für den Auftraggeber eine wesentliche Zeit- und Kostenersparnis, da er die erforderlichen Anproben am Hof ermöglichte und Mitgliedern der Familie und dem Gesinde weite Wege ersparte. Für alle Beteiligten war darüber hinaus die Anwesenheit von Störhandwerkern eine willkommene Abwechslung. Brachten sie doch neue Gesichter und Berichte über aktuelle Ereignisse auf den oft abgelegenen Hof.

Die Stör-Handwerker selbst waren wie die Dienstboten von der Kochkunst der Bäuerin mehr oder minder angetan. Auch die hygienischen Verhältnisse lösten nicht immer Begeisterung aus. Manche vertrugen auch die dort verabreichte deftige Kost weniger gut und waren froh, wenn sie wieder in die eigene Werkstatt zurück kehren konnten. Andere liebten die störbedingte Abwechslung.

Quellen

  • Eigenartikel von Christina Nöbauer
  • Gespräche der Autorin mit ihrer Mutter, die Schneidermeisterin war und in ihrer Lehrzeit mit ihrer Lehrherrin in Oberösterreich auf die Stör ging.
  • Gespräch mit Theresia Oblasser.
  • Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 22., völlig neu bearbeitete Auflage, de Gruyter, Berlin 1989
  • Alois Schwaiger, Leonhard Höck, Pinzgauer Mundart Lexikon, S. 124, Verleger Leoganger Bergbau-Museumsverein, Leogang 2010
  • Johann Andreas Schmeller, Bayrisches Wörterbuch, R. Oldenbourg Verlag München, 1996

Weblinks

  • Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum Thema "Stör"