Tauernhaus Schößwend

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Tauernhaus Schößwend mit Kapelle von Norden gesehen
Tauernhaus Schößwend
Tauernhaus Schößwend im Felbertal
Wirtschaftsgebäude Tauernhaus Schößwend

Das Tauernhaus Schößwend ist eines der vier Tauernhäuser, die sich an der Nordseite des Felber Tauern befinden. Es liegt zwischen der Schößwendklamm und dem Tauernhaus Spital.

Allgemeines

Der Weg über den Felber Tauern war für das mittelalterliche Salzburg überaus wichtig, da er den Pinzgau mit den Salzburger Herrschaften – hier vor allem mit dem Gericht Windisch-Matrei – verband. Bereits im 14. Jahrhundert erscheinen die Tauernhäuser am Weg über den Felber Tauern, vier auf der Nordseite und eines auf der Südseite gelegen, in den Urbaren mit ansehnlichen Provisionen ausgestattet auf.

Provisionen und Verpflichtungen

Das Tauernhaus Schößwend, entstanden aus einer Schwaige, erhielt gleich wie das Tauernhaus Spital, 72 Metzen Getreide (je neun Metzen Bohnen und Roggen, 18 Metzen Gerste und 36 Metzen Hafer), während das Tauernhaus Rain und das Tauernhaus Reut nur je sechs Metzen Hafer an Provision erhielten. Die Höhe der Provision, die auch grundbücherlich abgesichert war, weist auf die Bedeutung dieses Tauernhauses hin. Während Reut und Rain nur Hilfsdienste bei der Suche und Bergung von Verirrten und Verunglückten zu leisten hatten, nicht jedoch für deren Unterkunft und Verpflegung aufzukommen hatten, werden Ende des 15. Jahrhundert als Verpflichtungen, die die Tauernhäuser Spital und Schößwend mit dem Erhalt der Provision eingingen, in einem Urbar aufgezählt:

„Darumb sullen Sy (die ´Schwaiger in der Velben`) den armen Lewtn, dy nit Zerung haben, noch lon vermügn, über den Velber Tawrn helffen und durch gots und der pfründ willn ze essen gebn. Sy sullen auch den Tawrn mit Zaigern und anderer Notdurft bewaren. Ir ettlich sollten auch am abend innen auf den ängern underm Tawrn schrein oder plasn, Ob yemand obn am Tawrn wär, sich verspatt oder vergangen hiet, daz Sy dem herab hülffen, damit sölh arm Volkh am Tawrn nit vergee oder verderb“.

Diese Verpflichtungen verursachten nicht selten höhere Kosten als die Provisionen abdeckten. Auf das Tauernhaus Schößwend wurde im 16. Jahrhundert das Schankrecht (Tavernrecht), das ursprünglich dem Tauernhaus Spital zu eigen war, wegen dortiger schlechter Wirtschaftsführung übertragen. Aber bereits im Jahr 1611 verlor Schößwend das Tavernrecht wieder an Spital. Als in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Hofkammer versuchte, die Provisionen der Tauernhäuser im Felbertal abzuschaffen, wehrten sich die Besitzer der Tauernhäuser erfolgreich dagegen. Ihr wichtigstes Argument war die Wegerhaltung, die aufgrund von Unwetter, Muren- und Lawinenabgängen besonders aufwändig war. Die Pfründe wurde in Folge der Einwände in alter Höhe belassen. Die Änderung wäre wegen der grundbücherlichen Absicherung ohnehin nur schwer durchführbar gewesen. In der Folge blieben bis 1848 Provisionen und Verpflichtungen gleich. Die Aufhebung der Grundherrschaft und die Einziehung sämtlicher Naturaldeputate 1848/ 1849 brachte auch die Tauernhäuser in ökonomische Schieflage. Nach schwierigen Verhandlungen des Innenministeriums, dem die Sicherung dieses Tauernüberganges ein großes Anliegen war, wurde im Nachhinein für die Jahre 1850 und 1851 eine Geldleistung ausbezahlt und ab 1852 die Umwandlung der Naturalleistungen in Geldleistungen beschlossen. Gleichzeitig wurden die damit verbundenen Verpflichtungen der Tauernhäuser neu formuliert:

die Offen- und Erhaltung der Tauernwege, die Aufstellung der Schneestangen und Steinpyramiden, der sogenannten Steinmandln oder Dauben, als Wegweiser, die Offenhaltung des Tauernhauses für jeden Fremden, die Begleitung armer Reisender und die Verabreichung von Kost und Obdach an sie, das Aufsuchen, dann die Rettung, Labung und Erquickung von Verirrten und Verunglückten, schließlich der Transport der Leichen der auf dem Tauern Zugrundegegangenen zur nächsten Pfarre“.

Erneut erhielten Schößwend und Spital die höchsten Geldleistungen. 1920 betrug die Höhe der Zahlung an Schößwend und Spital inflationsbedingt je 600 Kronen, während Reut und Rain nur je 60 Kronen bekamen. Auch in der ersten Republik wurden an die beiden Haupttauernhäuser noch Zahlungen geleistet, während Reut und Rain nicht mehr als begünstigt aufschienen und somit auch von ihren Verpflichtungen gelöst waren. In der Zeit des Nationalsozialismus ab 1938 wurden an Schößwend und Spital ebenfalls Provisionszahlungen gelistet. 1940 erhielt Schößwend 45 Reichsmark, während Spital 90 Reichsmark bekam. In den Folgejahren kamen die zwar genehmigten Zahlungen wegen der Kriegswirtschaft zum Erliegen. Nach dem Zweiter Weltkrieg endete die Tradition der Tauernhausprovisionen völlig.

Quelle

  • „Das Rauriser Tauernhaus“, Salzburger Nationalparkfonds 1991